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Sicherheitsbehörden nehmen Zehntausende Handys ins Visier

Der Verfassungsschutz verschickte im ersten Halbjahr 2018 etwas mehr als 103.000 sogenannte stille SMS zur Ortung von Handys – fast doppelt so viele wie vor vier Jahren.
Der Verfassungsschutz verschickte im ersten Halbjahr 2018 etwas mehr als 103.000 sogenannte stille SMS zur Ortung von Handys – fast doppelt so viele wie vor vier Jahren.
Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn
Die digitale Überwachung hat zugenommen. Der BKA-Chef rechtfertigt die Maßnahmen, Datenschützer sprechen von einem bedrohlichen Trend.

Berlin.  Die deutschen Sicherheitsbehörden nehmen immer öfter Handys von Verdächtigen ins Visier. So verschickte der Verfassungsschutz im ersten Halbjahr 2018 etwas mehr als 103.000 sogenannte stille SMS zur Ortung von Handys – fast doppelt so viele wie vor vier Jahren.

Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die dem „Handelsblatt“ vorliegt. Ein Jahr zuvor waren es knapp 29.000 solcher auf dem Telefon nicht direkt sichtbarer Nachrichten, meist zur Erstellung eines Bewegungsprofils.

Mehr Funkzellenabfragen

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Bundespolizei nutzten dem Bericht zufolge zudem mehr Funkzellenabfragen. Dabei wird eine Liste aller Handys angefordert, die in der Nähe eines Tatorts angeschaltet waren.

Laut der Regierungsantwort setzte das BKA in der ersten Jahreshälfte insgesamt 20 solcher Abfragen ein, vier Jahre zuvor waren es drei. Die Bundespolizei machte 64 Mal von dem Fahndungsinstrument Gebrauch und damit auch mehr als vor vier Jahren (unter 50).

Datenschützer sind alarmiert

BKA-Chef Holger Münch sagte dazu der Zeitung: „Es kann nicht sein, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist. Wir müssen Bürger und Unternehmen schützen.“ Dazu gehöre auch, dass die Behörden in diesem Bereich ermitteln.

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Datenschützer hingegen schlagen Alarm und warnen vor einer schrittweisen Aushöhlung von Grundrechten. Sie sprechen von einem Trend. „Unter dem Aspekt des Schutzes von digitalen Grundrechten und Bürgerrechten ist diese Entwicklung bedrohlich“, sagt etwa der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar dem „Handelsblatt“. (dpa/sdo)