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Coronavirus: Experten packen aus – darum gibt es gerade jetzt mehr Corona-Verstöße als zuvor

Seit den jüngsten Lockerungen im Kampf gegen das Coronavirus hat die Polizei besonders viel zu tun.
Seit den jüngsten Lockerungen im Kampf gegen das Coronavirus hat die Polizei besonders viel zu tun.
Foto: imago images/Ralph Peters

Kaum sind im Kampf gegen das Coronavirus die ersten Lockerungen in Kraft getreten, scheint es, als haben viele Menschen jegliche Sicherheitsvorkehrungen komplett über Bord geworfen.

Obwohl das Coronavirus immer noch den Alltag der meisten Menschen bestimmt, hat sich die Denkweise in der Bevölkerung inzwischen geändert, wie zwei Psychologen erklären.

Coronavirus: Strenge, aber einfache Regeln

Vor den ersten Lockerungen gab es strikte und simple Vorschriften, an denen sich die Bürger orientieren konnten und die klar kommuniziert worden sind.

„Menschen halten sich gerne an einfache Daumenregeln“, erklärt Prof. Bernhard Streicher von der Universität für Gesundheitswissenschaften in Tirol, „in diesem Fall zum Beispiel Mundschutz und Abstand.“

Keine Orientierung mehr

Die Lockerungen hingegen seien weniger transparent, sehr komplex und noch dazu von Bundesland zu Bundesland ganz unterschiedlich. „Das macht die Orientierung sehr schwierig“, sagt der Sozialpsychologe.

In solch uneindeutigen Situationen imitieren außerdem viele Leute das Verhalten ihrer Mitmenschen, was dazu führen könnte, dass auch Regelverstöße übernommen werden.

Bedürfnisse nachholen

Ähnlich sieht das auch Dr. Ulrike Lupke vom Institut für moderne Verhaltenstherapie in Hamburg: „Der Mensch lebt nicht gerne mit Bedrohungen, sondern benötigt eindeutige Wahrheiten“, sagt sie.

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Die Lockerungen könnten laut der Expertin bei vielen Bürger das Gefühl ausgelöst haben, die Krise neige sich dem Ende zu. „Da die Menschen lange Zeit ihre Bedürfnisse zurückgestellt haben, könnten sie diese jetzt nachholen wollen“, vermutet Lupke.

Gefährliche Sichtweise

Sie warnt vor dieser Sichtweise, denn gerade sie verleite zu riskantem Verhalten und könnte auf lange Sicht wieder zu einem Anstieg der Infektionszahlen führen.

Noch dazu können Trotzreaktionen auftreten, zu denen es laut Prof. Streicher immer dann kommt, wenn der Mensch den Eindruck hat, seine Freiheit wird auf nicht gerechtfertigte Weise eingeschränkt.

Verschiedene Lockerungen führen zu Trotz

„Während die strengen Regeln vor den Lockerungen allgemein als sinnvoll erachtet worden sind, sind die unterschiedlichen Vorschriften, die jetzt gelten, teilweise schwer zu begründen“, meint der Experte.

Deshalb könnten diese bei der ein oder anderen Person eine Trotzreaktion auslösen.

Schwieriger Balanceakt

Die richtige Balance zwischen Freiheit und Einschränkungen zu finden, ist gar nicht so einfach.

„Vernünftiges Verhalten ist alles, was unsere Gesellschaft aufrecht und am Laufen hält und gleichzeitig die Ausbreitung des Virus im Rahmen hält“, sagt Prof. Streicher.

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Dr. Lupke geht noch einen Schritt weiter: „Die Menschen müssen sich stattdessen bewusst werden, dass wir dabei sind, eine neue Normalität aufzubauen", sagt sie.