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"Bischöfin der Herzen": Margot Käßmann wird 60

Margot Käßmann in einer Friedenskette anlässlich des Evangelischen Kirchentages 2015 in Stuttgart.
Margot Käßmann in einer Friedenskette anlässlich des Evangelischen Kirchentages 2015 in Stuttgart.
Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Hannover. Die zierliche Frau mit dem markanten Kurzhaarschnitt lässt einfach nicht locker: Unermüdlich wirbt Margot Käßmann für den Glauben und spricht dabei aus persönlicher Überzeugung statt in theologischen Floskeln. Damit erreicht sie ein breites Publikum abseits der Kirchenbänke, das ist ein Grund für ihre anhaltende Popularität. Am heutigen Sonntag wird Deutschlands wohl bekannteste Theologin 60 Jahre alt.

Nur vier Wochen später wird die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Hannovers Ex-Bischöfin in den Ruhestand verabschiedet.

"Einmischen in Fragen der Zeit"

Nach der spektakulären Wahl der vierfachen Mutter zur jüngsten deutschen Bischöfin 1999 avanciert die mediengewandte und charmante Käßmann schnell zu einem Aushängeschild der evangelischen Kirche. Sie wolle eine fröhliche, lebensnahe Kirche, "die sich auch einmischt in die Fragen dieser Zeit", sagt sie.

Kinderarmut, Pflegenotstand oder der Umgang mit Flüchtlingen - zu allen drängenden Themen bringt Käßmann die kirchliche Position auf den Punkt. Von der Kanzel aus tut sie dies ebenso überzeugend wie in TV-Talkshows, ihre Ansichten sind im öffentlichen Diskurs gefragt. Kritik erntet sie für ihre Einschätzung: "Nichts ist gut in Afghanistan."

Schwere Krisen - in der Öffentlichkeit

Als Person verbirgt sie sich nicht hinter ihrem Amt. Auch schwere Krisen wie eine Krebserkrankung und ihre Ehescheidung versteckt sie nicht, eine Zeitschrift bestimmt sie zur "Frau des Jahres 2006". 2009 steigt die Theologin mit einem gewissen Hang zur Selbstdarstellung zur EKD-Chefin auf.

Dann der tiefe Fall: Im Februar 2010 wird Käßmann nach dem Überfahren einer roten Ampel in ihrem Dienstwagen gestoppt, sie ist angetrunken. Um Glaubwürdigkeit und moralischen Anspruch zu wahren, tritt Käßmann als Bischöfin und EKD-Chefin zurück, nimmt sich eine Auszeit in den USA, obwohl etliche die «Bischöfin der Herzen» zurückwollen.

Reformations-Botschafterin

2012 kehrt Käßmann dann als Botschafterin der EKD für das 500-jährige Reformationsjubiläum zurück, das im vergangenen Jahr groß gefeiert wurde. Ihre Aufgabe und die Themen, zu denen sie weiterhin das Wort führt, sind in diesen Jahren klar umrissen. Ihren Nachfolgern im Bischofsamt und an der EKD-Spitze soll sie nicht in die Parade fahren, es wird etwas ruhiger um die nimmermüde Theologin.