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Kein Vergewaltiger werden: Ambulanz für gefährdete Männer startet

"Kein Täter werden": Mit einem Präventionsprojekt will die Medizinische Hochschule Hannover verhindern, dass aus sexuellen Gewaltfantasien Taten werden.
"Kein Täter werden": Mit einem Präventionsprojekt will die Medizinische Hochschule Hannover verhindern, dass aus sexuellen Gewaltfantasien Taten werden.
Foto: dpa

Hannover. Wer sexuelle Gewalt erlebt hat, leidet sein Leben lang unter den Folgen. "Die psychiatrischen Kliniken sind voll von traumatisierten Frauen", sagt Sexualmediziner Uwe Hartmann.

Eine neue Ambulanz für Männer mit Gewaltfantasien soll verhindern, dass Frauen zu Opfern werden. "Sexuelle Übergriffe kommen nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel", sagte Hartmann am Mittwoch, 19. April, bei der Vorstellung seines Präventionsprojekts an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Anonym und kostenlos

"Es gibt einen Vorlauf in der Seele und der Sexualität des Täters." Wer befürchtet, seine sexuellen Impulse nicht mehr kontrollieren zu können, kann sich anonym und kostenlos behandeln lassen. Geplant sind Einzel- und Gruppentherapien, bei Bedarf auch mit medikamentöser Unterstützung.

An der Medizinischen Hochschule Hannover gibt es bereits seit fünf Jahren eine Ambulanz für pädophile Männer. In dieser Zeit habe es auch Anfragen von Männern gegeben, die von Gewaltfantasien in Bezug auf erwachsene Frauen berichteten, sagte Hartmann.

Scham und Angst

Diese Gruppe ist groß und kaum erforscht. 2015 verzeichnete die polizeiliche Kriminalstatistik bundesweit 7.022 Vergewaltigungen. Nur 5 Prozent davon werden Studien zufolge angezeigt - weil der Täter der eigene Partner oder Ex-Freund ist, aus Scham oder aus Angst, dass einem niemand glaubt.

Darum wollen die Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover jetzt die Psychotherapie von Männern mit Gewaltfantasien verbessern. Dabei geht es vor allem um Impulskontrolle. Studien mit wenigen verurteilten Tätern weisen auf verschiedene Persönlichkeitsprofile hin.

Macht, Hass, Sadismus

Es gibt dissoziale Typen, die Macht ausüben, Schmerz zufügen oder Rache nehmen wollen. Eine andere Gruppe ist unfähig, Beziehungen zu Frauen einzugehen, und entwickelt nach Enttäuschungen und Kränkungen einen Hass auf Frauen. Wieder andere Täter haben bereits seit ihrer Jugend sexuell-sadistische Fantasien.

Das niedersächsische Gesundheitsministerium fördert die neue Ambulanz mit 450.000 Euro für zunächst drei Jahre. Die Psychiater sind optimistisch, dass Männer mit Gewaltfantasien das Angebot annehmen werden. "Die Menschen sind da und brauchen Hilfe", sagte Tillmann Krüger, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie.