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Anne Will: Als ein Gast DAS sagt, reagiert die Moderatorin schockiert

Anne Will entglitten die Gesichtszüge.
Anne Will entglitten die Gesichtszüge.
Foto: ARD

Erneut steht der Nahe Osten vor einer humanitären Katastrophe: Die Türkei hat eine Invasion gestartet, tagelang bombardierte das türkische Militär kurdische Gebiete in Syrien.

Seitdem sind über 160.000 Menschen auf der Flucht, es gab Tote und Verletzte. Die USA lassen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gewähren und Europa bleibt bemerkenswert passiv.

Anne Will: „Erdogans Siegeszug - schaut Europa weiter hilflos zu?“

Der neue Krieg in Syrien war am Sonntagabend Thema bei „Anne Will“ in der ARD: „Erdogans Siegeszug - schaut Europa weiter hilflos zu?“, lautete die Frage.

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Die Antworten, die die Gästerunde letztlich formulierte, sind erschütternd.

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Anne Will:

  • Talkshow mit Schwerpunkt Politik in der ARD
  • Die Show läuft seit 2007 in der ARD. Von 2007 bis 2011 sonntag. Später wurde die Show wegen zugunsten von „Günther Jauch“ auf den Sendeplatz am Mittwoch verschoben.
  • Seit 2016 läuft sie Sendung wieder sonntags, 21.45 Uhr
  • Moderation: Anne Will
  • es ist die meistgesehene Talksendung im deutschen Fernsehen

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Die Türkei nennt ihre Invasion offiziell „Operation Friedensquelle“. Eine höchst zynische Bezeichnung, wie Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, betonte: „Nichts davon ist wahr. Da war keine akute Gefährdung. Zivilisten werden bombardiert. Ich bin total entsetzt.“

„Was wir den Kurden angetan haben, wird als Blutfleck in die Geschichte Amerikas eingehen“

US-Präsident Donald Trump hatte völlig überraschend die amerikanischen Truppen aus Nordsyrien abgezogen - und damit der Türkei beziehungsweise Erdogan das Feld überlassen. Dafür gab es sogar massive Kritik aus den eigenen Reihen. Der extrem einflussreiche Republikaner Mitt Romney sagte: „Was wir den Kurden angetan haben, wird als Blutfleck in die Geschichte Amerikas eingehen.“

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Den überraschenden Waffenstillstand, den die USA mittels eines höchst umstrittenen Schreibens erreicht hatte, nannte Röttgen bei Anne Will einen „Tiefstpunkt amerikanischer Diplomatie. Politisch, moralisch, völkerrechtlich. Das Erbärmliche ist, dass in diesem Papier das komplette Narrativ von Erdogan übernommen wird.“

Die Linken-Fraktionschefin Sevim Dagdelen warf sowohl den USA auch der deutschen Bundesregierung komplettes diplomatisches Versagen vor. „Trump hat klar gemacht, worum es ihm geht. Er möchte die Türkei als Natopartner behalten, koste es, was es wolle. Das hat auch die Bundesregierung gesagt. Deshalb muss alles dahinter anstehen.“

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Anne Will: Bemerkenswert zynische Außenpolitik

Bemerkenswert deutlich zeigte dann der folgende Dialog, wie weit entfernt die diplomatischen Spielregeln offenbar von dem sind, was die meisten gemeinhin unter Wertegemeinschaft verstehen. Sevim Dagdelen machte noch einmal auf das Leid der Menschen aufmerksam, die das politische Geschacher hautnah erleben - und ausbaden müssen: „Was wir ganz dringend brauchen, ist humanitäre Hilfe für die Menschen. Und wir müssen klare Kante zeigen.“ Erdogan dürfe die EU nicht vorführen. „Sonst macht man sich unglaubwürdig, wenn man überhaupt nochmal über Menschenrechte reden möchte.“

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Anne Will

  • 1966 in Köln geboren
  • Präsentierte 1999 als erste Frau die Sportschau
  • 2001 bis 2007: Moderatorin der Tagesthemen
  • Seit 2007 hat sie ihre eigene Talkshow „Anne Will“ in der ARD

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Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, fand Dagdelens Monolog über Menschlichkeit offenbar allzu naiv: „Ich verstehe die humanitäre Empörung, die Sie jetzt reflektieren. Aber lassen Sie uns mal über realpolitische Interessen reden. Die Türkei ist bis zur Stunde ein Nato-Partner. Militärisch betrachtet ist es das wichtigste Land in Europa mit der größten Armee und kann nicht ausgeschlossen werden.“

Anne Will fragt entgeistert nach

Anne Will schien angesichts dieser Aussage zutiefst überrascht: „Selbst wenn es Werteverstöße gibt?“, fragte sie entgeistert. Ja, so sei das nunmal, sagte Ischinger. (pen)