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Terror in Halle: Stephan Balliet gesteht – Taten seit Frühsommer geplant

Stephan Balliet auf dem Weg zum Ermittlungsrichter in Karlsruhe.
Stephan Balliet auf dem Weg zum Ermittlungsrichter in Karlsruhe.
Foto: dpa

Terror in Sachsen-Anhalt: In Halle an der Saale hat Mittwoch ein Mann zwei Menschen erschossen und weitere verletzt.

Die Polizei hat den Verdächtigen Stephan Balliet festgenommen, er gilt als rechtsextrem.

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Terror in Halle: Tödliche Schüsse - Infos in Kürze:

  • Ein schwer bewaffneter Mann hat am Mittwoch in Halle zwei Menschen durch Schüsse getötet und weitere verletzt
  • Der mutmaßliche Täter ist Stephan Balliet, er gilt als Rechtsextremist
  • Er versuchte in eine Synagoge einzudringen. Als ihm das misslang, schoss er einer Frau kaltblütig in den Rücken: Jana L. (40) starb
  • Wenig später tötete der Mann in einem Dönerimbiss den 20 Jahre alten Kevin S.
  • Die Taten wurden live im Internet gestreamt, der Täter trug eine Helmkamera

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Alle Infos zu den tödlichen Schüssen in Halle im Newsblog:

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Freitag, 11. Oktober:

15.47 Uhr: Stephan Balliet soll seine Taten mindestens seit dem Frühsommer vorbereitet haben. Nach Informationen von Zeit Online habe er zudem Nachahmer animieren wollen, es ihm gleichzutun.

15.18 Uhr: Der Anwalt von Stephan Balliet hat sich jetzt gegenüber dem SWR zum Weltbild des Tatverdächtigen geäußert. Hans-Dieter Weber: „In seinem Weltbild ist es halt so, dass er andere verantwortlich macht für seine eigene Misere und das ist letztendlich der Auslöser, für dieses Handeln - und natürlich Taten, die es in der jüngeren Vergangenheit gegeben hat.“ Der Anwalt bestätige das Geständnis seines Mandanten. „Es wäre unsinnig, da etwas abzustreiten und das hat er auch nicht getan“, so Weber.

Der Beschuldigte solle noch am Freitag zurück nach Halle ins dortige Gefängnis gebracht werden.

10.32 Uhr: Der Todesschütze von Halle hat die Tat gestanden. Schockierend: Stephan Balliet hat auch klar ein rechtsextremistisches, antisemitisches Motiv bestätigt.

Der 27-Jährige habe in dem mehrstündigen Termin beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs am Donnerstagabend umfangreich ausgesagt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Karlsruhe am Freitag.

Der mutmaßliche Täter befindet sich in Untersuchungshaft. Der am Donnerstagabend erlassene Haftbefehl legt ihm zweifachen Mord und siebenfachen Mordversuch zur Last.

Stephan Balliet war am Mittwoch festgenommen worden, nachdem vor einer Synagoge in Halle die 40 Jahre alte Jana L. und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss der 20-jährige Kevin S. erschossen worden waren.

Balliet hatte zuvor vergeblich versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. Zu dem Zeitpunkt hielten sich 51 Menschen in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur.

Auf der Flucht verletzte der Täter zudem eine 40 Jahre alte Frau und deren 41 Jahre alten Mann mit Schüssen. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte B. vier Schusswaffen, mehrere Sprengsätze und kiloweise Sprengstoff bei sich.

Ein Bekennervideo in sozialen Netzwerken zeigt den Ablauf der Tat aus der Perspektive des Attentäters - von der vergeblichen Erstürmung der Synagoge über die tödlichen Schüsse bis zur Flucht. Der Attentäter hatte es über die Plattform Twitch live gestramt. Zudem legte der Täter in einem elf Seiten langen „Manifest“ seine Gedanken dar.

7 Uhr: Der mutmaßliche Rechtsterrorist Stephan Balliet hatte seine Taten mit einer Helmkamera gefilmt und live über die Plattform Twitch gestreamt. Nach Ansicht des Generalbundesanwalts wollte der Attentäter weitere Nachahmer zu Anschlägen animieren.

Der Täter sei ein „Nachahmer im doppelten Sinne“, so Generalbundesanwalt Peter Frank auf einer Pressekonferenz. Einerseits habe er Attentate wie das von Christchurch nachgeahmt, andererseits habe er andere zu ähnlichen Taten anstiften wollen - und das weltweit. Dafür spricht, das er in seinem Video immer wieder seine Taten auf englisch kommentiert.

Donnerstag, 10. Oktober:

21.59 Uhr: Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof hat nach Informationen des SWR Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Rechtsterroristen Stephan Balliet erlassen.

Das habe ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe dem Sender am Donnerstagabend bestätigt. Der Richter habe Untersuchungshaft angeordnet.

18.42 Uhr: Wie die Bundesanwaltschaft mitteilt, habe sie Antrag auf Erlass eines Haftbefehl gegen Stephan Balliet gestellt. Ihm wird zweifacher Mord und versuchter Mord in mehreren Fällen vorgeworfen.

Dass ein 3D-Drucker für die Waffenherstellung benutzt wurde, bestätigte die Bundesanwaltschaft nicht. In einer Pressemitteilung heißt es: „Es ist noch unklar, ob der Beschuldigte die von ihm mitgeführten Waffen und Sprengsätze selbst hergestellt oder sich auf andere Weise verschafft hat.“

Die kriminaltechnische Untersuchung dieser Gegenstände sei noch nicht abgeschlossen.

17.31 Uhr: Der mutmaßliche rechtsextremistische Todesschütze von Halle ist nach dpa-Informationen auf dem Weg zum Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof.

16.44 Uhr: Nachdem ein Vereinsmitglied des Halleschen FC bei dem Anschlag in Halle ums Leben gekommen ist, haben Fans vor der Synagoge getrauert. „Wir konnten gestern alle nicht so wirklich glauben, was da passiert ist“, sagte ein junger Mann am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Der Getötete sei Teil der aktiven Fan-Szene gewesen.

„Es ist ein Familienmitglied von uns gestorben und das ist echt scheiße“, sagte Paul Violka, der mit dem Getöteten befreundet war. Er kritisierte, dass in erster Linie über den Täter und nicht über die Opfer gesprochen werde.

Die Spieler des Halleschen FC traten bei einem nicht öffentlichem Testspiel am Donnerstag in Trauerflor an. „Wir stehen alle noch unter Schock“, so der Präsident des Drittligisten, Jens Rauschenbach.

15.48 Uhr: CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sorgte mit einer Aussage über den Terroranschlag in Halle für Ärger.

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Sie postete via Twitter ein Bild mit der Aufschrift: „Ein solcher Angriff (...) ist ein Alarmzeichen.“

Über das Wort „Alarmzeichen“ echauffierten sich zahlreiche Nutzer:

  • Das ist rechter Terror, kein Alarmsignal. Schwach, ganz schwach!
  • Das ist kein Alarmzeichen sondern ein handfester tödlicher Angriff. Hakenkreuze an jüdischen Orten, antisemitische Angriffe und auch Schüsse auf die muslimische Gemeinde Halle hat die CDU bisher weitestgehend ignoriert.
  • Bitte feuert den Menschen, der sich für einen Terroranschlag auf eine deutsche Synagoge 2019 das Wort "Alarmzeichen" ausgedacht hat. Furchtbar!

15.34 Uhr: Nach Informationen des ZDF-Magazins „Frontal 21“ baute der mutmaßliche Rechtsterrorist Stephan Balliet seine Waffen mithilfe eines 3D-Druckers.

Zuvor hatte er demnach selbst Anleitungen zum Waffenbau im Internet verbreitet. Bereits im Juni soll er mit den Vorbereitungen zu dem Anschlag.

14.20 Uhr: In Karlsruhe hat die Bundesanwaltschaft eine Pressekonferenz zu dem Anschlag von Halle gegeben. Justizministerin Christina Lambrecht sprach von „rechtsextremisitschem Terror“. Und auch Generalbundesanwalt Peter Frank bekräftigte: „Was wir gestern erlebt haben, war Terror.“

Er wirft die Frage auf: „Gab es eventuell Mitwisser oder Unterstützer oder Personen, die ihn vielleicht angestachelt haben? Dem werden wir nachgehen.“

Im Auto des mutmaßlichen Täters von Halle sind nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank insgesamt vier Kilo Sprengstoff in zahlreichen Sprengvorrichtungen sichergestellt worden. Dem mutmaßlichen Täter Stephan Balliet werde zweifacher Mord und versuchter Mord in neun Fällen vorgeworfen, sagte Frank in Karlsruhe.

13.51 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer hat die Synagoge in Halle besucht, auf die der mutmaßliche Rechtsterrorist Stephan Balliet geschossen hatte.

Seehofer legte am Donnerstag an der Synagoge Blumen nieder.

13.26 Uhr: Die Polizei hat nach dem rechtsextremistischen Anschlag von Halle in vier Bundesländern Rechtsextreme festgenommen, darunter auch in Thüringen, wie „Thüringen24“ berichtet.

Per E-Mail sollen die Rechtsextremen mit Sprengstoffanschlägen gedroht haben.

Bundesweit waren im Juli 23 Drohmails verschickt worden, Adressaten waren unter anderem Moscheen, Parteizentralen, Pressehäuser und Ankerzentren für Flüchtlinge. Sechs Verdächtige wurden in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen-Anhalt festgenommen.

Hinweise für einen direkten Zusammenhang mit dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle gibt es bislang nicht.

13.19 Uhr: Die Bundesanwaltschaft hat nun Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Todesschützen von Halle, Stephan Balliet, beantragt.

Um 14.30 Uhr sollen Einzelheiten auf einer Pressekonferenz erläutert werden.

12.23 Uhr: Nachdem der Beschuldigte noch am Mittwoch festgenommen wurde, wird die Bundesanwaltschaft am Donnerstag einen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gegen Stephan Balliet stellen.

11.27 Uhr: In Benndorf in Sachsen-Anhalt hat die Polizei eine Wohnung durchsucht. Hier wohnte Stephan Balliet zumindest zeitweise, er ist in dem Dorf aufgewachsen.

Die Einwohner von Benndorf zeigten sich schockiert. Ein Nachbar, ein älterer Herr, sagte gegenüber dieser Redaktion: „Ich habe das diesem Mann nicht zugetraut.“ Einen engen Kontakt zur Familie habe er nie gehabt, Balliet habe er aber schon als Schuljungen gekannt. „Er war ruhig und unauffällig. Das einzige Auffällige war: Er hat nie gegrüßt.“

11.07 Uhr: Viele Städte in Deutschland bekunden Solidarität mit der Stadt Halle und den jüdischen Gemeinden in Deutschland.

So schreibt Gladbecks Bürgermeister Ulrich Roland in einem bewegenden Offenen Brief an die Jüdische Gemeinde in Gelsenkirchen: „Erst vor wenigen Tagen habe ich gemeinsam mit den Oberbürgermeistern von Gelsenkirchen und Bottrop an einem Gottesdienst in Ihrer Synagoge teilnehmen dürfen. Gut erinnere ich mich an die besorgten Fragen Ihrer Gemeindemitglieder im Anschluss an das gemeinsame Abendessen zum Schabbat.

+++ Das ist über den mutmaßlichen Täter von Halle bekannt +++

Und weiter: „Sie haben dabei eindringlich ihre Sorge über die spürbare antisemitische Veränderung in der Gesellschaft beschrieben. Anschließend diskutierten wir intensiv über Sicherheit und Schutz für die jüdische Bevölkerung. Wie sehr diese Diskussion ihre Berechtigung hat, mussten wir leider gestern schmerzvoll erfahren.
In der heute stattfindenden Sitzung des Rates der Stadt Gladbeck werden wir eine Gedenkminute für die Opfer des heimtückischen Anschlages in Halle abhalten, um ein Zeichen für Toleranz und ein friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen zu setzen. Selbstverständlich sind wir in Gedanken bei Ihnen und Ihren Gemeindemitgliedern.“

10.54 Uhr: Nach Informationen von „Focus Online“ könnte der mutmaßliche Rechtsterrorist Stephan Balliet Helfer aus der rechtsextremen Szene gehabt haben.

Demnach halten es die Ermittler für denkbar, dass jemand ihm beim Bau seiner Waffen und der der Planung der Tat unterstützt hat.

Nach bisherigen Erkenntnissen gibt es aber keine Hinweise darauf, dass Stephan Balliet aktives Mitglied eines Neonazi-Netzwerks ist.

9.35 Uhr: In Düsseldorf gab es nach dem Anschlag in Halle eine Solidaritätskundgebung an der Neuen Synagoge.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Vertreter aller NRW-Fraktionen nahmen daran teil - außer der AfD.

Die Staatskanzlei NRW schreibt bei Twitter dazu: „Zum Anschlag auf die Synagoge in Halle: "Der Kampf gegen Antisemitismus eint alle demokratischen Kräfte in Nordrhein-Westfalen" - Gemeinsame Erklärung von Ministerpräsident Armin Laschen und den NRW-Vorsitzenden von SPD, Bündnis 90/Grüne und FDP.“

Die Taten von Halle weckten „Erinnerungen schlimmster Art“, heißt es in der Erklärung.

9.32 Uhr: Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wirft den Sicherheitsbehörden in Sachsen-Anhalt nach dem Synagogen-Anschlag von Halle Versäumnisse vor.

„Offensichtlich hat man dort die Situation im Vorfeld verkannt“, sagte Schuster am Donnerstag im Deutschlandfunk. Bei den meisten Synagogen sei es üblich, dass zu Gottesdienstzeiten ein Polizeiposten an dem Gotteshaus steht. In Sachsen-Anhalt sei das nach seiner Kenntnis offensichtlich nicht die Regel. Dass sogar am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur keine Streife in der Nähe war, war schon zuvor kritisch angemerkt worden.

9.26 Uhr: Der mutmaßliche Todesschütze von Halle, Stephan Balliet, gilt als Einzeltäter. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, Henriette Quade, hält das für falsch.

Dass eine Tat allein begangen werde, bedeute nicht, dass es sich um einen einzigen Täter handele, sagte Quade am Donnerstag im Inforadio des rbb. „Jemand, der so etwas tut, der sich dabei filmt, der sich vorher Waffen beschafft hat, hat ein Netzwerk. Der hat einen ideologischen Background, wo es auch Menschen gibt, die ihn bei dieser Radikalisierung begleiten, die es genauso sehen wie er.“ Quade spricht von „Terror“.

9.14 Uhr: Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hält nach dem Synagogen-Anschlag von Halle Politiker der AfD für mitverantwortlich. „Das eine sind die schrecklichen Gewalttäter“, sagte Herrmann dem Radiosender Bayern2 am Donnerstag. Das andere seien auch „die geistigen Brandstifter, da sind in letzter Zeit auch einige Vertreter der AfD in unverschämter Weise aufgefallen“. Namentlich nannte der Innenminister den Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke. Dieser sei einer der geistigen Brandstifter, wenn es darum gehe, „wieder mehr Antisemitismus in unserem Land zu verbreiten“.

Herrmann kündigte an, gemeinsam mit den jüdischen Gemeinden in Bayern in den kommenden Tagen erörtern zu wollen, ob der Polizeischutz für Synagogen im Freistaat derzeit ausreichend ist. „Wir haben jetzt kurzfristig die Polizeipräsenz vor diesen Einrichtungen verstärkt“, sagte der Minister.

+++ Katja Burkard äußert sich zu Halle-Morden – „Habe mich bei etwas Absurdem erwischt...“ +++

Im sachsen-anhaltischen Halle waren am Mittwoch nach Polizeiangaben in der Nähe einer Synagoge zwei Menschen erschossen worden. Am frühen Nachmittag wurde ein Verdächtiger festgenommen. Ermittler gehen von einem antisemitischen Motiv und einem rechtsextremistischen Hintergrund aus.

7.37 Uhr: Ein Video dokumentiert allem Anschein nach den Ablauf der Angriffe in Halle aus Sicht des Attentäters. Eine Version des Videos war auf der Streaming-Plattform Twitch zu sehen, wurde dort allerdings gleich wieder gelöscht.

In den Aufnahmen ist zu sehen, wie der Filmende vergeblich versucht, in die Synagoge an der Humboldtstraße zu gelangen. Die Tür bleibt allerdings verschlossen.

Täter von Halle sagt nur: „Pech“

Daraufhin schießt der Täter auf der Straße einer Passantin mehrfach in den Rücken, die ihn zuvor angesprochen hatte. Die Frau bleibt leblos neben dem Fahrzeug des Täters liegen. Es ist auch zu sehen, wie der Mann in Kampfmontur auf der Straße auf einen Mann zielt, seine Waffe hat aber wohl Ladehemmung. Das Opfer, vermutlich ein Kurierfahrer, kann unverletzt entkommen. „Pech“, sagt die Stimme des Filmenden.

7.19 Uhr: In Berlin gab es am Mittwochabend eine Solidaritätskungebung an der Neuen Synagoge. Dazu hatte unter anderem die SPD-Frau Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement, aufgerufen.

Vor Ort war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Auch in anderen Städten soll es ähnliche Aktionen geben, wie etwa in Düsseldorf: Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte nach den tödlichen Schüssen in Halle angekündigtm am Donnerstag ein Zeichen der Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde in Deutschland zu setzen. Um 9 Uhr soll es eine Kundgebung an der Neuen Synagoge in Düsseldorf geben, daran beteiligen sich laut einer Mitteilung der Staatskanzlei vom Mittwochabend die Landesvorsitzenden von SPD, Grünen, und FDP.

6.30 Uhr: Wie „Focus Online“ berichtet, könnte nun ein Manifest von Stephan Balliet aufgetaucht sein. Der Mann versuchte am Mittwoch, in eine Synagoge in Halle/Saale einzudringen, scheiterte zum Glück. Dennoch erschoss Balliet zwei Menschen.

Focus Online beruft sich auf das US-Analyseunternehmen Site Intelligence Group. Die Chefin des Unternehmens twitterte am Mittwoch, das PDF-Dokument stamme vom 1. Oktober. Es würde Fotos von bei der Attacke verwendeten Waffen und Munition beinhalten. Als Ziel der Attacke werde in dem Schreiben das Töten möglichst vieler „Anti-Weiße“ - vorzugsweise Juden - genannt.

Mittwoch, 9. Oktober:

21.15 Uhr: Der mutmaßliche Angreifer soll in den sozialen Netzwerken ein Bekennervideo hochgeladen haben. In dem am Mittwoch verbreiteten Video ist zu sehen, wie offensichtlich in der Innenstadt von Halle geschossen wird. Unter anderem zeigt das Video, wie in einem Döner-Imbiss mehrfach auf einen Mann geschossen wird, der hinter einem Kühlschrank liegt. Die Aufnahmen stammen wohl von einer an einem Helm befestigten Kamera.

Zu Beginn des Videos ist zu sehen, wie der mutmaßliche Täter in Kampfanzug mit Waffen in einem Auto sitzt. Der Mann gibt in schlechtem Englisch extrem antisemitische Äußerungen von sich.

Bis zum Abend gab es keine Bestätigung der Behörden dafür, dass es sich bei dem Mann im Video um den Attentäter handelt. Zu sehen ist ein junger Mann mit kahlem Schädel in Kampfmontur. Er trägt ein weißes Halstuch. Ein solches Halstuch hatte auch der vermummte Täter getragen, der auf Aufnahmen von den Tatorten zu sehen war.

