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Asyl-Studie: Afrikaner oft traumatisierter als Syrer

Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Thomas Bliesener (Archivbild).
Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Thomas Bliesener (Archivbild).
Foto: dpa

Hannover. Flüchtlinge aus Afrika haben auf ihrem Weg nach Europa ein weitaus größeres Risiko, Opfer eines traumatischen Erlebnisses zu werden, als Syrer oder Iraker. Das ist ein Ergebnis einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN).

Auch psychologische Tests hätten ergeben, dass Asylsuchende aus Zentralafrika häufiger unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, sagte Projektleiter Dominic Kudlacek. "Der Fluchtverlauf ist für sie mit sehr viel mehr Risiken verbunden."

Die Wissenschaftler befragten für die Untersuchung Neuankömmlinge in niedersächsischen Ankunftszentren und Landesaufnahmebehörden. Die Fragebögen wurden in sechs Sprachen angeboten, bisher wurden rund 500 ausgewertet.

Tabu-Thema Sexuelle Gewalt

Während Männer häufiger berichteten, dass sie auf der Flucht Opfer von Körperverletzungen geworden seien, hatten viele Frauen auch sexuelle Gewalt erlebt. Sexueller Missbrauch werde allerdings gerade von Männern in Befragungen oft nicht angegeben, erläuterte KFN-Leiter Thomas Bliesener. Die Studie zu Alltagserfahrungen und Lebenswelten von Flüchtlingen in Niedersachsen ist noch nicht abgeschlossen.

Auch Chinesen diskriminiert

In einer zweiten Studie mit dem Titel "Willkommen in Niedersachsen" werden mehr als 2.200 Zuwanderer befragt, außer Asylsuchenden etwa auch europäische Saisonarbeiter in der Landwirtschaft. Nach ersten Ergebnissen erlebten die Migranten in Deutschland Diskriminierungen vor allem beim Einkaufen, Ausgehen sowie bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Chinesen berichteten am häufigsten von Diskriminierungserfahrungen, Syrer am seltensten.