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Milchkrise: Mehr Kühe im Land geschlachtet

Nach vorheriger Betäubung ausgeblutete Rinder hängen in einem Kühlraum des Schlachthofs Hannover. Die Zahl der Kuhschlachtungen ist in Niedersachsen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. (Archivbild)
Nach vorheriger Betäubung ausgeblutete Rinder hängen in einem Kühlraum des Schlachthofs Hannover. Die Zahl der Kuhschlachtungen ist in Niedersachsen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. (Archivbild)
Foto: dpa

Hannover. Die Zahl der Kuhschlachtungen ist in Niedersachsen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Vorläufigen Angaben des Statistischen Landesamtes zufolge kletterte die Zahl der in Niedersachsen geschlachteten Tiere von rund 149.000 im Jahr 2015 auf etwa 182.000 im Jahr 2016 - die Steigerung beträgt 22,1 Prozent. Endgültige Zahlen sollen im April vorliegen.

Aus Sicht der Landesvereinigung Milchwirtschaft Niedersachsen spiegeln die Zahlen die Milchkrise des vergangenen Jahres wieder. "Die Betriebe haben an vielen Stellschrauben gedreht, um die Kosten zu senken", sagte der Geschäftsführer der Landesvereinigung, Frank Feuerriegel, in Hannover. Weniger Tiere bedeuteten auch weniger Futterkosten. Bundesweit sei die Zahl der Schlachtungen um 6,8 Prozent gestiegen - insgesamt 1,31 Millionen Kühe kamen laut Statistischem Bundesamt zum Schlachter. In die Schlachtung gehen ältere Tiere - ihr Fleisch findet sich zum Beispiel in Burgern wieder.

Keine Jubelpreise

Auch in der EU sei der Milchkuhbestand gesunken, nachdem er in den Vorjahren gestiegen war: Insgesamt wurden im Dezember 2016 rund 23,5 Millionen Tiere gezählt, 0,2 Prozent oder 50.000 Tiere weniger als ein Jahr zuvor. EU-weit nahm die Zahl der Schlachtungen von Kühen um 6,7 Prozent zu, sagte Feuerriegel unter Bezug auf Angaben der Zentralen Milchmarktberichterstattung (ZMB).

Seit Sommer vergangenen Jahres hat sich laut Feuerriegel die Erlössituation für die Milchbauern kontinuierlich verbessert. "Die Preise pro Kilo Milch bewegten sich deutlich über 30 Cent." Während der absoluten Tiefphase im vergangenen Mai und Juni seien es etwas über 20 Cent gewesen. Insbesondere die Preise für Käse hätten sich verbessert. Derzeit liegt der Milchpreis relativ stabil bei 32 bis 33 Cent. Damit ließen sich zwar "Löcher stopfen", die in der Krise entstanden seien. Es seien keine "Jubelpreise", die Betriebe würden aber zumindest keine Verluste mehr machen.

Rund 1.700 niedersächsische Betriebe haben sich angesichts der Milchkrise für die Teilnahme an dem EU-Programm zur Milchmengenreduzierung entschlossen. In Niedersachsen produzierten die Betriebe von Oktober bis Dezember 2016 rund 55 Millionen Kilogramm weniger Milch als im gleichen Zeitraum 2015 und werden dafür wahrscheinlich bis Ende März 7,7 Millionen Euro von der EU erhalten. Das Überangebot an Milch hatte im vergangenen Jahr den Verfall bei den Milchpreisen ausgelöst.