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Experte sieht im Rechtsruck große Gefahr für die Wirtschaft

Neonazi-Aufmarsch in Chemnitz: Reporter Sören Kittel war vor Ort

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Laut des Präsidenten des DIW richtet die politische Radikalisierung enormen Schaden an. Toleranz sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Frankfurt a.M./Berlin.  Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht im Rechtsruck eine ernsthafte Gefahr für die deutsche Wirtschaft. „Der unverdeckte Hass, den wir etwa in Chemnitz sehen, könnte den Anstoß für eine Spirale nach unten geben“, sagte Marcel Fratzscher dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die politische Radikalisierung in vielen Teilen Deutschlands richte enorme wirtschaftliche Schäden an. „Insbesondere gut ausgebildete, flexible Menschen wollen nicht in einer Gegend leben, in der Menschen wegen ihrer Religion oder Hautfarbe verfolgt werden“, so Fratzscher.

Fratzscher: Toleranz ist wichtiger Wirtschaftsfaktor

Nach Fratzschers Ansicht könnte dersichtbare Rechtsextremismus die Abwanderung junger Menschen, unter der ohnehin viele Regionen im Osten seit Jahren leiden, deutlich verstärken. „Hier bekommen Städte, die durch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auffallen, ein Riesenproblem.“ Toleranz sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, erklärte der DIW-Präsident. Eine Region, die wirtschaftlich erfolgreich sein wolle, müsse Talente anlocken.

Die Grünen forderten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf, Toleranz zu schützen und zu bewahren, denn sie sei für eine gute wirtschaftliche Entwicklung wichtig. Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Kerstin Andreae, sagte dem epd, Altmaier müsse sich endlich „sichtbar und hörbar Radikalisierung und Ausgrenzung in den Weg stellen“.

Gerade die betroffenen Regionen bräuchten ein freundliches Klima, um Investoren anzulocken und über Einwanderung Fachkräfte zu gewinnen. „Wer Menschen ausgrenzt, verschließt sich vor der Kreativität der Welt und schmort im eigenen Saft, anstatt sich zu entwickeln“, erklärte Andreae.

Fratzscher appelliert an die Politik

Für den Rechtsruck in Deutschland nannte Fratzscher als „zentrale Ursache die soziale Polarisierung“. In Regionen mit einer verfallenden Infrastruktur, maroden Schulen und nur wenigen guten Jobs mit Perspektiven machten sich die Menschen Sorgen. „Und zwar in allen sozialen Schichten. Viele sind besorgt über die Zukunft ihrer Kinder.“

Hinzu komme die große Ungleichheit in Deutschland. Vielen gehe es gut, „aber wir haben zu viele atypisch Beschäftigte“. Sie arbeiteten zu geringen Löhnen, in Zeitarbeit, in unfreiwilliger Teilzeit. „Jeder Fünfte schafft es nicht, trotz Job über die Runden zu kommen. Wir haben sechs Millionen Hartz-IV-Empfänger. Viele alleinerziehende Frauen fallen hinten runter“, erläuterte Fratzscher.

Der DIW-Präsident appellierte an die Politik, „das Thema gleichwertige Lebensbedingungen, wie es der Anspruch des Grundgesetzes ist, ernst zu nehmen“. Sie müsse versuchen, wirtschaftlich schwache Regionen attraktiv zu machen: etwa durch den Bau von Wissenschaftszentren. Von ihnen müssten dann auch Unternehmen der Region profitieren. (epd/mbr)