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Suchmaschine für China – Knickt Google vor der Zensur ein?

Die Geschichte vom Internetriesen Google

So schaffte es die Garagenfirma zum zweitwertvollsten Unternehmen der Welt.

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Soll Google mit einer Suchmaschine in China präsent sein? Mitarbeiter fürchten, der Konzern könnte vor dem Regime in Peking einknicken.

San Francisco.  Beim Internet-Konzern Google gibt es Ärger um die Präsenz in China. Mitarbeiter melden in einem Protestbrief ethische Bedenken an, Google-Boss Sundar Pichai versucht, die Gemüter zu beruhigen. Worum geht es?

Medienberichten zufolge arbeitet Google an einer Suchmaschine für den chinesischen Markt, die die Zensurvorgaben der kommunistischen Regierung erfüllen soll. Demnach ist das Projekt „Dragonfly“ (Libelle) bereits seit Frühling 2017 in Arbeit. Es soll Suchbegriffe mit einem Bezug zu Menschenrechten, Demokratie, Religion und friedlichen Protesten herausfiltern. „Dragonfly“ sei den chinesischen Behörden bereits vorgeführt worden, heißt es.

Google ist in China gesperrt, weil es sich der staatlichen Zensur zumindest bisher nicht beugen wollte. Der Konzern sucht aber nach einem Zugang zu dem weltgrößten Internetmarkt mit 730 Millionen Internetnutzern. Der Konzern hat die China-Pläne bislang nicht bestätigt.

Google-Mitarbeiter schrieben Protestbrief

Für viele Google-Mitarbeiter geht die Konzernführung zu weit. Mehr als 1000 Beschäftigte meldeten in einem Brief Bedenken gegen das Engagement des Suchmaschinen-Giganten in China an. Eine zensierte Suchmaschine werfe „dringende moralische und ethische Fragen auf“, zitierte das US-Portal „The Intercept“ aus dem Schreiben an die Konzernführung, in dem auch mehr Informationen zu den Plänen gefordert werden. Nur wenige Mitarbeiter seien eingeweiht.

Die Angestellten argumentierten weiter, dass es unklar sei, ob das Projekt gegen die Ethik-Regeln des Unternehmens verstoße, die besagten, dass Google keine Dienste anbietet, die zu Verletzungen von Menschenrechten führen.

Tatsächlich würde eine zensierte Suchmaschine eine Wende in Googles Chinapolitik darstellen: Das Unternehmen hatte sich 2010 aus dem dortigen Markt zurückgezogen, um sich nicht weiter selbst zensieren zu müssen.

Google-Chef Sundar Pichai reagierte auf den Brief der Mitarbeiter. Es sei „sehr unklar“, ob der US-Konzern überhaupt einen solchen Dienst in China anbieten könne oder werde, sagte Pichai am Donnerstag vor Mitarbeitern laut einer Mitschrift, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Das zuständige Team prüfe seit einiger Zeit die Möglichkeiten „und ich glaube, sie prüfen viele Optionen“.

Google-Chef Pichai verspricht Transparenz

Zu Forderungen der Mitarbeiter nach mehr Transparenz sagte er: „Wir werden auf jeden Fall transparent vorgehen, je näher wir einem tatsächlichen Plan kommen.“ Der Konzern behandle die Informationen über einige Projekte vertraulich, wenn eine zu frühe Bekanntgabe „Probleme bereiten“ könnte.

China sperrt nicht nur Google und seine Dienste wie die Suchmaschine oder den E-Mail-Dienst Gmail. Auch soziale Medien wie Facebook, Twitter oder YouTube und WhatsApp sind geblockt – ebenso Nachrichtenseiten der „New York Times“, des „Wall Street Journals“ und politisch heikle oder chinakritische Webseiten. (dpa/rtr/W.B.)