Welt 

Bus-Crash in Bayern: 18 Tote geborgen

Das ist von dem Reisebus übrig geblieben: ein ausgebranntes Stahlskelett.
Das ist von dem Reisebus übrig geblieben: ein ausgebranntes Stahlskelett.
Foto: dpa
  • Reisebus fährt auf einen Sattelzug.
  • Bus geht in Flammen auf.
  • Polizei geht von 18 Toten aus.

Münchberg. Update: Nach dem schweren Busunglück auf der Autobahn 9 in Nordbayern sind alle 18 vermuteten Todesopfer geborgen worden. Das teilten die Einsatzkräfte am Montag an der Unfallstelle nahe Münchberg in Oberfranken mit.

Bei einem Reisebusunfall auf der Autobahn 9 in Oberfranken sind nach Erkenntnissen der Polizei 18 Menschen ums Leben gekommen. 30 der 48 Insassen seien verletzt worden - einige von ihnen schwer, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mit. "Die verbleibenden Personen dürften wohl in dem brennenden Reisebus ums Leben gekommen sein", hieß es in einer Mitteilung.

Senioren aus Sachsen

Innenstaatssekretär Michael Wilhelm (CDU) bestätigte am Montag in Dresden zwar, dass sich in dem Unglücksbus eine "Reisegruppe mit Senioren aus Sachsen" befunden habe. Es seien aber auch Reisende aus anderen Bundesländern dabei gewesen.

Ihr Fahrzeug war um kurz nach 7 Uhr nahe Münchberg im Landkreis Hof bei sich stauendem Verkehr auf einen Sattelzug geprallt und in Flammen aufgegangen. Übrig blieb nur ein verkohltes Wrack. In dem Bus saßen 46 Fahrgäste und zwei Fahrer. Die Verletzten würden im Krankenhaus zusätzlich von Seelsorgern betreut.

Zur Bergung und Identifizierung der Leichen wurden Spezialisten der Rechtsmedizin und des Bundeskriminalamts angefordert. Ein Sachverständiger sollte die Ursache des Unglücks untersuchen. Etwa 200 Kräfte von Rettungsdiensten, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Polizei waren im Einsatz, außerdem mehrere Rettungshubschrauber. Sie kreisten am Vormittag über der Unfallstelle zwischen den Anschlussstellen Münchberg-Süd und Gefrees.

Die Identifizierung der Opfer sei "wegen der Schwere des Unfalls" schwierig, sagte Wilhelm. "Wir haben bei der Polizeidirektion Dresden einen Führungsstab eingerichtet." Dieser unterstütze die bayerischen Kollegen bei der Identifizierung. "Zudem wird dort die Information sowie die seelsorgerische Betreuung der Angehörigen in Sachsen koordiniert."

Tiefes Mitgefühl

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) machten sich auf den Weg zur Unfallstelle. Sie wollten sich ein Bild von der Lage machen und mit den Einsatzkräften sprechen, sagte ein Sprecher von Herrmann. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel zeigten sich betroffen und sprachen den Verletzten und den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus.

Die A9 in Richtung Süden werde wohl den gesamten Tag gesperrt bleiben, hieß es von der Polizei. Es bildeten sich lange Staus. Das Polizeipräsidium Oberfranken rief die Bevölkerung über den Kurznachrichtendienst Twitter dazu auf, die Unfallstelle möglichst weiträumig zu umfahren. Für Angehörige wurde die zentrale Telefonnummer 0800/7766350 geschaltet.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief zu Gebeten auf:

"Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Den Verletzten wünschen wir baldige Genesung", teilten Hartmut Ziebs und Alfons Weinzierl mit, die Chefs des deutschen und des bayerischen Feuerwehrverbandes. Ihre Gedanken seien zudem bei den Feuerwehrleuten, die diesen schweren Einsatz bewältigen müssten.

Rettungsgasse blockiert

Herrmann beklagte zudem ein "völlig unverantwortliches und beschämendes Verhalten" mancher Autofahrer. Weil die Rettungsgasse nicht breit genug war, hätten vor allem die großen Einsatzfahrzeuge wertvolle Zeit verloren. Auf der Gegenfahrbahn hätten zudem einige Gaffer beinahe weitere Unfälle verursacht. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte: "Die Disziplin der Leute ist ärgerlich."

Herrmann betonte trotzdem: "Es ist so schnell wie irgend möglich Hilfe geleistet worden." Etwa 100 Polizisten und mehr als 150 Rettungskräfte waren im Einsatz. Nach Angaben der Integrierten Leitstelle waren Bus und Lkw-Anhänger ineinander verkeilt, zeitweise habe auch ein angrenzender Wald gebrannt.

Zweiter schlimmer Unfall

Auf der A9 nahe Münchberg im Landkreis Hof hatte es schon einmal ein schweres Unglück gegeben: Vor 27 Jahren kam es hier wegen dichten Nebels zu einer der schlimmsten Massenkarambolagen, die es je auf deutschen Straßen gegeben hat. Rund 100 Autos waren damals in den Unfall verwickelt, zehn Menschen starben, 122 wurden verletzt.

Der Beitrag wurde aktualisiert.