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„Heute Journal“: ZDF-Journalist greift Kanzlerin an – „Angela Merkel hat...“

„Heute Journal“-Redaktionsleiter Wulf Schmiese.
„Heute Journal“-Redaktionsleiter Wulf Schmiese.
Foto: ZDF

Der Eklat von Thüringen hat weitreichende Folgen - weit über die Grenzen des Bundeslandes im Osten der Republik hinaus.

FDP-Chef Christian Lindner sah sich nach dem Wahl-Debakel gezwungen, die Vertrauensfrage zu stellen. Und die CDU droht gerade, im Chaos zu versinken und sich ähnlich zu zersäbeln, wie das zuletzt die andere (Ex-)Volkspartei, die SPD, getan hat.

„Heute Journal“: Kommentar sorgt für Aufregung

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CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ist zurückgetreten - Beobachter sagen: Sie hatte kaum eine andere Wahl. Den Joker der Vertrauensfrage hatte sie schon verfeuert, als sie beim letzten CDU-Bundesparteitag in einer Rede ihren Rücktritt in Aussicht gestellt hatte. Nun steht die Partei ohne Kopf da.

Oder ohne Kapitän, um das Bild zu bemühen, das Wulf Schmiese in ein Kommentar im ZDF-„Heute Journal“ verwendete.

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Der Beitrag, in dem der „Heute Journal“-Redaktionsleiter es mit einer Schiffsmetapher versucht, sorgte jetzt für Aufregung. „Einst waren die Volksparteien stabile Tanker. Doch heute hält es auf deren rutschigen Kommandobrücken niemand mehr lange aus", so Schmiese.

Hauptschuldige: Angela Merkel

Seine These im Kommentar: Die Volksparteien gehen unter, weil sie ihre Ränder rechts und links vernachlässigen. Hauptschuldige im Fall der CDU: Angela Merkel. Sie habe „gar nicht versucht, auf den rechten Rand acht zu geben. Als Flüchtlingskanzlerin mag sie folgerichtig gehandelt haben, als CDU-Vorsitzende hat sie folgenschweren Schaden angerichtet. Sie hat damit den Niedergang ihrer Volkspartei eingeleitet.“ Und weiter: „Nur wenn die CDU Ränder links wie rechts aushält, wird sie Volkspartei bleiben können.“

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Bei Twitter sorgte das für Kritik:

  • Es geht nicht um Volksparteien und aushalten von Hufeisentheorien. Welch unsägliches Geschwätz. Es geht um Abgrenzung und klare Kante gegen Rassisten, Faschisten und Rechtsextreme. Unter den Demokraten geht es um Zusammenarbeit in Sachfragen jenseits von festen Koalitionen.
  • Ich habe selten einen größeren Bullshit gehört. Der faschofreundliche Narrativ, Merkel habe Schuld an der Situation, verquirlt mit ein bisschen Saumagenromantik, ist sicher nicht die richtige Antwort auf eine rechtslastige Bande, die die FDGO mit Füßen tritt.

Aber es gab durchaus auch Lob:

  • Sehr guter Kommentar! Es braucht breite systemstabilisierende und integrative Anker in der zivilgesellschaftlichen Mitte.
  • Kommentare dieser Güte im ZDF sind eine Rarität geworden.
  • Lange her, dass ich in den ÖR Nachrichten solch eine kluge Analyse in einem Kommentar gesehen habe.

Die Reaktionen zeigen: Es herrscht enormer Diskussionsbedarf. (pen)