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Mehr Häftlinge - mehr Überstunden im Gefängnis

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Foto: dpa

Hannover. Die Gewerkschaft der Beschäftigten im Strafvollzug schlägt Alarm: Die Zahl der Häftlinge in Niedersachsens Gefängnissen steigt - und damit auch die Zahl der Überstunden, die die Mitarbeiter in den Justizvollzugsanstalten anhäufen.

Überstunden verdoppelt

Seit 2015 haben sich die Überstunden nach Angaben des Justizministeriums fast verdoppelt. Lagen sie 2015 jeden Monat im Schnitt noch bei 5,7 Stunden pro Mitarbeiter, so waren es 2016 schon 9,1 Stunden. Im vergangenen Jahr dagegen stieg der Wert dann auf 10,5 Stunden, teilte das Ministerium in Hannover mit. Parallel dazu stieg auch die durchschnittliche Zahl der Insassen in den Gefängnisse von 4.716 im Jahr 2015 auf 4.839 im Vorjahr.

"Wenn die Gefangenenzahlen steigen, steigen damit auch die Aufgaben - und das bei viel zu wenig Personal", sagt der in Niedersachsen wohnende Vorsitzende des Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD), René Müller. "Wir können gerade noch unsere Grundaufgaben sicherstellen, kommen aber kaum noch zur Erfüllung der Resozialisierungsaufgaben", kritisiert er.

Hoher Krankenstand

Zudem gebe es eine andere Art von Strafgefangenen mit neuen, raueren Umgangsformen. Der Dauerstress durch die psychische Belastung führe zudem zu erhöhten Krankenständen. "Deutschlandweit rechnen wir im Vollzugsdienst mit einem Krankenstand von im Schnitt elf Prozent", sagte Müller.

Obwohl die Politik um diese Missstände wisse, sei kaum Abhilfe in Sicht, sagte Müller. Das liege auch daran, dass es angesichts der Rahmenbedingungen zu wenige Bewerber für die Stellen in den Gefängnissen gebe.