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„Tatort: KI“ aus München – So funktioniert der Turing-Test

Nein, sie ist nicht Maria. Doch die Stimme aus dem Laptop trägt diesen Namen.
Nein, sie ist nicht Maria. Doch die Stimme aus dem Laptop trägt diesen Namen.
Foto: Hendrik Heiden / BR; Bavaria Fiction GmbH
Im „Tatort“ ging es – mal wieder – um Künstliche Intelligenz. Was dahinter steckt, zeigt plastisch der im Krimi erwähnte Turing-Test.

Berlin.  „Keine Angst, ich beiße nicht“, sagt die Stimme aus dem Computer beim „Tatort“, die sich „Maria“ nennt. Doch hinter der Stimme verbirgt sich kein menschliches Wesen, sondern ein Computerprogramm, wie die Kommissare im Münchner „Tatort: KI“ am Sonntagabend schnell herausfanden.

Ein Computerprogramm, das Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt und menschliches Verhalten kopiert – bis es vom Menschen nicht mehr zu unterscheiden ist. Mit diesem Szenario spielte der düstere, packende „Tatort“. Gleich am Anfang fiel das Stichwort vom Turing-Test. Was steckt dahinter?

„Tatort“-Computerstimme: Was ist der Turing-Test?

Mit dem späten nach ihm benannten Test entwickelte 1950 der britische Mathematiker Peter Turing (1912-1954) ein Verfahren um zu prüfen, ob eine Maschine tatsächlich denken kann. Turings These: Dies ist der Fall, wenn sich der Computer mit einem Menschen unterhalten kann, ohne dass der bemerkt, dass er es mit einer Maschine zu tun hat.

"Tatort": Das sind fünf spannende Fakten
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Wie funktioniert der Test?

Im Kern so: Testpersonen müssen in einem schriftlichen Chat fünf Minuten lang mit zwei Gesprächspartnern kommunizieren – ein Mensch und ein KI-Programm. Der Turing-Test gilt für die Software als erfolgreich absolviert, wenn 30 Prozent der Probanden nicht klar identifizieren können, wer von beiden die Maschine ist.

Wurde der Test schon erfolgreich absolviert?

Ja und nein. Im Jahr 2014 meldeten Forscher der Universität im englischen Reading, bei einer von ihnen entwickelten KI-Software hätten sich 33 Prozent der Testpersonen täuschen lassen – also mehr als von Turing gefordert.

Die Wissenschaftler hatten einen 13-jährigen ukrainischen Schüler namens Eugene Goostman „erschaffen“. Der angebliche Junge gab sich als Fan von Rapper Eminem und Besitzer eines Kaninchens aus, er stellte den Testpersonen Gegenfragen und bemängelte deren Rechtschreibfehler.

Allerdings hagelte es Kritik am Vorgehen der Briten. Unter anderem sollen sie sich nicht an die formalen Vorgaben Turings gehalten haben. Der „Fall Eugene Goostman“ gilt deshalb heute als umstritten.

Was ist „Eliza“?

Dabei handelt es sich um ein 1966 von dem deutsch-amerikanischen Forscher Joseph Weizenbaum entwickeltes Computerprogramm: Damit wollte Weizenbaum die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Mensch und Software über natürliche Sprache aufzeigen.

„Eliza“ gilt als vergleichsweise simpel und nicht wissenschaftlich fundiert – es kann aber eine nette Spielerei sein. Versuchen Sie es hier.

Zurück zum „Tatort“. Im Krimi wird die virtuelle „Maria“, übrigens ein streng geheimes Forschungsprojekt der EU, von Hackern geentert. TV-Kommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl) lieferte dazu den Spruch des Abends: „Nix mehr mit Maria und die ungehackte Empfängnis.“