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Die engagierte Frau Wörner – „Nichtstun ist keine Option”

Schauspielerin Natalia Wörner
Schauspielerin Natalia Wörner
Foto: Mathias Bothor / photoselection
Natalia Wörner ist nicht nur eine bekannte Schauspielerin. Über eine Frau mit Haltung – und ein paar Falten, auf die sie stolz ist.

Berlin.  Es gibt eine Geschichte, die viel darüber aussagt, wie Natalia Wörner tickt und für was sie steht. Es geht um Fotos von ihr, um Falten und am Ende auch um #MeToo.

Da war diese recht große Fotoproduktion, neue Bilder für alles Mögliche wurden gemacht. Im Sitzen, im Stehen, auch ein paar Nahaufnahmen. Die Fotos kamen hinterher per E-Mail, Natalia Wörner sollte sie freigeben, nur: Sie erkannte sich auf den Bildern nicht wieder. Die Wangenknochen ein bisschen zu hoch, das Dekolleté ein bisschen zu tief, zu viel glatte Haut und zu wenige Falten.

Die Schauspielerin, die bald für den nächsten Teil der TV-Reihe „Die Diplomatin“ vor der Kamera steht, hätte sich über die ungewollte Verjüngungskur freuen können, hätte später - wie viele andere auch - scheinbar makellos von Plakaten lächeln und einem aus Zeitschriften entgegen strahlen können. Hätte sie – hat sie aber nicht.

Stattdessen machte sie der Agentur eine klare Ansage: „Moment mal. So will ich das aber nicht.”

„Wenn Grenzen überschritten sind, muss man auf den Tisch hauen“

Wer Natalia Wörner erlebt hat, kann sich ihr Gesicht dabei vorstellen: Die Augenbrauen hochgezogen, die ohnehin schon recht großen Augen noch ein bisschen größer und dazu dieser verständnislose Zug um die Mundwinkel. Dieser Blick alleine reicht schon, um irritiert und auch ein wenig eingeschüchtert zu sein.

Die Bildagentur jedenfalls konnte dem nichts entgegensetzen, Argumente wie „das ist jetzt der Standard” und „das war ganz schön aufwändig“ nutzten nichts. Am Ende erschienen die Bilder von Natalia Wörner ohne allzu übertriebene Nachbearbeitung.

Die Geschichte ist schon einige Jahr her, aber Natalia Wörner erzählt sie jetzt, weil sie in diese Zeit passt. Das Thema hat im Zusammenhang mit der #MeToo-Debatte, die ja in der Schauspielbranche ihren Ursprung hat, nichts an Aktualität verloren. „Sie dachten, sie tun mir etwas Gutes – ich aber hatte das Gefühl, sie nehmen mir ein Stück Authentizität, mit dem ich mich wohlfühle“, sagt die 50-Jährige heute.

Was das alles mit #MeToo zu tun hat? Es geht um Selbstbestimmung und auch um Machtmissbrauch. Der, sagt Natalia Wörner, zeige sich auch da, wo jemand dafür sorge, dass man so und nicht anders aussieht. Egal, ob man 30, 40 oder eben 51 ist. „Es gibt Grenzen. Und wenn die überschritten sind, dann muss man auf den Tisch hauen.“

„Ein kritischer Blick auf die Welt war immer da“

Die Schauspielerin ist sicher niemand, die Dinge mit sich machen lässt oder einfach nur zusieht, wenn ihr etwas nicht passt. Das merkt man schnell, wenn man ihr begegnet. Sie hat eine klare Haltung, unverschnörkelt und selbstbewusst. Zur Branche, in der sie seit vielen Jahren arbeitet, aber auch zu gesellschaftlichen Debatten und politischen Themen. „Es gibt zwei Optionen: Entweder man macht etwas, in der Hoffnung, dass es etwas bewirkt. Oder man lässt es bleiben. Und ich habe für mich entschieden, dass die zweite Option keine Option für mich ist”, sagt sie dann – und deswegen tut sie einiges.

Mit der Kindernothilfe etwa reist sie als Botschafterin seit vielen Jahren in Krisenregionen und setzt sich dort für Kinderrechte ein. Sie war in Thailand und Äthiopien, erst vor wenigen Wochen kam sie von einer Reise in den Libanon zurück.

