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Klima-Demo: Politikerin schießt hart gegen Aktivisten: „Sekte“

Am Montag gab es in Berlin keine Proteste von Fridays for Future, dafür aber von einer anderen Bewegung - die wollte für ein Verkehrschaos sorgen.
Am Montag gab es in Berlin keine Proteste von Fridays for Future, dafür aber von einer anderen Bewegung - die wollte für ein Verkehrschaos sorgen.
Foto: imago images / Emmanuele Contini

Neben Fridays for Future sorgt auch eine weitere Aktivistengruppe seit Monaten für Aufsehen. Und das mit deutlich drastischeren Mitteln.

Teilweise sympathisieren „Fridays for Future“-Anhänger mit der umstrittenen Bewegung, einige Ortsgruppen arbeiten zusammen - die Grenzen zwischen den Bewegungen sind nicht ganz scharf. So sprach auch Luisa Neubauer, die als das deutsche Gesicht von „Fridays for Future“ gilt, am Montag bei einer Aktion von „Extinction Rebellion“ in Berlin.

Fridays for Future: Harte Kritik an alternativer Klimaaktivisten-Gruppe

Anhänger der Gruppe hatten in der deutschen Hauptstadt unter anderem den Kreisverkehr an der Siegessäule und den Potsdamer Platz blockiert. Das ganze war Teil einer weltweiten Aktion der Klimaaktivisten.

Jetzt gab es harte Kritik an „Extinction Rebellion“ - aus einer unerwarteten Richtung. Die Ex-Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth nannte die Aktivisten eine „religiöse-gewaltfreie esoterische Sekte“.

Fridays for Future: Verwandte Aktivisten-Gruppe wollte für Chaos in Berlin sorgen

Gegründet wurde Extinction Rebellion, übersetzt etwa „Rebellion gegen das Aussterben“, in Großbritannien.

Inzwischen gibt es weltweit Ableger. Auch in Deutschland existieren inzwischen mehrere Ortsgruppen. Sie setzen auf medienwirksame Aktionsformen wie Flashmobs, Sitzstreiks und Blockaden von Straßen oder Verkehrsknotenpunkten.

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Auswirkungen in Berlin nicht so heftig wie erwartet

Die Auswirkungen auf den gesamten Stadtverkehr waren allerdings nur mäßig. Von Stillstand im gesamten Hauptstadtgebiet konnte keine Rede sein.

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Eigenen Angaben zufolge sieht sich Extinction Rebellion in der gewaltfreien Tradition Mahatma Gandhis. Ihre Ziele sind der Ausruf des Klimanotstands, sofortiges Handeln und eine partizipatorische Demokratie zur Bewältigung der Klimakrise.

Politikerin warnt vor „esoterischer Sekte“

Neben teils prominenten Sympathisanten wie Musiker Bela B. („Die Ärzte“) oder Schauspielerin Anna Loos gibt es auch viele Kritiker.

So rät die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth jetzt sogar davon ab, mit „Extinction Rebellion zusammenzuarbeiten und an den Aktionen teilzunehmen“.

Bei Extinction Rebellion handele es sich um eine „religiöse-gewaltfreie esoterische Sekte, welche an die Apokalypse der baldigen Auslöschung der Menschheit glaube und Selbstaufopferung empfehle“, schreibt Ditfurth, die Anfang der 90er Jahre die Kleinstpartei „Ökologische Linke“ initiierte.

Bewegung setze auf Emotionen, nicht auf Fakten

Auch sei die Gruppe entgegen ihrer eigenen Darstellung keine Graswurzelbewegung, sondern ein hierarchisches Modell, deren Gruppen gezielt aufgebaut worden seien. Zudem sei die Gruppe wenig an echter Aufklärung interessiert und setze auf „Hyperemotionalisierung und ist intellektuellenfeindlich“.

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Rassistische oder sexistische Personen würden nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Damit bezieht sich Ditfurth auf ein Interview mit Gründer Roman Hallan in der „Zeit“ (Bezahlinhalt), in dem sich der Brite mit den Worten „anders als klassische linke Bewegungen schließen wir niemanden aus auch jemand, der ein bisschen sexistisch oder rassistisch denkt, kann bei uns mitmachen“ äußerte.

Weitere Reaktionen auf Extinction Rebellion

Auch Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, übte starke Kritik an Extinction Rebellion. Die Gruppe stelle „offen die Demokratie in Frage“, weswegen sich Klimaaktivisten und Grüne von der Gruppierung distanzieren sollen.

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Einige Ortsgruppen von „Fridays for Future“ arbeiten bereits mit „Extinction Rebellion“ zusammen oder koordinieren gemeinsame Aktionen. (dav)