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Sterbenden Rentner liegen gelassen: Prozess gegen Bankkunden

Auf diesem Überwachungsbild ist zu sehen, wie ein Bankkunde über den sterbenden Rentner hinwegsteigt, der im Vorraum eines Geldinstituts in Essen zusammengebrochen war.
Auf diesem Überwachungsbild ist zu sehen, wie ein Bankkunde über den sterbenden Rentner hinwegsteigt, der im Vorraum eines Geldinstituts in Essen zusammengebrochen war.
Foto: dpa

Essen.  Eine Bankfiliale in Essen-Borbeck. Im Vorraum bricht ein Rentner zusammen, hilflos liegt der 83-Jährige neben den Bankautomaten. Auf dem Video der Überwachungskamera sind vier Bankkunden zu erkennen, die um den Mann herumgehen, die über ihn hinwegsteigen und ihn achtlos liegen lassen. Erst der fünfte Kunde alarmiert den Arzt. Der Rentner stirbt eine Woche später im Krankenhaus.

Deutschlandweit sorgt der Fall für Schlagzeilen, er heizt zudem die Debatte an über eine Verrohung der Gesellschaft. Ab dem heutigen Montag müssen sich drei der vier Kunden auf dem Video wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht verantworten.

"Wie abgestumpft muss man sein, um hier nicht zu reagieren?", schimpft damals, im Oktober vor einem Jahr, jemand auf Twitter. "Jeder hat schließlich ein Handy!" Ein anderer schreibt: "Es hätte euer Vater oder Opa sein können."

Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) zeigt sich "nachdenklich und betroffen zugleich", auch Essens Bischof Franz-Josef Overbeck zeigt sich erschüttert.

Mit Obdachlosem verwechselt?

Die ganze Fassungslosigkeit liest sich auch aus den Zeilen der Polizeimitteilungen jener Tage zu dem Fall und den Kunden: "Teilweise gingen sie nah an dem Sterbenden vorbei oder stiegen hinüber, um ihre eigenen Finanzgeschäfte durchzuführen", heißt es darin unter anderem.

Vor Gericht stehen am Montag ein 55-jähriger Mann aus Oberhausen sowie eine Frau (39) und ein Mann (21) aus Essen. Beim vierten Angeklagten, einem ebenfalls 55 Jahre alten Mann aus Essen, wird noch geprüft, ob er verhandlungsfähig ist. Zwei der Angeklagten sagten nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft aus, sie hätten den zusammengebrochenen Mann für einen Obdachlosen gehalten.