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Greta Thunberg: Mysteriöser Brief von Firma aufgetaucht - das steckt dahinter

Greta Thunberg will „Fridays for Future“ als Marke schützen. Jetzt nimmt der Fall eine überraschende Wendung.
Greta Thunberg will „Fridays for Future“ als Marke schützen. Jetzt nimmt der Fall eine überraschende Wendung.
Foto: dpa
  • Die Firma Kitzventure will „Fridays for Future Germany“ als Marke anmelden
  • Der Fall wirft Fragen auf
  • Dabei geht es auch um einen Brief an Greta Thunberg

Alles beginnt mit 13 Ziffern: 3020202038313.

So lautet das Aktenzeichen, unter dem beim deutschen Patentamt eine Verfahren läuft, das schon bald für internationales Aufsehen sorgen wird. Es geht um den Begriff „Fridays for Future Germany“.

Greta Thunberg: „Fridays for Future“ könnte Millionen Euro wert sein

Eine Firma mit Sitz in Österreich will sich jetzt die Markenrechte an dem Begriff sichern: Eine Marke, die nach Einschätzung von Experten Millionen Euro wert werden könnte.

+++ Greta Thunberg will "Fridays for Future" als Marke eintragen +++

Der Fall wirft Fragen auf. Wer steckt hinter der Firma, die „Fridays for Future Germany“ zur Marke machen will?

Kitzventure heißt das Unternehmen mit dem schicken Logo: Ein stilisiertes Alpenpanorama, darunter der vollmundige Claim „The Great Company Holding“. Die Firma zum Logo ist ein Private-Equity-Unternehmen mit Sitz im noblen Skiort Kitzbühel. Eine Beteiligungsgesellschaft, die nach eigenem Bekunden in IT-Start-Ups investiert, aber auch mit Marketing und Werbung zu tun hat. In der Vergangenheit war Kitzventure vor allem in Österreich in die Schlagzeilen geraten: 2017 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen mehrere (inzwischen ehemalige) Verantwortliche der GmbH. Grund: Verdacht des schweren gewerbsmäßigen Betrugs. Der Prozess soll im April starten.

Kitzventure: Ärger wegen Marken in Österreich

Zuletzt gab es erneut Wirbel. Diesmal hat die GmbH Ärger, weil sie sich die Rechte an Gebirgsnamen oder Postleitzahlen sichern will - sehr zum Unmut der Tiroler Landesregierung. „Den versuchten Massenausverkauf unserer Heimat, und sei es nur über Begrifflichkeiten, wird es mit uns sicher nicht geben“, wetterte Regierungschef Günther Platter gegen Kitzventure.

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Greta Thunberg:

  • Geboren im Januar 2003 in Schweden
  • Die Klimaaktivistin lebt mit dem Asperger-Syndrom
  • Im August 2018 rief sie die Idee von Klimastreiks ins Leben
  • Thunberg wurde der sogenannte Alternative Nobelpreis verliehen: Er ist eine Auszeichnung "für die Gestaltung einer besseren Welt"

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Kitzventure-Geschäftsführer Patrick Landrock hält dagegen. „Das ist Hetze. Andere Unternehmen machen das seit Jahren, die Landesregierung möchte das nur nicht, weil sie offenbar keine Investoren aus Deutschland will.“ Landrock selbst ist deutscher Staatsbürger.

Marke auf Mützen und Taschen

Solche Markenanmeldungen sind für die Firma gewissermaßen Routine: Kitzventure hält die Rechte an mehreren Hundert Wörtern, ist ein regelrechter Sammler solcher sogenannter Wortmarken. Die lassen sich zu Geld machen. Ein Weg: Als Aufdruck auf Tausenden T-Shirts, Taschen, Mützen.

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Will die Firma „Fridays for Future Germany“ zu Geld machen?

Will die Firma also auch mit dem Begriff „Fridays for Future Germany“ Geld machen?

Der Gedanke liegt zumindest nahe. So sind in der Markenanmeldung auch mehrere sogenannte Nizza-Klassen aufgeführt: Sie stehen für mögliche Verwendungen der Marke auf Waren oder im Rahmen von Dienstleistungen. In diesem Fall sind es unter anderem bestimmte Kleidungsstücke, Kopfbedeckungen und Bänder aber auch Werbung im Allgemeinen.

Kitzventure-Geschäftsführer Patrick Landrock indes versichert am Telefon: „Wir haben nicht vor, das zu kommerzialisieren. Fridays for Future gehört Greta Thunberg, das ist klar.“

„Das gehört Greta Thunberg, das ist klar“

Es gebe Wettbewerber, die ebenfalls den Begriff anmelden wollten. „Aber im Gegensatz zu uns wollen die das zu Geld machen. Das möchten wir verhindern", sagt Landrock gegenüber DER WESTEN.

Er stehe hinter der Bewegung „Fridays for Future“. „Ich will selbst auch mal Kinder haben und finde es klasse, dass die jungen Leute für das Klima und die Zukunft auf die Straße gehen.“

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Sollte Kitzventure die Markenrechte an „Fridays for Future Germany“ erhalten, will die Firma sie an Greta Thunberg beziehungsweise die Stiftung „Stiftelsen The Greta Thunberg and Beata Ernman Foundation“ überschreiben - kostenlos. Ein Brief an die Stiftung bestätigt das, Kitzventure-Chef Patrick Landrock hat eine Kopie davon unserer Redaktion zukommen lassen.

Brief an Greta Thunberg

Tatsächlich hatte die Greta-Stiftung ebenfalls eine Markenanmeldung des Begriffs „Fridays for Future“ beim Europäischen Patentamt angemeldet, nach eigener Aussage, um den Begriff vor Missbrauch und Kommerz zu schützen. Die Erfolgsaussichten allerdings sind eher gering. Denn nach Ansicht von Experten fehlt dem Begriff die Unterscheidbarkeit.

Das sieht durch den Zusatz „Germany“ anders aus, glaubt Landrock. Wenn es ihm nur um die Sache von Greta Thunberg geht: Warum hat er der Stiftung nicht einfach einen entsprechenden Tipp gegeben? „Wir wollten keine Zeit verlieren und möglichst schnell sein, denn andere sind sicher auch auf die Idee gekommen“, erklärt Landrock. Dadurch, dass seine Firma als erste die Anmeldung beantragt hat, sind alle anderen Anträge nachrangig - und können durch Kitzventure gelöscht werden.

Eine Antwort von der Greta-Thunberg-Stiftung steht noch aus.