Oder ihr Platz in der Bundesversammlung. Im Februar 2017 wählte sie als Teil des Gremiums den amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. In einer Partei war Natalia Wörner nie, aber sie engagiert sich für Dinge, die ihr wichtig sind. Das war schon immer so.

Ein „bestimmter Blick auf die Welt, der kritisch ist, der war immer da“, sagt sie, schon während des Abiturs in Baden-Württemberg, als Politik eines ihrer Hauptfächer war. Gerade beschäftigen sie die Themen Flüchtlinge und Fremdenfeindlichkeit besonders, da kann sich Natalia Wörner in wenigen Sätzen in Rage reden. Sie spricht dann über Ungerechtigkeit und Leid, über das tolle Engagement von vielen und den Hass der vielen anderen. „Es lässt mich nicht los, dass diese Empathielosigkeit so um sich greift.“

Sie würde gern einen „erwachsenen Liebesfilm“ drehen

Manches von dem, das sie im Alltag beschäftigt, würde sie gerne auch mal beruflich umsetzen. Deshalb sucht die Schauspielerin sich ihre Projekte selbst aus. Auch weil sie es kann. Sie hat einen Bekanntheitsgrad erreicht, der es ihr möglich macht, auch mal nein zu sagen. „Ich bin in einem Alter, in dem ich sehr unglücklich wäre, wenn ich Sachen machen müsste, mit denen ich ein Problem habe”, sagt Wörner. Ideen für Filme kommen zu ihr, oder sie kommt mit ihren Ideen zu den Drehbuchschreibern und Produzenten. Eine „Mischung aus Eigeninteresse und Lust am Inhalt”, wie sie es nennt.

Neben den zwei Reihen, in denen sie seit mehreren Jahren regelmäßig im deutschen Fernsehen zu sehen ist, – der Krimireihe „Unter anderen Umständen” und der Polit-Thriller-Reihe „Die Diplomatin” – hat sie zum Beispiel gerade einen Film im rechten Milieu abgedreht: „Gespenster“. Regie geführt hat Sherry Hormann, die auch den Film „Wüstenblume“ gemacht hat.

Es gäbe da aber noch ein paar andere Ideen. Auch ihre Arbeit als Botschafterin der Kindernothilfe hat damit zu tun. „Ich würde gern mal einen Film im Umfeld einer NGO machen”, sagt sie. Einer, der aufrüttelt. Über Menschen, die dabei helfen, Situationen wie etwa die der Flüchtlinge im Libanon zu etwas Besserem zu machen. Vielleicht geht sie aber auch bald mal unter die Produzentinnen. Auch so eine Idee von ihr.

„Ich verstehe das Interesse an unserem Privatleben“

Ende August dreht die Schauspielerin aber erstmal den vierten Teil der „Diplomatin“, wieder in Prag, wo auch schon der dritte Teil spielte.

Es wäre so einfach an dieser Stelle, das Leben von Natalia Wörner mit dem ihres Partners Heiko Maas zu verknüpfen. Sie, die als Diplomatin Karla Lorenz im Auftrag des Auswärtigen Amtes auf der ganzen Welt Krisenfälle lösen soll und mal sagte, Außenminister zu sein, sei ein „Höllenjob“. Er, der genau diesen Job seit wenigen Monaten macht und als deutscher Chefdiplomat in der ganzen Welt verhandelt. Als hätte sich jemand das Drehbuch zu dieser Liebesgeschichte ausgedacht, über die viele Menschen reden, über die aber kaum jemand wirklich etwas weiß.

So soll es auch bleiben. Denn einfach ist nicht Natalia Wörners Sache. Über Privates jedenfalls redet sie kaum, zumindest nicht öffentlich, und das nicht erst, seit sie mit dem SPD-Politiker liiert ist. „Ich verstehe das Interesse an unserem Privatleben“, sagt sie. Und trotzdem: „Es gibt für mich gar keine Alternative, als das zu bewahren und fernzuhalten von allem Öffentlichen.” Daran werde sich auch so schnell nichts ändern.

Auch das hat etwas mit Haltung zu tun.