Welt 

Maddie McCann: Christian B. hinter Gitter – DAS erwartet ihn jetzt im Knast

Maddie McCann: Die Spur führt nach Deutschland

13 Jahre nach ihrem Verschwinden steht der Vermisstenfall vor dem Durchbruch!

Beschreibung anzeigen

Wäre Christian B. beinahe den Ermittlern entwischt, weil der Austausch zwischen deutschen und portugiesischen Ermittlern zu lange dauerte? Um diese Frage ging es am Mittwoch im Kieler Landtag.

Der deutsche Tatverdächtige im Fall Maddie McCann, der sich zum Tatzeitpunkt des Verschwindens der damals Dreijährigen in Portugal aufhielt, sitzt seit dem 19. Mai 2020 in der JVA Kiel. Hier sitzt er isoliert in Abteilung 5 des Gefängnisses, gut beobachtbar von den Wärtern in der Zentrale.

Christian B. werde von anderen Häftlingen abgeschirmt und sei über die Maßnahmen informiert worden, so Schleswig-Holsteins Justizminister Claus Christian Claussen am Dienstag im Innenausschuss des Landtages. Auch der Umgang mit der Medienberichterstattung sei mit dem Verdächtigen thematisiert worden. „Der Gefangene bedarf aufgrund der derzeitigen Situation besondere Aufmerksamkeit. Die JVA Kiel hat die notwendigen Vorkehrungen getroffen“, so der Justizminister.

Maddie McCann: Christian B. wird von anderen Häftlingen abgeschirmt

Sein Anwalt Friedrich Fülscher sagte nach einem Besuch seines Mandanten: „Christian B. macht momentan keine Angaben zur Sache und wir bitten um Verständnis, dass wir als Verteidiger auch keine Angaben machen.“

Auf die Nachfrage, wie es Christian B. gehe, sagt Fülscher: „Wie soll es einem Menschen gehen, der in einer Justizvollzugsanstalt isoliert ist und dem die halbe Weltbevölkerung schlimmste Verbrechen vorwirft?“

Warum wurde Christian B. 2018 aus der Haft entlassen?

Der Fall Maddie McCann war im Landtag indirekt Thema. Konkret ging es um eine Haftentlassung von Christian B. im Jahr 2018. Damals habe noch kein Tatverdacht im Fall Maddie McCann gegen Christian B. bestanden, erklärte die Flensburger Staatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt.

+++ Maddie McCann: Vergleich mit Fall Rebecca Reusch – Profiler warnt: „Nicht noch ein Debakel“ +++

Am 31. August diesen Jahres war Christian B. aus der Haft entlassen, einige Wochen später in Italien von Ermittlern geschnappt worden.

In der Zwischenzeit war Christian B. aus Braunschweig über die Niederlanden nach Italien geflohen. Die Ermittler verfolgten seine Spur mithilfe von Telefonüberwachung.

>>> Alle Entwicklungen im Fall Maddie: Neue Spur! Hat der Tatverdächtige auch etwas mit IHREM Verschwinden zu tun? <<<

-----------------------------

Die Vergehen von Christian B. in den letzten Jahren:

Unerlaubtes Handeln mit Betäubungsmitteln:

  • Urteil am Amtsgericht Niebüll (Schleswig-Holstein) am 6. Oktober 2011: Christian B. erhält ein Jahr und 9 Monate auf Bewährung. Da Christian B. später wieder straffällig wird, wird am 22. Juni 2019 das Urteil vollstreckt. Derzeit sitzt er deshalb in der JVA. Im Januar 2021 könnte er hier vorzeitig entlassen werden.

Sexueller Missbrauch und Kinderpornografie:

  • Nach einem europäischen Haftbefehl im August 2016 wird Christian B. am 22. Juni 2017 von Portugal an die deutsche Justiz übergeben. Hier wird ihm in Braunschweig der Prozess wegen sexuellem Missbrauch und Kinderpornografie gemacht. Das Verfahren endete zunächst in Freispruch, in zweiter Instanz wurde der Maddie-Verdächtige am 27. September 2017 zu einem Jahr und drei Monaten verurteilt.
  • Diese Strafe ist inzwischen komplett verbüßt. Am 31. August 2018 kommt Christian B. auf freien Fuß, weil der Staatsanwaltschaft Flensburg die Zustimmung aus Portugal zur Vollstreckung des Haftbefehls zum Urteil aus dem Jahr 2011 fehlt.
  • Christian B. reist am 18. oder 19. September 2018 in die Niederlande, später weiter nach Italien. Mit einem neuen Europäischen Haftbefehl kann er am 27. September 2018 in Italien festgenommen werden.

Vergewaltigung:

  • Christian B. soll eine US-Touristin 2005 in Portugal vergewaltigt haben. Dazu wurde er am 16. Dezember 2019 zu sieben Jahren Haft verurteilt. Vom 23. Juli 2019 bis 11. Februar 2020 saß Christian B. dazu in U-Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil Christian B. Revision eingelegt hatte. Der Europäische Gerichtshof wird sich der Frage annehmen.

-----------------------------

Im Mittelpunkt der Diskussion im Kieler Landtag stand die Frage, warum Christian B. 2018 überhaupt aus der Haft entlassen wurde? Schließlich hatte er gegen Bewährungsauflagen in einem vorherigen Urteil verstoßen.

Brauchte die portugiesische Justiz, die Christian B. aufgegriffen und ausgeliefert hatte, zu lange, um ihre Zustimmung für die Vollstreckung der Strafe zu geben? Oder hat die Staatsanwaltschaft in Deutschland zu lange geschlafen und ihre Kollegen zu spät informiert?

„Es ist unsere Erfahrung, dass mehrere Monate zwischen den Anträgen und den Ersuchen aus den jeweiligen Ländern vergehen. Eine schnellere Umsetzung der Haftbefehle würde helfen“, erklärte die Flensburger Staatsanwältin.

Maddie McCann: Eltern verzweifelt – „Wollen endlich Frieden finden“

Bei der Flensburger Staatsanwaltschaft will man von einem Justizskandal nichts wissen. Sie verweisen auf komplizierte juristische Zuständigkeiten und Verfahrenswege zwischen Gerichten oder Staatsanwaltschaften. Doch der Fall zeigt einmal mehr: die Mühlen in der Justiz mahlen häufig langsam.