Eine Version des Videos war auf der Streaming-Plattform Twitch zu sehen, wurde dort allerdings gleich wieder gelöscht.

Halle: Täter schießt Passantin in den Rücken

In den Aufnahmen ist zu sehen, wie der Filmende vergeblich versucht, in die Synagoge an der Humboldtstraße zu gelangen. Die Tür bleibt allerdings verschlossen. Daraufhin schießt der Täter auf der Straße einer Passantin mehrfach in den Rücken, die ihn zuvor angesprochen hatte. Die Frau bleibt leblos neben dem Fahrzeug des Täters liegen.

Es ist auch zu sehen, wie der Mann in Kampfmontur auf der Straße auf einen Mann zielt, seine Waffe hat aber wohl Ladehemmung. Das Opfer, vermutlich ein Kurierfahrer, kann unverletzt entkommen. „Pech“, sagt die Stimme des Filmenden.

Der mutmaßliche Täter fährt danach mit einem Auto durch die Stadt. Er sagt immer wieder auf Englisch, dass er ein „Loser“ (Verlierer) sei. Bei einem Döner-Imbiss in der Ludwig-Wucherer-Straße („Kiez-Döner“) steigt der Mann aus, geht in den Laden und schießt mehrfach auf ein Opfer.

Anschließend schießt der Mann auf eine Polizeistreife, die sich ihm in den Weg stellt. Der Mann berichtet an seine mutmaßlichen Livestream-Zuschauer, dass er am Hals angeschossen worden sei.

Es hat den Anschein, dass der Täter während der Tat per Livestream mit Personen kommuniziert.

20.05 Uhr: Auch die dpa erfuhr, dass der mutmaßliche Täter von Halle ist ein 27-Jähriger aus Sachsen-Anhalt ist. Es sei davon auszugehen, dass Stephan B. deutscher Staatsangehöriger sei und die Tat einen rechtsextremistischen Hintergrund habe, hieß es am Mittwoch.

18.57 Uhr: Nach Informationen des „Spiegel“ handelt es sich beim mutmaßlichen Angreifer in Halle um den 27 Jahre alten Stephan B. aus Sachsen-Anhalt. Dem Bericht nach haben die Ermittler ein Video entdeckt, das der Attentäter mit einer Helmkamera aufnahm.

Das Video soll auf ein mögliches antisemitisches und rechtsextremes Motiv hindeuten. So soll der Täter mehrfach über „Juden" und „Kanaken" schimpfen.

Offiziell bestätigt ist das bislang nicht.

18.41 Uhr: Nach den tödlichen Schüssen in Halle/Saale deutet nach Informationen aus Sicherheitskreisen alles auf einen Einzeltäter hin. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwochabend.

18.37 Uhr: Die Bundesanwaltschaft sieht im Angriff von Halle eine staatsgefährdende Tat. Ermittelt wird formal wegen Mordes. Übernommen hat die oberste Anklagebehörde das Ermittlungsverfahren aber wegen des „spezifischen staatsgefährdenden Charakters der Tat und der besonderen Bedeutung des Falles“, sagte ein Sprecher am Mittwochabend in Karlsruhe. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Ermittelt wird in alle Richtungen.

18.28 Uhr: Polizei hebt Warnung vor akuter Gefährdungslage für die Bevölkerung auf. „Sie können wieder auf die Straße, die Warnungen sind aufgehoben“, twitterte die Polizei am Mittwochabend. Die Gefährdungslage werde nicht mehr als akut eingestuft.

18.22 Uhr: Das ZDF und die ARD senden Sondersendungen zu den Vorfällen in Halle. Das ZDF zeigt ein „ZDF spezial“ um 19.20 Uhr und die ARD sendet ihren „Brennpunkt“.

