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Nicht nur Vorsfelde: Bundesweite Attacken auf Einsatzkräfte

Ein Mann brennt in unmittelbarer Nähe eines gepanzerten Polizeifahrzeugs am 01.01.2018 in Frankfurt am Main (Hessen) Feuerwerk ab. In der Mainmetropole wurde für Silvester 2017/18 eine Sicherheitszone für bis zu 30.000 Besucher eingerichtet.
Ein Mann brennt in unmittelbarer Nähe eines gepanzerten Polizeifahrzeugs am 01.01.2018 in Frankfurt am Main (Hessen) Feuerwerk ab. In der Mainmetropole wurde für Silvester 2017/18 eine Sicherheitszone für bis zu 30.000 Besucher eingerichtet.
Foto: Andreas Arnold/dpa

Berlin/Region38. Retter werden mit Schusswaffen bedroht, Polizisten mit Böllern und Flaschen beworfen; Jetzt steht fest, nicht nur in Vorsfelde kam es zu Attacken auf Feuerwehrleute. Randalierer nahmen zum Jahreswechsel deutschlandweit Einsatzkräfte ins Visier.

Mehrere Angriffe auf Polizisten und Feuerwehrleute in der Silvesternacht haben die Politik auf den Plan gerufen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter: "Angriffe auf Rettungskräfte - egal wann, wo und von wem - sind völlig inakzeptabel." Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Sachsens Minister Roland Wöller (CDU), sagte der "Welt": "Wer Rettungskräfte attackiert, greift unseren Rechtsstaat und die Demokratie an." Straftäter müssten daher die ganze Härte des Gesetzes erfahren.

Allein die Berliner Feuerwehr hatte nach der Silvesternacht von 8 Angriffen auf Einsatzkräfte und 57 Angriffen auf Einsatzfahrzeuge gesprochen. In einem Fall sei die Besatzung eines Rettungswagens von mehreren Männern mit Schusswaffen bedroht worden.

In der Region

Außer in Vorsfelde ist es in der Region38 eher ruhig geblieben. "Es war der ganz normale Silvesterwahnsinn", bestätigt Thomas Reuter, Pressesprecher der Polizei Gifhorn. Angriffe auf Einsatzkräfte habe es in Gifhorn nicht gegeben. Und auch in Wolfsburg und Helmstedt habe es keine solchen Übergriffe gegeben, bestätigte Pressesprecher Sven-Marco Claus.

"Betrunkene Beschuldigte gehen die Einsatzkräfte bei Personalienkontrollen oder ähnlichem öfter an", erklärt Reiner Siemers, Pressesprecher der Polizei Goslar. Die Silvesternacht sei da keine Ausnahme gewesen. Attacken wie in Vorsfelde habe es aber auch hier nicht gegeben. Und auch Stefan Weinmeister von der Polizei Braunschweig bestätigt dieses Bild. "Wir wurden zu den üblichen Streitereien gerufen, Attacken hab es aber keine", erklärt er.

Deutschlandweit anderes Bild

In Leipzig bewarfen 40 bis 50 Menschen Polizisten mit Böllern, Flaschen und Steinen. In Nordrhein-Westfalen wurden insgesamt 25 Polizisten verletzt, allerdings keiner so schwer, dass er im Krankenhaus bleiben musste.

Justizminister Maas verwies darauf, dass der Bundestag 2017 die Strafen für Angriffe auf Rettungskräfte verschärft habe. Unter anderem wurde ein neuer Straftatbestand des "Tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte" geschaffen.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte der "Welt", die Attacken gegen Einsatzkräfte hätten lebensbedrohliche Ausmaße angenommen. "Letztlich muss die Justiz mit entsprechenden Urteilen dafür sorgen, dass auch der letzte Verrückte begreift, dass dies kein Spaß ist, sondern hier schwere Gewaltdelikte begangen werden."

Der "Rhein-Neckar-Zeitung" sagte Wendt, solche Angriffe seien keine Silvester-Böllerei, sondern "Tötungsversuche". Mit Blick auf die Silvesternacht sagte er: "Es ist purer Zufall, dass den Polizeikräften nicht mehr passiert ist."