Welt 

Air Berlin: Lufthansa zahlt 210 Millionen für Teilübernahme

Das Ende von Air Berlin – Chronik eines Sinkflugs

Air Berlin Chronik

Air Berlin Chronik

Beschreibung anzeigen
  • Lufthansa übernimmt deutlich mehr als die Hälfte der Flugzeuge von Air Berlin
  • Ein zweiter Käufer ist noch nicht gefunden
  • Das könnte zu zusätzlichen Problemen mit dem Kartellamt führen

Berlin.  Die Lufthansa zahlt für die Übernahme großer Teile der insolventen Air Berlin voraussichtlich etwa 210 Millionen Euro. Das teilte Air Berlin am Donnerstag mit. Der Preis könne aber noch angepasst werden, wenn der Kaufvertrag vollzogen wird.

Die Lufthansa übernimmt demnach die Tochtergesellschaften Niki und Luftfahrtgesellschaft Walter mit zusammen 1300 Beschäftigten sowie 20 weitere Flugzeuge der Air Berlin. Mit dem Bieter Easyjet werde weiter verhandelt.

Air Berlin – die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie – hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert.

Lufthansa und Easyjet verhandeln über Kauf

Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Anders als mit der Lufthansa mit der britischen Fluggellschaft Easyjet noch nicht über einen Verkauf geeinigt.

„Wir verhandeln heute mit Easyjet weiter“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Nach früheren Aussagen der Air Berlin interessiert sich Easyjet für 27 bis 30 Mittelstreckenflugzeuge. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach am Donnerstag von 20 bis 30 Flugzeugen, die Easyjet in Berlin und Düsseldorf stationiert wolle.

Kartellrechtlich drohen noch Probleme

Sollte es nicht dazu kommen, könnte sich das auf kartellrechtliche Probleme des Lufthansa-Deals nachteilig auswirken. „Falls Easyjet aussteigt, wird die kartellrechtliche Genehmigung für Lufthansa noch schwieriger zu bekommen sein“, sagte Luftverkehrsberater Gerald Wissel. Zudem trifft die Ankündigung, auf bestimmten Strecken eine konzerninterne Konkurrenz zwischen Lufthansa und Eurowings zu organisieren, auf Skepsis.

„Konzerne werden aus kartellrechtlicher Sicht als ein Unternehmen angesehen“, sagte der Düsseldorfer Kartellrechtler Martin Gramsch von der Kanzlei Simmons & Simmons am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Der Luftverkehrsberater Gerald Wissel erwartet eine vertiefte kartellrechtliche Überprüfung der EU-Kommission. Dabei würden die Marktverhältnisse auf einzelnen Strecken überprüft. Es könne dann gut sein, dass Lufthansa Start- und Landerechte (Slots) auf einzelnen Verbindungen freigeben müsse und diese dann an Konkurrenten verteilt würden.

Spohr: Keine höheren Ticketpreise

Air Berlin hatte mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. „Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen“, sagte er der Zeitung. „Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus.“ Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. „Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu.“

Air Berlin stellt Langstrecke ab 15. Oktober ein

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, „um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben“. Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen , wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB „nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich“.

Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden.(dpa)

Welt 

Bye, Unesco: USA machen den Abgang

US-Außenminister Rex Tillerson. (Archivbild)
US-Außenminister Rex Tillerson. (Archivbild)
Foto: dpa
Mehr lesen