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Gewaltige Explosion: Mehr als 100 Tote in Mossul

Kämpfer der schnellen Eingreiftruppe der irakischen Bundespolizei feuern eine Rakete auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), am 20. März 2017 in Mossul (Irak). Bei einer Explosion sind drei Tage später mehr als 100 Zivilisten getötet worden. (Archivbild)
Kämpfer der schnellen Eingreiftruppe der irakischen Bundespolizei feuern eine Rakete auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), am 20. März 2017 in Mossul (Irak). Bei einer Explosion sind drei Tage später mehr als 100 Zivilisten getötet worden. (Archivbild)
Foto: dpa

Mossul. Bei einer Explosion während der Offensive gegen die IS-Terrormiliz im Westen der nordirakischen Großstadt Mossul sind mehreren Berichten zufolge mehr als hundert Zivilisten getötet worden. Ein irakischer General erklärte am Donnerstag, unter Gebäudetrümmern im Viertel Al-Dschadida seien 108 Leichen geborgen worden, darunter Frauen und Kinder. Ein Aktivist mit dem Decknamen "Mosul Eye" meldete 130 Tote. Die kurdische TV-Sender Rudaw spricht sogar von 230 Opfern.

Unklar ist die Ursache der Explosion. Der Aktivist "Mosul Eye" hatte lange anonym unter Lebensgefahr direkt aus Mossul berichtet, die Stadt aber vor einigen Monaten aus Sicherheitsgründen verlassen.

Immer mehr Menschen in Auffanglagern

Die irakische Armee hat im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach UN-Schätzungen etwa 40 Prozent des westlichen Teils der Stadt Mossul befreit. Damit schwelle auch der Flüchtlingsstrom deutlich an, berichtete Bruno Geddo, Einsatzleiter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, am Donnerstag aus dem Auffanglager Hammam al-Alil rund 20 Kilometer südlich der Stadt. Etwa 8.000 bis 12.000 Menschen kämen inzwischen täglich von Panik gekennzeichnet in dem Lager an.

IS-Kämpfer drohten in ihrer einstigen Hochburg jedem, der die Flucht wage, mit Erschießung. Nur aus befreiten Gegenden sei die Flucht wirklich möglich. In der Altstadt seien 400.000 Menschen eingekesselt und würden von IS-Kämpfern eingeschüchtert. Sie hätten kaum zu essen und müssten Möbel und Kleidung verbrennen, um bei heftigem Regen und in kühlen Nachtstunden zu überleben.

Flucht im Morgennebel

Die Menschen können sich von dort höchstens im Morgennebel, in der Nacht oder während des Gebets davonstehlen, wie Gedda sagte. "Viele riskieren lieber den Tod auf der Flucht als den Tod, wenn sie bleiben", sagte Gedda.

Insgesamt seien noch etwa 600.000 Menschen in Westmossul, 158.000 seien seit Beginn der Offensive der irakischen Armee im Februar geflüchtet. Zudem seien noch gut 110.000 Menschen aus dem bereits befreiten Ostmossul in den Lagern. Dort hatte die Offensive im Oktober begonnen.