RTL strahlt um 20.15 Uhr eine Sondersendung mit dem Titel „RTL Aktuell Spezial - Anschlag in Halle“ aus. Die Übertragung des Fußball-Länderspiels Deutschland gegen Argentinien beginnt zehn Minuten später, wie der Privatsender mitteilte.

17.52 Uhr: Bei der Attacke auf die Synagoge in Halle haben die Täter auch selbstgebastelte Sprengsätze vor dem Gebäude abgelegt. Der Täter habe versucht, in die Synagoge einzudringen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Sicherheitskreisen.

17.23 Uhr: Die Leipziger Volkszeitung berichtet, einer der beiden mutmaßlichen Täter sei schwer verletzt und werde gerade operiert. Nach LVZ-Informationen soll es sich um einen Deutschen handeln. Der zweite Tatverdächtige ist weiter auf der Flucht.

Erste Spuren sollen in den Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt führen. Zur Stunde soll es einen weiteren Zugriff in Weißenfels, Sachsen-Anhalt, geben.

17.18 Uhr: Auf Videos bei Twitter ist zu sehen, wie die Menschen aus der Synagoge geholt werden, in der sie bis jetzt ausharren mussten.

17 Uhr: Die Menschen in Halle werden gebeten, weiter in ihren Häusern zu bleiben. „Zum Schutz der Bevölkerung ist dies unbedingt erforderlich“, erklärte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos).

16.46 Uhr: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben ihren TV-Auftritt live um 20.15 Uhr auf Prosieben abgesagt. „Heute wird es keine 15 Minuten geben“, sagte Joko in einem Twitter-Video.

Im Laufe des Tages habe sich das Duo dazu entschieden.

„Da hat heute etwas stattgefunden, was uns das Gefühl nimmt, um Viertel nach Acht hier groß inszenierten Blödsinn aufzuführen“, ergänzt Klaas.

16.40 Uhr: Das etwa 15 Kilometer von Halle entfernte Landsberg (Saalekreis) steht offensichtlich im Fokus der Polizei. Die Zufahrt zu dem Ortsteil Wiedersdorf war am Nachmittag abgesperrt. Zuvor waren auch in der Ortschaft Schüsse gefallen.

Mehrere Mannschaftswagen der Polizei, darunter auch Fahrzeuge aus Sachsen, waren vor Ort. Auch zwei Krankenwagen waren zu sehen. Am Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr landetet auf einem Feld bei Wiedersdorf ein Hubschrauber der Bundespolizei. Angaben zu den Hintergründen machte die Polizei nicht. Sie verwies auf die Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen übernommen hat.

16.02 Uhr: Das Polizeiaufgebot in Sachsen-Anhalt wird verstärkt. Auch aus Niedersachsen sind Einsatzkräfte angefordert worden. Dazu sei ein Polizeihubschrauber aus Niedersachsen nach Halle geschickt worden.

Zwei Tote nach Schüssen in Synagoge in Halle

15.51 Uhr: In mehreren deutschen Städten werden Synagogen nach den Schüssen in Halle nun von der Polizei intensiver bestreift. In NRW wurden die Schutzmaßnahmen vor israelisch-jüdischen Einrichtungen beträchlich verstärkt, hieß es aus dem Innenministerium. Im Ruhrgebiet gibt es größere jüdische Gemeinden in Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund. In Niedersachsen werden die Gemeinden in Hannover bewacht.

Einer der Tatorte liegt nahe der Synagoge in Halle, ein weiterer Tatort ist an einem Dönerimbiss.

Ob die Taten antisemitische Hintergründe haben, ist noch unklar.

15.47 Uhr: Nach den tödlichen Schüssen in Halle ist auch die Polizei in Thüringen verstärkt im Einsatz. Für Thüringen bestehe nach bisherigen Kenntnissen keine konkrete Gefahr, meldet die Polizei.

Die Thüringer Polizei unterstützt die Fahndungsmaßnahmen nach flüchtigen Tätern. Verkehrswege aus Richtung Halle nach Thüringen und Orte in der Nähe der Landesgrenze werden demnach verstärkt überwacht.

