Welt 

Baby Charlie ist tot

Ein von Charlys Familie zur Verfügung gestelltes Foto von Charly.
Ein von Charlys Familie zur Verfügung gestelltes Foto von Charly.
Foto: dpa/Family of Charlie Gard

London.  Das britische Baby Charlie ist tot. Das teilte am Freitag ein Sprecher der Familie nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA mit; es wurde nicht einmal ein Jahr alt.

Die Eltern des Kindes, das eine sehr seltene genetische Erkrankung hatte, hatten monatelang vor verschiedenen Gerichten um das Schicksal ihres kleinen Sohnes gekämpft. Am vergangenen Montag gaben sie schließlich auf. Durch die langen juristischen Streitereien sei so viel Zeit vergeudet worden, dass nun ihrem Sohn nicht mehr geholfen werden könne, hatten die Eltern kritisiert.

Charlie hatte zuvor nur noch mit Hilfe von Maschinen am Leben gehalten werden können. Er musste künstlich beatmet und ernährt werden. Das sogenannte mitochondriale DNA-Depletionssyndrom (MDDS) hatte seine Hirn- und Muskelfunktionen zerstört. Er konnte sich nicht mehr bewegen. Charlie war taub und hatte epileptische Anfälle.

Was passiert mit den Spenden?

Die Ärzte des Babys im Londoner Great-Ormond-Street-Krankenhaus hatten sich dafür ausgesprochen, dass der Junge in Würde sterben darf. Seine Eltern wollten ihn dagegen für eine experimentelle Therapie in die USA bringen. Der Neurologe Michio Hirano von der Columbia University in New York schätzte die Chancen, dass sich Charlies Zustand mit dieser Therapie verbessere, auf etwa zehn Prozent.

Die Eltern hatten für die Behandlung ihres Sohnes bereits rund 1,5 Millionen Euro an Spenden gesammelt, um den Krankentransport und die Behandlung finanzieren zu können. Das Geld soll jetzt in eine Stiftung fließen, um Kindern mit ähnlichen Erkrankungen zu helfen.

Der Rechtsstreit durchlief alle Instanzen bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Bereits Ende Juni sollte Charlies Beatmung eingestellt werden, doch die Eltern erbaten Aufschub, um von ihrem Sohn Abschied zu nehmen.