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Kinder auf Campingplatz in NRW missbraucht: Verdächtiger kommt aus Stade

Auf diesem Campingplatz im Nordrhein-Westfälischem Lügde lebte der Dauercamper.
Auf diesem Campingplatz im Nordrhein-Westfälischem Lügde lebte der Dauercamper.
Foto: Friso Gentsch/dpa

Stade. Kindesmissbrauch in Lügde bei Bielefeld: Die Ermittler hatten von Anfang an eine hohe Dunkelziffer vermutet. Dass jetzt die Zahl der Opfer steigt, kommt daher nicht überraschend. Und dabei ist ein Großteil der Beweismittel noch nicht mal ausgewertet. Ein Tatverdächtiger soll aus Stade kommen.

Die Zahl der Opfer steigt von 23 auf 29 Opfer

Nach dem jahrelangen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der bekannten Opfer gestiegen: Sie wuchs von 23 auf 29, wie die Bielefelder Polizei am Freitag mitteilte. Nach der Pressekonferenz zu dem Fall am Mittwoch hatte es nach Angaben der Ermittler Hinweise auf mögliche neue Opfer gegeben. Die Auswertung führte dann zu den weiteren Betroffenen.

Weitere Details wie Altersangaben wollte die Polizei nicht nennen.

Fachleute müssen Masse an digitalen Daten auswerten

Die Ermittlungen zu dem Fall in Lügde übernahm am Donnerstag das Polizeipräsidium Bielefeld als übergeordnete Behörde. „Insbesondere die große Menge sichergestellter digitaler Daten macht es erforderlich, weitere Fachleute anderer Polizeibehörden aus NRW in die Bearbeitung einzubinden“, teilte die Bielefelder Polizei mit.

Die im Raum stehenden Vorwürfe auch gegen Behörden werden im Rahmen der neuen Ermittlungskommission, auch aus Neutralitätsgründen, gesondert bearbeitet, hieß es weiter.

Nicht nur Jugendämter, auch die Polizei steht in der Kritik

Zusätzlich zu den Ermittlungen gegen die Tatverdächtigen und mehrere Jugendämter steht auch die Polizei in der Kritik. Bereits 2016 sollen zwei Hinweise auf sexuellen Missbrauch bei der Polizei Lippe eingegangen sein. Nach Telefongesprächen mit den Zeugen leiteten die Beamten die Hinweise an das Jugendamt weiter. Weitere Schritte blieben aber aus.

Die Staatsanwaltschaft Detmold hatte am Donnerstag bestätigt, dass auch gegen die Polizei ermittelt werde. Da Polizeibeamte bei Verdachtshinweisen laut Strafprozessordnung zur Verfolgung verpflichtet seien, sei diese Überprüfung jetzt folgerichtig, sagte ein Ministeriumssprecher

Tatverdächtiger kommt aus Stade

Nach einer Anzeige im November 2018 war der schwere sexuelle Missbrauch von mindestens 29 Kindern über zehn Jahren hinweg auf einem Campingplatz entdeckt worden. Der Hauptverdächtige sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft, zwei weitere Tatverdächtige seit Januar. Ihnen wird auch die Verbreitung von Kinderpornografie vorgeworfen.

Die drei Verdächtigen sind Deutsche. Einer von Ihnen stammt aus Stade und soll als Auftraggeber aufgetreten sein.

NRW-Faminilienminister zeigt sich erschüttert

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) zeigte sich am Freitag zutiefst erschüttert von dem Fall. Er kündigte an, dass das Land systematisch vorgehen und analysieren werde, wo Verbesserungen erfolgen können und müssen. „Gemeinsam mit Experten werden wir zügig prüfen, ob und wo Defizite bestehen und wie diese zeitnah behoben werden können“, sagte der Landesminister. (dpa/mj)