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Warum die AfD am Freitag bedeutungslos werden könnte

Die AfD könnte nach der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden am Freitag an Bedeutung verlieren.
Die AfD könnte nach der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden am Freitag an Bedeutung verlieren.
Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa
  • Am Freitag wählt die CDU einen neuen Parteivorsitzenden
  • Als Favoriten gelten Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn
  • Der AfD bereitet besonders ein Kandidat arge Kopfzerbrechen - zurecht

Berlin. Es ist ein bisschen wie bei „Zurück in die Zukunft“: Diese Szene, in der Marty McFly auf das Familienfoto schaut und seine Geschwister immer mehr verblassen, weil die Vergangenheit verändert wurde.

Freitagabend ist vielleicht der Zeitpunkt, ab dem die AfD immer mehr verblasst - weil die Zukunft verändert wird.

Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden: Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer sind Favoriten

Denn am Freitag wählt die CDU ihren neuen Vorsitzenden. Als Top-Favoriten gelten Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn.

Letzterer gilt allerdings als vollkommen chancenlos, es wird wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kramp-Karrenbauer und Merz geben.

Neustart der CDU – ausgerechnet mit dem Reaktionär?

Nicht wenig spricht dafür, dass Friedrich Merz das Rennen machen könnte. Denn die CDU braucht dringend einen Neustart. So bizarr das klingt: Ausgerechnet der reaktionäre Friedrich Merz ist der Kandidat, mit dem der CDU das gelingen kann.

+++ Merz, Kramp-Karrenbauer oder Spahn? Alle Infos zur CDU-Wahl im Newsblog +++

Und Annegret Kramp-Karrenbauer hat zwar eine Extra-Portion „R“ in ihrem Namen zu bieten - sonst aber nicht viel, was neu und spannend wäre. Sie steht für die „Weiter so“-Politik von Angela Merkel, von der viele in der CDU-Basis die Nase gestrichen voll haben.

Mit seinem überraschenden Comeback hat Friedrich Merz eine regelrechte Begeisterung bei den Regionalkonferenzen ausgelöst. Er ist der Star, er ist der reaktionäre Heilsbringer, der plötzlich aus dem Exil erschien wie Phönix aus der Asche. Zuletzt hat man so etwas bei der SPD und Martin Schulz erlebt - nur dass Schulz bei seinem Senkrechtstart vergessen hat, ein Profil einzupacken.

AfD bekommt weiche Knie wegen Friedrich Merz

Friedrich Merz hat für viele ein ziemlich klares Profil. Er hat eine Eigenschaft, nach der sich die CDU-Basis seit Jahren die Finger leckt: Der Mann ist erzkonservativ und hart wirtschaftsliberal.

Deshalb bekommen sie bei der AfD jetzt weiche Knie und Herzrasen. Nicht weil sie in Friedrich Merz verliebt wären - sondern weil sie offenbar Angst haben. Die Partei geht wohl davon aus, dass Merz neuer CDU-Chef und damit mutmaßlich auch neuer Kanzlerkandidat der CDU wird.

Wie vor einigen Wochen bekannt wurde, hat die AfD einen Plan ausgeheckt, wie sie Friedrich Merz in der Öffentlichkeit diskreditieren kann. Bei Wählern soll ein „grundsätzlich unwohles Bauchgefühl zu seiner Person“ entstehen, wie es in dem eigens angefertigten Papier heißt.

+++ Ein internes Schreiben zeigt: So viel Angst hat die AfD vor Friedrich Merz +++

Die Angst der Rechtspopulisten ist wohlbegründet: Unter Friedrich Merz dürfte die CDU wieder ein ganzes Stück nach rechts rücken. Merz gilt zudem als Anti-Merkel. Das ist ein Riesenproblem für die AfD, die sich beim Stimmenfang seit jeher vornehmlich auf ihre Rolle als Anti-Merkel-Partei verlässt.

Enttäuschte CDU-Wähler kehren zurück

Ein konservativer CDU-Chef nimmt der AfD ihr Profil. Viele enttäuschte Ex-CDU-Wähler, denen die Union zu links geworden war und die deshalb zur AfD abgewandert sind, könnten dann wieder umschwenken.

Und dann ist da ja noch das Kernthema der AfD - oder besser: das einzige Thema der Partei, nämlich die Flüchtlingspolitik.

Schlecht für die AfD: Friedrich Merz fand Multikulti schon doof, als AfD nur Freunden der historischen Wappenkunde als Abkürzung für die Zeitschrift „Archiv für Diplomatik“ geläufig war. Im Jahr 2000 hatte Merz den damals umstrittenen Begriff „Leitkultur“ mitgeprägt und erklärt, dass er die Idee des Multikulturalismus ablehnt.

Eine CDU unter Friedrich Merz würde die Alternative für Deutschland wohl nach und nach verblassen lassen - bis zur völligen Bedeutungslosigkeit.