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WWF: 1,7 Millionen Tonnen Backwaren jährlich verschwendet

Es wird zu viel Brot produziert, meint der WWF.
Es wird zu viel Brot produziert, meint der WWF.
Foto: Uwe Anspach / dpa
Angesichts der Ernteverluste warnt die Stiftung vor der überschüssigen Produktion von Backwaren. Und liefert erschreckende Zahlen.

Berlin.  1,7 Millionen Tonnen Backwaren werden pro Jahr verschwendet. Das ist die Ernte von 398.000 Hektar Ackerland. Die Größe eines solchen Ackers übersteigt die Fläche der Urlaubs-Insel Mallorca. Dabei werden 2,46 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen. Diese Werte gehen aus einem aktuellen Bericht des WWF hervor.

Die Non-Profit-Organisation wirft Backwarenfirmen eine teils massive Überproduktion vor. So hätten mittlere bis große Backwarenunternehmen Verluste von bis zu 19 Prozent. Nicht verkaufte Backwaren gingen dann in die sogenannte Retoure. Das heißt, sie werden zu Tierfutter, Biogas oder Brot- und Semmelmehl weiterverarbeitet. Manche Bäckerein verkauften das alte Brot zu vergünstigten Preisen, während andere es wegschmissen.

400.000 Tonnen Backwaren in Tierfutter

Nach WWF-Schätzung landen mindestens 400.000 Tonnen überschüssige Backwaren pro Jahr in Tierfutter – vor allem für die Schweinemast. Dabei wird das Brot mitsamt der Verpackung maschinell zerkleinert und danach von Rückständen befreit. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass Plastikteilchen nicht zuverlässig entfernt werden, meint die Organisation.

„Es ist schizophren: Um Ernteerträge zu maximieren, wird der Anbau intensiviert. Abgesehen von den Pestiziden belastet im Getreideanbau auch die für die hohen Backansprüche übliche Stickstoffdüngung zum Schluss der Wachstumsperiode die Umwelt. Zugleich schmeißen wir Säckeweise die aus dem Getreide produzierten Lebensmittel weg“, kritisiert Jörg-Andreas Krüger, Abteilungsleiter Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland.

Angesichts des Ernteverlustes nach der langen Trockenheit in diesem Jahr sind diese Zahlen besonders problematisch. „Wetterextreme werden durch die Erderhitzung zunehmen“, meint Krüger. Zukünftig sollten und könnten wir es uns schlichtweg nicht mehr leisten, Ackerland in diesem Ausmaß zu beanspruchen, um das darauf angebaute Getreide als Brot, Croissant oder Törtchen in den Müll zu werfen.

Allein in Niedersachsen hätten rund 2000 Landwirte Anspruch auf Entschädigung, sagte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) in einem Gespräch. Die Trockenheit führte nach Angaben der Landwirtschaftskammer zu Ernteausfällen von durchschnittlich 30 Prozent.

Volles Sortiment führt zur Überproduktion

Sowohl Verbraucher als auch Bäckereien seien gefragt, erklärt der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. „Auf der einen Seite müssen die Verbraucher verstehen, dass ein volles Sortiment zum Ladenschluss zur Überproduktion führt“, sagte Vizepräsident Heribert Kamm, andererseits müssten Verkäufer das vermitteln und Alternativen anbieten, wie etwa telefonische Reservierungen auf Brote, die erst abends abgeholt werden.

Ein weiterer Faktor sei der Preisverfall von Backwaren: Wenn Brötchen etwa an der Tankstelle für wenige Cent zu haben seien, erschwere dies das Werben für die Wertschätzung von Backwaren und deren richtige Lagerung.

In Deutschland gibt es mehr als 11.000 handwerkliche Bäckerei-Betriebe mit rund 35.000 Filialen. Konkurrenz kam in den vergangenen Jahren durch Supermärkte und Discount-Bäckereien auf, in denen vorgefertigte Ware vor Ort fertig gebacken wird.

Lebensmittelüberschüsse sollten bis 2030 halbiert werden

Wie in anderen Bereichen der Lebensmittelverschwendung mangele es auch bei Brot- und Backwaren an validen Daten, hebt die Umweltorganisation hervor. „Pikanterweise sind es wohl die Finanzämter, die als einzige Behörde dank der Gewinn- und Verlustangaben exakt sagen könnten, wie viel Backwaren produziert und weggeschmissen werden“, so Krüger.

Grünen-Politikerin Renate Künast sagte SWR Aktuell: „Wir brauchen einen Runden Tisch, bei dem alle ihre Zahlen und Fakten auf den Tisch legen, auch der Handel, auch die Industrie – damit wir wissen, wo wird eigentlich am meisten weggeworfen.“

Neben einer transparenteren und besseren Datengrundlage brauche es verbindliche Reduktionsziele. Da Lebensmittelüberschüsse wie Backwaren-Retouren als Verluste steuerlich geltend gemacht werden können, müssten Politik und Fiskus auch ein finanzielles Interesse daran haben, diese bis 2030 zu halbieren, meint der WWF. (dpa/joe)