15.42 Uhr: Die Polizei kontrolliert auch die Straßen rund um Halle und Landsberg. Zwei Täter sollen nach wie vor auf der Flucht sein.

15.16 Uhr: Wie „Focus Online“ berichtet, wurde für alle Polizisten in Berlin und die Bereitschaftspolizei des Bundes in Berlin eine sogenannte KLE-Lage ausgerufen.

Die Abkürzung steht für „Komplexe lebensbedrohliche Einsatzlagen“. Das heißt: Alle verfügbaren Beamten müssen sich in den Dienstellen in Bereitschaft aufhalten.

15.01 Uhr: Die Bundesanwaltschaft ermittelt nun wegen Mordes von besonderer Bedeutung. Die Behörde ist dann zuständig, wenn schwere Straftaten wie Mord oder Totschlag möglicherweise die innere Sicherheit in Deutschland gefährden.

Ob es sich um eine antisemitische Tat handelt, sei noch unklar, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

14.36 Uhr: Ein Video zeigt möglicherweise einen der Täter: Aus der Deckung eines Autos heraus gibt er Schüsse ab. Unter anderem der MDR hatte das Video gezeigt.

14.26 Uhr: Insgesamt zwei Täter sollen derzeit noch auf der Flucht sein.

14.22 Uhr: Berichten zufolge soll ein Täter mit einer Maschinenpistole in einen Dönerladen geschossen haben. Zuvor soll er versucht haben, eine Art Sprengkörper in den Laden zu werfen - dieser sei aber an der Tür abgeprallt.

14.18 Uhr: Einer der Täter soll zu Fuß auf der Flucht sein, andere sind nach Polizeiangaben mit einem Auto unterwegs.

14.14 Uhr: Polizeigewerkschafter Rainer Wendt sagte gegenüber NTV: Nach einer „Amoklage“ sehe die Situation in Halle an der Saale nicht aus. Zuvor hatte die Stadt von einer „Amoklage“ gesprochen.

13.54 Uhr: In Landsberg östlich von Halle an der Saale gab es weitere Schüsse.

13.50 Uhr: Die Polizei hat eine verdächtige Person festgenommen.

13.40 Uhr: Ein Augenzeuge berichtet gegenüber NTV, er hat die Schießerei mitbekommen. Er habe militante Kleidung und eine Sturmmaske getragen. Er wolle aber keine falschen Informationen streuen, seine Erinnerung sei angesichts der Situation getrübt.

Nahe dem Tatort an der halleschen Synagoge feierte die jüdische Gemeinde zuvor Jom Kippur. Es ist der höchste jüdische Feiertag. Der zweite Tatort ist an einem Döner-Imbiss.

13.30 Uhr:

Der Bahnhof von Halle wurde gesperrt.

13.15 Uhr:

Die Bewohner von Halle wurden aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen oder sich in Sicherheit zu bringen. Die Polizei schreibt: „Bitte bleiben Sie in ihren Wohnungen oder suchen Sie sichere Orte auf.“

Halle: Tote nach Schießerei

Ein Tatort soll sich im sogenannten Paulusviertel nördlich der Altstadt von Halle befinden.

+++ Limburg: Lkw rast in Autos – Fahrer war schon in NRW auffällig +++

Medienberichten zufolge soll ein Unbekannter in der Nähe der halleschen Synagoge auf eine Frau geschossen haben. Auch soll eine Handgranate auf den jüdischen Friedhof geworfen worden sein. Die Polizei bestätigte das bislang nicht.

Polizei warnt: „Von Türen und Fenstern fernbleiben!“

Über die Warnapp Nina erhielten die Einwohner von Halle und der nahen Stadt Landsberg Alarmnachrichten: „Gebäude und Wohnungen nicht verlassen. Von Fenstern und Türen fernbleiben! Suchen Sie sofort eine Deckung auf!"

Die genauen Hintergründe sind noch unbekannt. (pen/jg/cs/dpa)