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Greta Thunberg: Warum so viele die 16-Jährige hassen

Das ist Greta Thunberg

Anfang 2018 war sie noch eine einfache Schülerin. 2019 ist sie das Gesicht einer globalen Umwelt-Bewegung: Greta Thunberg.

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Es spielt keine Rolle, ob wir in 30 Jahren mit unseren solarbetriebenen Öko-Jetpacks über grüne Wälder gleiten oder aber am Rande von Überschwemmungen und Megastürmen im Bunker vegetieren: Der Name Greta Thunberg wird uns immer noch ein Begriff sein. Egal, wie die Sache mit dem Klimawandel am Ende ausgeht.

Die 16 Jahre alte Schwedin hat in kurzer Zeit eine weltweite Bewegung ausgelöst: „Fridays for Future“ hat Millionen Anhänger. Das ist enorm.

Zuletzt hat Greta Thunberg eine bemerkenswerte Rede beim UN-Klimagipfel gehalten. Mit einer Mischung aus Trauer und Wut warf sie den Regierenden dieser Welt Verrat vor. Die 16-jährige Klimaschutzaktivistin sagte mit Tränen in den Augen: „Schämt euch. Menschen leiden. Sie leiden und sterben.“

Greta Thunberg: Galionsfigur von „Fridays for Future“

Es gibt viele Möglichkeiten, auf „Fridays for Future“ und Greta zu reagieren: Mit Bewunderung etwa, oder Sympathie. Oder aber mit sachlicher Kritik an der Bewegung, an ihrem Auftreten.

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Doch es gibt erschreckend viele Menschen, die Greta Thunberg regelrecht hassen. Menschen, die sie in sozialen Medien übel beleidigen. Die Facebook-Gruppe „Fridays for Hubraum“, die eine Gegenbewegung zu den Umweltaktivisten sein wollte, musste jetzt vorübergehend offline gehen, weil sogar Morddrohungen gegen Greta Thunberg gepostet worden waren.

Morddrohungen gegen Greta Thunberg

„Das ist die Spitze des Eisbergs“, sagt Medienpsychologe Tobias Rothmund. „Die Gruppe spricht Leute an, die sich gezielt gegen 'Fridays for Future' positionieren.“ Morddrohungen seien einzelne Extremfälle.

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Das ist Fridays for Future:

  • Greta Thunberg etablierte den ersten Klimatsreik im August 2018, als sie beschloss, nicht zur Schule zu gehen. So wollte sie im Vorfeld der schwedischen Wahlen gegen die Klimapolitik der Regierung protestieren
  • Sie setzte sich vor den schwedischen Reichstag, um dort auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen
  • Mit der Zeit weiteten die von Thunberg inspirierten Streiks sich immer weiter aus
  • Am ersten globalen Klimastreik am 15. März 2019 nahmen 1,8 Millionen Menschen teil
  • Beim letzten Streik im September 2019 waren es sogar 4 Millionen Teilnehmer

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Aber: „Wir stellen fest, dass es eine immer breiter werdende Widerstandsbewegung gegen 'Fridays for Future' gibt. Das drückt sich in unterschiedlichen Weisen aus“, sagt Rothmund.

Woher kommt der Hass?

Es gehe dabei nicht nur um die Hasskommentare im Internet, sondern auch um Äußerungen von öffentlichen Personen wie Politikern oder Journalisten, die sich gegen Greta Thunberg positionieren.

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Woher kommt die Wut auf Greta Thunberg? Woher der Hass?

„Dahinter steckt Widerstand gegen Veränderungen“, erklärt der Psychologe. „Die 'Fridays-for-Future'-Bewegung erinnert uns daran, dass das, was wir für das Klima tun, nicht ausreicht und fordert schnellere, radikalere Veränderungen.“

Klimawandel: Politik tut sich schwer

Das mache vielen Angst: „Radikale schnelle Veränderungen sind für viele Menschen bedrohlich. Es ist kein Wunder, dass die Politik sich in der Klimapolitik schwer tut mit radikalen Schritten.“ Gerade eher konservative Menschen hätten Schwierigkeiten mit der Vorstellung, dass sich am Bestehenden etwas ändert.

Sie hätten Angst davor, dass ihnen etwas Gewohntes genommen wird oder ihr Wohlstand schwindet.

Angst vor Veränderung

Und Greta Thunberg ist nun mal die Galionsfigur der Bewegung, ihr Gesicht. „Mit persönlichen Attacken gegen sie kanalisieren viele Menschen ihre Angst vor Veränderung“, so der Psychologe.

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Das ist Greta Thunberg:

  • Geboren im Januar 2003 in Schweden
  • Die Klimaaktivistin lebt mit dem Asperger-Syndrom
  • Im August 2018 rief sie die Idee von Klimastreiks ins Leben - damals saß sie noch ganz allein mit einem Schild vor dem schwedischen Parlament in Stockholm
  • Aktuell hat Greta Thunberg ihre Schulausbildung unterbrochen, um sich ganz dem Engagement als Klimaschützerin zu widmen. 2020 will sie wieder die Schule besuchen
  • Zuletzt wurde Thunberg der sogenannte Alternative Nobelpreis verliehen: Er ist eine Auszeichnung "für die Gestaltung einer besseren Welt"

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Ähnlich verhalte es sich mit Menschen, die den Klimawandel ganz leugnen. „Für manche Menschen ist es eine Strategie, sich der Veränderung entgegenzustellen. Also den menschengemachten Klimawandel zu leugnen und sich die Argumente herauszupicken, die dazu passen.“

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In der Psychologie gibt es dafür einen Begriff: Motivierte Informationsverarbeitung. Das bedeutet, dass in Wahrnehmung eines Menschen unter Umständen auch seine persönlichen Ängste und Hoffnungen mitschwingen. Salopp gesagt: Man sieht, was man sehen will.

Das ist Greta Thunberg
Das ist Greta Thunberg

Greta Thunberg und der Klimawandel

Tobias Rothmund hat einen Lösungsansatz: „Wir müssen Sorgen vor Veränderung ernst nehmen und diesen sinnvoll begegnen.“

Konkret: „Die Regierung muss ihr Narrativ ändern und den Umweltschutz als Möglichkeit kommunizieren, die bestehenden Verhältnisse zu erhalten. Denn eben diese Verhältnisse sind durch den Klimawandel gefährdet.“

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Sprich: Eine progressivere Klimapolitik muss nicht automatisch radikale Veränderungen für den einzelnen bedeuten. Sie kann aber möglicherweise verhindern, dass der Klimawandel die bestehenden Verhältnisse für immer ändert - ob wir wollen oder nicht.