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"Russen-Aldi": Wir haben bei Mere eingekauft, damit du es nicht tun musst

Der erste Mere-Discounter in Deutschland steht in Leipzig – oder besser gesagt am Rand der Messestadt.
Der erste Mere-Discounter in Deutschland steht in Leipzig – oder besser gesagt am Rand der Messestadt.
Foto: Michael Frömmert

Leipzig. Der sogenannte „Russen-Aldi“ schlägt seit Tagen hohe Wellen: Mit der Eröffnung des ersten „Mere“-Marktes in Leipzig drängt das Unternehmen Torgservis mit Billig-Angeboten nach Deutschland. Gleichzeitig überraschte der Ansturm die Verantwortlichen, der Laden musste Anfang der Woche vorübergehend dicht machen.

Dennoch haben bislang insgesamt nur wenige Menschen die Möglichkeit, direkt bei Mere zu kaufen – weitere Filialen sollen erst später zunächst in Ostdeutschland und dann in der gesamten Republik folgen. Wie billig ist der Discounter wirklich? Für wen lohnt sich der Einkauf? Wir haben uns den Laden für euch angesehen und sagen euch, warum es keinen Spaß macht, dort einzukaufen.

Mere in Leipzig: Wie es im Russen-Discounter aussieht

Angesichts des Wirbels, den Mere in den vergangenen Tagen erzeugt hat, könnte die erste Filiale in Deutschland kaum unauffälliger sein. Eingerahmt von einem Sonderposten-Markt und einem Textil-Discount liegt sie in einem kleinen Einkaufscenter im Ortsteil Plaußig-Portitz. Der gehört gerade noch so zu Leipzig – aber die Sachsen-Metropole ist hier eigentlich sehr weit weg. Mit dem Blick auf ein angrenzendes Feld fühlt man sich hier bestenfalls wie in einer Kleinstadt.

Am Tag der Wiedereröffnung ist der Parkplatz prall gefüllt, im Markt selbst haben sich an den Kassen Schlangen durch den halben Raum gebildet. Mal hämmert Scooter-Techno („Rebell Yell“) aus den kleinen Boxen, mal säuselt George Michael eine leise Ballade.

Großmarkt-Feeling mit Fleischwand

Doch auch wenn die Musikauswahl auf Begeisterung stoßen sollte, das Einkaufserlebnis wird dadurch nicht unterhaltsamer. Überall stapeln sich Paletten, karges Neonlicht strahlt auf den Fliesenboden, im Kühlregal tut sich eine regelrechte Fleischwand auf. Hier und da klaffen weiterhin Warenlöcher, nach der Not-Schließung ist der Nachschub offenbar noch nicht komplett in Gang gekommen.

Preisvergleich: Wie schneidet Mere gegen die günstigsten Produkte von Aldi und Lidl ab?

  Mere Aldi Lidl
Pfefferminztee 0,26 Euro (24 Beutel) 0,59 (25 Beutel) 0,59 (25 Beutel)
Mini-Wiener 4,00 Euro (1kg, je 400g abgepackt) 1,99 Euro (320g) 2,12 Euro (320g)
Kochschinken 3,08 Euro (1kg, je 350g abgepackt) 1,19 Euro (200g) 1,19 Euro (200g)
Apfelsaft (1 l) 0,61 Euro 0,59 Euro 0,59 Euro
Milch (1 l,1,5%) 0,49 Euro 0,62 Euro 0,62 Euro
Kaffee (500g) 1,97 Euro 2,99 Euro 2,99 Euro
Haushaltstücher 0,27 Euro (3er) 0,79 Euro (10er) 0,99 Euro (6er)
Trockener Weißwein 1,29 Euro 1,69 Euro 1,89 Euro (1 l)

So ist das erste Mal bei Mere in Leipzig

Viele Kunden haben es sich trotzdem nicht nehmen lassen, nach Leipzig-Portitz zu fahren. Geradezu vorsichtig schleichen sie durch den Mere-Markt, um herauszufinden, was hier überhaupt alles im Angebot ist. Gleichzeitig starren nicht wenige auf die Verpackungen, um aus dem oft russischen Text schlau zu werden. Irgendwann entdecken sie dann glücklicherweise einen kleinen Aufkleber, der im Zweifel den Inhalt auf Deutsch verrät.

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Wann du bei Mere gar nicht erst vorbeischauen musst

Einige Haushaltsgegenstände sind hier zu finden, dazu Säfte, Milch, Kaffee, Konserven und sehr viel Fleisch. Wer frisches Obst oder Gemüse sucht, muss bei Mere erst gar nicht vorbeischauen. Eine Mega-Packung gefrorener Kirschen gäbe es höchstens noch…

Wer ebenfalls einen Bogen um den Billig-Laden in Leipzig machen sollte: Kunden, die eine Auswahl habe möchten. Und Menschen ohne Auto. Zwar sind die Produkte jeweils in rauen Mengen aufgestapelt, aber verschiedene Marken sind hier Fehlanzeige.

Und um die Großpackungen nach Hause zu bekommen, ist – zumindest beim ersten Mere in Deutschland – ein Fahrzeug nahezu unablässig. Portitz liegt ab vom Schuss. Für Kern-Leipziger ist mit einem Einkauf dort eine lange Fahrt verbunden. Zumindest eine Bushaltestelle gibt es in der Nähe.

Wann Mere etwas für dich ist

Doch wer sollte sich dann überhaupt in den „Russen-Aldi“ verirren? Ansprechen könnte der Discounter Menschen, die größere Mengen transportieren können, billig einkaufen möchten, denen eine begrenzte Auswahl genügt und die beispielsweise auf Bio- und fair gehandelte Produkte verzichten können.

Billig ist Mere ohne Frage. Nicht immer liegen die Preise unter denen der Konkurrenz von Aldi und Lidl. Aber wie unsere Tabelle oben zeigt, setzen die Russen in vielen Fällen ihre Beträge deutlich weiter unten an. Gegebenenfalls musst du dir deinen Schinken zu Hause aber selbst vom Stück abschneiden.

Wird Mere in Leipzig an der A14 zum Anziehungspunkt für die Region?

Für den täglichen Einkauf lohnt sich der Aufwand, nach Leipzig-Portitz zu fahren, dennoch nicht; dafür lässt das Sortiment schlicht zu viele Dinge vermissen. Stattdessen könnte Mere – direkt an der Autobahn A14 gelegen – die Kundschaft einer ganzen Region anziehen, die sich mit bestimmten Produkten für einen längeren Zeitraum bevorraten will. Mere ist kein Discounter à la Aldi oder Lidl, Mere ist der Großhandel des kleinen Mannes.