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#wirsindmehr – Chemnitz rockt gegen Rassismus

Campino und die Toten Hosen waren schon im März 2017 in Sachsen – damals bei einer Anti-Pegida-Demo in Dresden.
Campino und die Toten Hosen waren schon im März 2017 in Sachsen – damals bei einer Anti-Pegida-Demo in Dresden.
Foto: Gregor Fischer/dpa

Chemnitz/Dresden. Mit einem spektakulären Gratis-Konzert wollen sich Künstler am heutigen Montag in Chemnitz gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt positionieren. Es spielen unter anderem die Toten Hosen, Kraftklub, K.I.Z., Marteria und Feine Sahne Fischfilet - unter dem Motto #wirsindmehr, das am Freitag auch in Braunschweig aufgegriffen wurde.

Erwartet werden Tausende Zuschauer. Auch Künstler wie Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel, BAP oder Clueso riefen dazu auf, sich gegen Rechts zu stellen.

In Chemnitz gibt es seit Tagen fremdenfeindliche Demos und Gegenproteste. Auslöser war der Tod eines 35 Jahre alten Deutschen, der am 26. August bei einer Messerattacke in Chemnitz getötet worden war. Zwei Begleiter wurden verletzt. Als Tatverdächtige sitzen ein Iraker und ein Syrer in Untersuchungshaft.

Innenminister in der Mangel

In Dresden beschäftigt sich heute der Landtag mit den Ausschreitungen und dem Verhalten der Polizei bei den Demonstrationen. Der Innenausschuss kommt auf Antrag der Grünen zu einer Sondersitzung zusammen. Sie ist nichtöffentlich. Dabei geht es vorrangig um die Unterbesetzung der Polizei bei den Protesten vor einer Woche.

Innenminister Roland Wöller (CDU) soll Auskunft geben, warum die Polizei trotz erkennbarer Mobilisierung der rechten Szene nicht mit ausreichenden Kräften vor Ort war. Die Grünen hatten in ihrem Antrag von "pogromartigen Szenen" und Aufrufen zum "Volkssturm" gesprochen.

Panne zurückgewiesen

Bundespolizei und Innenministerium hatten am Samstag den Bericht über eine "schwere Panne" als Grund für die Unterbesetzung zurückgewiesen. Das Lagezentrum habe darauf verzichtet, beim Bundespolizeipräsidium in Potsdam nach Verstärkung zu fragen, da die zusätzlichen Kräfte und Hubschrauber erst kurz vor Mitternacht in Chemnitz eingetroffen wären.