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Markus Lanz: Virologe mit heftiger Kritik an Bundesregierung – weil sie DAS versäumt hat

Virologe Prof. Hendrik Streeck zu Gast bei Markus Lanz.
Virologe Prof. Hendrik Streeck zu Gast bei Markus Lanz.
Foto: Screenshot ZDF

Trotz Corona-Krise gab es am Dienstagabend eine neue Folge der Talkshow „Markus Lanz“ im ZDF. Diesmal jedoch ohne Publikum, mit weniger Gästen im Studio und entsprechendem Abstand zwischen den Stühlen.

Virologe Hendrik Streeck arbeitete sich bei „Markus Lanz“ an diesem Abend umfangreich an den bisher getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise ab – und kritisierte dabei auch die Bundesregierung. Zudem zeichnete ZDF-Journalist Johannes Hano ein dramatisches Bild aus den USA.

Markus Lanz: Talk-Show unter Corona-Bedingungen

Es sah fast ein bisschen einsam aus: Nur drei Gäste neben Markus Lanz im Studio, kein Publikum. Doch wegen des Coronavirus versucht auch die Talkshow, das Infekionsrisiko für alle Beteiligten zu senken.

Der angesprochene Abstand zwischen den Stühlen blieb dabei jedoch rein metaphorisch – denn bei vielen Dingen waren sich Virologe Hendrik Streeck, Theologin Margot Käßmann, Ökonom Marcel Fratzscher, Journalist Johannes Hano und Strafrechtler Reinhard Merkel weitgehend einig. Hano und Merkel waren dabei per Video zugeschaltet.

Virologe Hendrick Streeck, Professor für Virologie und Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn, erklärt, dass er sich bei der Forschung mit dem Coronavirus vor allem mit der Auswirkungen auf den Menschen sowie mögliche Ansteckungswege fokussiert habe.

Streeck: Bislang keine Ansteckung über Oberflächen

Seine Erkenntnisse, die viele sicher beruhigen: Auf Handy, Türklinken, Katzen oder im Supermarkt hatten er und sein Team „kein lebendes Virus von irgendeiner Oberfläche“ feststellen können. Selbst bei einer Familie in Heinsberg, die hoch infektiös gewesen sei, habe man im Haus keine Viren auf Oberflächen gefunden. Gefahr bestehe vor allem, wenn viele Menschen über Stunden auf engem Raum beisammen sind, wie bei Partys oder Fußballspielen.

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Als es um das Thema Heinsberg geht, zeigte sich Streeck vom Verhalten des Robert-Koch-Instituts (RKI) überrascht. Dass die im Kampf gegen das Coronavirus führende Behörde keine umfangreiche Studie in dem Kreis in NRW, in dem das Virus besonders viele Menschen infiziert hatte, durchführte, habe ihn „auch überrascht“.

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Das ist die Fernsehsendung „Markus Lanz“:

  • „Markus Lanz“ ist eine Talkshow im ZDF, benannt nach Moderator Markus Lanz.
  • Die 75-minütige Sendung wird dienstags bis donnerstags am späten Abend ausgestrahlt.
  • Meistens wird die Sendung einige Stunden vor der Ausstrahlung in einem TV-Studio in Hamburg-Altona aufgezeichnet, mitunter gibt es auch Live-Übertragungen.
  • In jeder Ausgabe der Show empfängt Markus Lanz vier bis fünf (meist prominente) Talk-Gäste, mit denen er zu einem pro Sendung jeweils neuen Thema spricht.

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Er hatte zunächst beim RKI angefragt, von dort jedoch die Information erhalten, dass eine solche Studie aktuell nicht durchgeführt werde und auch nicht angedacht sei. „Ich empfand es als Pflicht als Virologe, dass wir das machen sollten“, äußerte Streeck vorsichtig Kritik, der daraufhin selbst mit Untersuchungen in dem Kreis begann.

Kritik an Bundesregierung

Neben dem RKI, sah der 42-Jährige auch bei der Bundesregierung Verfehlungen im Umgang mit der Coronavirus-Krise. Man habe den ersten getroffenen Maßnahmen nicht genügend Zeit gegeben, um überprüfen zu können, ob sie wirksam seien. Stattdessen seien sehr schnell hintereinander neue Maßnahmen ergriffen worden, so dass man nun nicht überprüfen könne, welche tatsächlich zur Eindämmung beigetragen hätten. Er betont aber auch: „Jetzt das zurückzudrehen, wäre falsch.“

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Bundesregierung stelle sich bislang nicht breit genug auf. Einen runden Tisch oder eine zentrierten Austausch mit Virologen aus China gebe es bislang nicht. Zur Zeit verlasse sich die Bundesregierung sehr auf das RKI. Aber: „Alle Virologen arbeiten anders“, erklärt Streeck.

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„Herr Drosten arbeitet sehr Virus zentriert, ich fokussiere mich darauf: Was macht das Virus mit den Menschen? Was Herr Drosten tut, das könnte ich nicht so gut, wie es Herr Drosten kann. Aber was ich mache, kann Herr Drosten nicht so gut, wie ich es kann“, führt er aus und ergänzt: „Ich finde es einfach schade, dass man da eher monothematisch von der Regierung aus rangegangen ist.“

US-Korrespondent zeichnet dramatisches Bild

Neben Virologe Hendrick Streeck bleibt den Zuschauern vor den TV-Bildschirmen auch das Gespräch mit dem aus den USA zugeschaltetem ZDF-Journalisten Johannes Hano in Erinnerung. Er zeichnete ein dramatisches Bild aus der US-Metropole New York.

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„Man hat hier dem Virus genug Zeit gegeben. Der amerikanische Präsident hat einen Monat lang alles runtergespielt“, so Hano. Inzwischen würden vor den Krankenhäuser Kühllaster stehen, da die Leichenhallen der Krankenhäuser überfüllt sein.

„Die nächsten vier Wochen wird es nur darum geht, zu überleben“, so die erschütternde Prognose. Man müsse nun alles tun, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen und zwar so schnell wie möglich. (dav)