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Tatort (ARD): Zuschauer außer sich vor Wut! „Ich könnte platzen“

Beim „Tatort“ aus Köln gab es einige Aufreger.
Beim „Tatort“ aus Köln gab es einige Aufreger.
Foto: WDR/Thomas Kost

Köln. Sonntagabend ist Zeit für „Tatort“. Auch am vergangenen Sonntag rätselten 10 Millionen Menschen beim „Tatort“ aus Köln bis zum Schluss, wer der Mörder ist. Zuvor gab es 90-minütiges Drama um Hass, Ausgrenzung, Homophobie und Mobbing.

Wichtige, allgegenwärtige Themen aus dem Leben von Teenagern behandelte der „Tatort am Sonntag und versuchte, Gesellschaftskritik zu üben. Doch das funktionierte nur bedingt – und brachte einige „Tatort“-Zuschauer auf die Palme.

„Tatort“ (ARD) aus Köln: Zuschauer gehen auf die Barrikaden

Im „Tatort (ARD) aus Köln wird der 17-jährige Jan tot aufgefunden. Seine Leiche liegt nackt an einem See. Der Schüler war schwul - und hatte in der Schule mit homophobem Mobbing zu kämpfen.

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Die meisten der Figuren im Tatort sind homophob - auch die Freunde des Toten. Jans Freund Robin zeigt sich schwer getroffen von der Homosexualität seines Freundes - schliefen sie doch jahrelang in einem Bett. „Ich muss mich fragen, ob ich seine Wichsvorlage war“, heißt es von ihm zum Beispiel.

Auch von den Ermittlern sind Aussagen zu hören, die die Zuschauer fragend zurücklassen („Kommt nicht gut in einem Fußballverein, wenn man einen schwulen Freund hat.“)

Auch an Klischees bedienten sich die Drehbuchautoren des Tatort mit einem strenggläubigen Muslim, der seinen schwulen Sohn vom Revier abholt, und ihn in der Kölner Innenstadt in den erweiterten Suizid zieht.

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ARD-Zuschauerin: „Könnte platzen“

Die Darstellung von Homosexualität und die fehlende Einordnung der homophoben Figuren im Kölner „Tatort“ ARD kommt bei den Zuschauern nicht gut an. Gerade in einer weltoffenen Stadt wie Köln scheint ein solch hoher Grad an homophober Energie unwahrscheinlich.

Auch wird das junge Opfer Jan Sattler so darstellt, als würde er mit jedem direkt ins Bett springen – ein Vorurteil, welches sich nach wie vor in der Gesellschaft hält.

Eine Auswahl an Kommentaren:

  • Der Tatort macht mich so super aggressiv, ich könnte platzen
  • Warum endet im TV das Schwulsein fast immer in der Farce oder im Drama
  • Beim heutigen Tatort durfte weder der schwule Quotenmoslem mit seinen strenggläubigen Eltern fehlen, der von seinem Vater in den erweiterten Suizid gezogen wird, noch die Schülerin, die sexuelle Belästigung vortäuscht & dadurch als lügendes Miststück wahrgenommen wird

Neben dem Thema Mobbing gab es ein weiteres großes Thema im Kölner „Tatort“ (ARD): Sexuelle Belästigung. Während die beiden Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) den Mord des 17-Jährigen untersuchen und Mitschüler befragen, gerät „Tatort“-Ermittler Schenk selbst ins Fegefeuer. Er soll eine Schülerin sexuell belästigt haben.

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„Tatort“-Ermittler Schenk droht Disziplinar-Verfahren

Das Thema Mobbing ist an deutschen Schulen allgegenwärtig. Das sieht auch „Tatort“-Autor Johannes Rotter so: „Hatespeech, häusliche Gewalt und Mobbing finden vor unser aller Augen statt. Im Netz, bei der Arbeit und zu Hause. Sie können jede Person treffen. Auch die im Rampenlicht.“

Während der Ermittlungen stoßen die „Tatort“-Ermittler auf große Hürden. Als Kommissar Freddy Schenk die hübsche und beliebte Nadine Wilcke befragen will, kommt es zum schweren Vorwurf. Die Schülerin rennt weinend auf den Schulhof, schreit laut: „Er hat mich angepackt. Er hat mir an die Brüste gepackt.“

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„Wie dreist ist das denn?“

„Tatort“-Kommissar Schenk ist völlig verärgert: „Fräulein, so geht das hier nicht. Wie dreist ist das denn? Da war nichts.“ Das Fatale: Alle Schüler filmen die Szene mit ihrem Smartphone. Wie ein Laubfeuer verbreitet sich das Video im Netz. Social Media-Kanäle sind voll davon. Unbekannte rufen bei Schenk zu Hause an, fragen, welche Sauerei er als Nächstes vorhätte.

Aus Spaß wird Ernst. „Tatort“-Ermittler Freddy Schenk muss sich einem Disziplinar-Verfahren stellen. Könnte für immer seinen Job verlieren.

Das meiste, was sich ihre Figuren antun, geschieht im Schutz der Öffentlichkeit. In einer Gesellschaft, die sich so rasant ändert wie unsere, müssen wir gut aufeinander aufpassen, damit unsere Kinder diese Formen der Gewalt nicht als normal ansehen oder gar akzeptieren, so Autor Rotter.

„Tatort“-Schauspieler Bär: „Mobbing geht gar nicht“

Auch den „Tatort“-Darstellern selbst geht das brisante Thema nahe. Schenk-Schauspier Dietmar Bär sagt: „Mobbing geht gar nicht. Im Film erleben wir Mobbing auf ganz unterschiedlichen Ebenen – unter Schülern, in der Familie und auch unter Kollegen. Letztlich wird auch Freddy Schenk selbst zum Opfer. Er weiß gar nicht, wie ihm geschieht und wo er Hilfe finden kann in dieser Situation.“

Sein Kollege Klaus Behrendt („Tatort“-Kommissar Max Ballauf) appelliert an alle Mitmenschen: „Passiv nebendran zu stehen ist es sicher nicht. Deswegen hält sich Max nicht raus, sondern mischt sich ein. Es wäre schön, wenn sich das mehr Menschen auch in der Realität trauen würden.“

Viel positive Resonanz vorab

Das Thema Mobbing kommt bei „Tatort“-Fans sehr gut an. Bei Facebook freuen sie sich vorab auf den Abend, können mit Schenk mitfühlen und sind verärgert.

Hier einige Kommentare:

  • „Gutes Thema. Ich bin gespannt.“
  • „Da bekomme ich ja von der Vorschau schon Wut! Allerdings nicht auf Schenk. Ich bin gespannt ...“
  • „Aber schon beängstigend, wie die mittelgroße Kinderschar so werden kann. Und ich glaube, dass es sowas, gar nicht so selten gibt.“
  • „Ich rege mich jetzt schon wieder auf über die Tusse.“

Den ganzen „Tatort“ aus Köln kannst du in der ARD-Mediathek anschauen. Der nächste Tatort läuft am Sonntag, 26. Januar 2020, in der ARD. Die Kommissare Batic und Leitmayr aus München ermitteln. (mit cs, mb)