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Hartz 4: Diese beiden Zahlen zeigen eine erschreckende Entwicklung

Das ist Hartz IV

Seit das Arbeitslosengeld II 2005 eingeführt wurde, wird es im Volksmund Hartz IV genannt. Doch woher kommt der Name?

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Hartz 4 ist seit seiner Einführung höchst umstritten: Kritiker glauben, dass das Arbeitslosengeld II (ALG II), wie es offiziell heißt, zu massiven Existenzängsten und Prekarisierung führt.

Umso mehr schockieren zwei Zahlen zum Thema Hartz 4, die jetzt bekannt geworden sind.

Hartz 4: Empfänger bleiben immer länger arbeitslos

Hartz 4 führt nach Ansicht vieler Experten zunehmend zu Altersarmut - und zu einer Stigmatisierung von ALG-II-Empfängern.

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Zudem zeigen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit, dass Menschen, die Hartz 4 beziehen, immer länger arbeitslos bleiben. 2011 etwa waren Hartz-4-Empfänger durchschnittlich 555 Tage ohne Arbeit, 2016 lag der Schnitt bereits bei 629 Tagen.

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Hartz 4

  • Das ALG II, umgangssprachlich Hartz 4, wurde 2005 eingeführt
  • Es ist Teil des sogenannten Hartz-Konzepts, benannt nach dem ehemaligen Manager Peter Hartz, der das Reformkonzept entwickelte
  • Hartz 4 steht für die vierte Phase des Hartz-Konzepts
  • Es löst die Arbeitslosenhilfe und die Sozialhilfe ab
  • Das ALG II soll einen menschenwürdigen Lebensstandard sichern, andererseits können Sanktionen aber zu einer drastischen Kürzung führen. Auch deshalb wird Hartz 4 seit seiner Einführung immer wieder scharf kritisiert
  • Der Hartz-4-Satz für Alleinstehende liegt seit Januar 2019 bei 424 Euro

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Umso schlimmer liest sich diese Nachricht: Empfänger von ALG II nehmen immer seltener an Weiterbildungsmaßnahmen teil. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linke hervor.

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Hartz 4: Diese Zahl ist besorgniserregend

Demnach absolvierten im Jahresdurchschnitt 52.646 Hartz-4-Bezieher berufliche Weiterbildungsmaßnahmen. 2010 waren es noch 95.507 Leistungsempfänger. Zugleich investiert die Bundesagentur für Arbeit immer weniger Geld in die Weiterbildung von Hartz-4-Empfängern: 2017 waren es noch 612 Millionen Euro, 2018 nur noch 582 Millionen Euro.

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Die Qualität der Weiterbildungsmaßnahmen ist darüber hinaus seit Jahren umstritten. So sorgte vor einigen Monaten Berichte über demütigende Weiterbildungsmaßnahmen für Aufsehen: Erwachsene Menschen mussten demnach typische Grundschulaufgaben lösen.

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Hartz 4: Schockierende Fakten zur Langzeitarbeitslosigkeit

Eine zweite Zahl bereitet außerdem Sorgen, die zudem eine Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland aufzeigt: Ende 2018 bezogen 45,7 Prozent aller arbeitslosen Hartz-4-Bezieher im Westen seit vier Jahren oder länger ALG II - in Ostdeutschland sind es 55,2 Prozent.

Nach Bundesländern war der Anteil in Bayern mit 37,8 Prozent am niedrigsten und in Brandenburg mit 58,5 Prozent am höchsten.

Hartz 4: Sind Kürzungen verfassungswidrig?

Derweil hat das Bundesverfassungsgericht mitgeteilt, am 5. November ein Urteil zu den umstrittenen Hartz-4-Sanktionen verkünden zu wollen. Die Sanktionen treffen Empfänger der Grundsicherung, die Jobangebote ausschlagen oder Fördermaßnahmen ablehnen.

Bei Verfehlungen, die über einen verpassten Termin hinausgehen, können die Jobcenter Hartz-4-Beziehern die Leistungen für drei Monate um 30 Prozent des sogenannten Regelsatzes kürzen. Wer innerhalb eines Jahres mehrfach negativ auffällt, riskiert eine Kürzung um 60 Prozent oder auf Zeit sogar die komplette Streichung.

Das Verfahren geht zurück auf einen Vorstoß des Sozialgerichts im thüringischen Gotha. Die Richter dort meinen: Wenn Hartz IV das Existenzminimum sichert, sind Kürzungen verfassungswidrig. (pen, dpa)