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WDR-Reporterin macht Foto von Lidl-Filiale – und ist fassungslos

WDR-Reporterin Isabel Schayani ist entsetzt über die Zustände auf Lesbos. Sie zeigt Bilder, die vor einer Lidl-Filiale entstanden sind und die sie fassungslos machen.
WDR-Reporterin Isabel Schayani ist entsetzt über die Zustände auf Lesbos. Sie zeigt Bilder, die vor einer Lidl-Filiale entstanden sind und die sie fassungslos machen.
Foto: WDR/Screenshot, Montage DER WESTEN

Die Worte einer WDR-Reporterin gingen unter die Haut. Jetzt hat sie auch noch Bilder geliefert, die sie ebenso fassungslos machen.

WDR-Reporterin Isabel Schayani hat in einer Live-Schalte in der „Aktuellen Stunde“ zuerst mit den Worten gerungen und anschließend eindringliche dafür gefunden, was sich derzeit im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos abspielt. Kurz darauf veröffentlicht sie ein Bild von einem Lidl,und die Szenerie macht sie fast sprachlos.

UPDATE 15. September 2020: WDR-Reporterin postet Fotos einer Lidl-Filiale auf Lesbos

WDR-Reporterin Isabel Schayani berichtet seit einigen Tagen über das humanitäre Drama unter den Flüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos. In einem TV-Beitrag wirkte sie sichtlich mitgenommen (siehe Erstmeldung unten), nun legte sie über Twitter nach und attackierte den Discounter-Riesen Lidl.

Sie postete zwei Fotos von einer Lidl-Filiale auf Lesbos. Davor liegen obdachlose und verzweifelte Flüchtlinge. Sie campieren vor dem Eingang. Das macht Schayani fassungslos: „Das Verrückte ist ja, dass sich dieses ganze Drama u.a. um diesen Supermarkt abspielt. Hunger vor der deutschen Supermarktketten. Manchmal ist das Leben seltsam.“

Schayani berichtete zuvor schon von der schlechten Versorgungslage. Viele Flüchtlinge leiden unter Hunger. Seit das Lager Moria abgebrannt ist, hat sich die Situation zugespitzt. Kurz darauf postete die Reporterin noch ein Video von Flüchtlingskindern. Ihr „Spielzeug“ ist ein kaputter Drehstuhl. Dazu schrieb sie: „Am Rande der Straße. Gleich hinter Lidl.“ Auch hier klingt wieder die Gegensätzlichkeit durch zwischen der opulenten Warenwelt im deutschen Supermarkt und der bitteren Not der Flüchtlinge.

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Mehr zu Lidl:

  • Die Discounterkette Lidl betreibt rund 11.000 Filialen in 29 Länder.
  • Keine andere Discounter-Kette aus Deutschland hat weltweit mehr Filialen.
  • Lidl gehört genauso wie Kaufland zur Schwarz-Gruppe.

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Auf Twitter empören sich viele und fordern Lidl auf, die Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Allerdings hatte Lidl das vor einigen Tagen bereits schon mal getan. Damals verteilte die Filiale Wasserflaschen. Entsprechend nehmen manche die Kette vor dem Shitstorm in Schutz. Lidl trage nicht die Verantwortung für die Lage auf Lesbos, sondern die EU, heißt es in einigen Twitter-Kommentaren.

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Erstmeldung am 13. September 2020:

WDR: Reporterin berichtet aus Moria: „Das ist jenseits von Worten“

„Die Versorgungslage ist so, dass man denkt: das ist nicht Europa“, sagt sie im WDR. „Wir haben heute gesehen, dass die Leute das Abwasser trinken. Wir haben dann gefragt, geht es euch gut? Dann haben sie gesagt: 'Nein, die Kinder haben Durchfall'. Aber sie haben keine andere Möglichkeit.“

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Schayani berichtet davon, dass Geflüchtete Schläuche angeritzt hätten, um dort ein bisschen Wasser rauszuholen. Nicht-Regierungsorganisationen seien von der Polizei nicht vorgelassen worden, um Essen oder Wasser zu verteilen.

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Mehr über Moria (Lesbos)

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In Gesprächen mit Geflüchteten sei sie immer wieder gefragt worden, wie die Politik in Europa auf das Chaos in Moria reagiere. Die Antwort der Reporterin, dass Europa sich lediglich bereit erklärt haben, 400 unbegleitete Flüchtlinge aufzunehmen, machte die Menschen vor Ort fassungslos: „Dann bricht für sie die Welt zusammen. Sie denken halt wirklich, wenn sie jetzt in dieser verzweifelten Lage Freiheit rufen, dass sie dann gehört werden.“

>>> hier mehr zur aktuellen Situation in Moria

„Dachten, es geht nicht schlimmer. Das ist schlimmer“

Für Schayani ist es nicht der erste Besuch in Moria. Sie habe geglaubt, der Zustand im Lager könne nicht mehr schlimmer werden. „Das ist jenseits von Worten“, sagt sie um Worte ringend. „Du gehst hier rein, hinter der Polizeikontrolle. Und dann liegen die da alle. Nicht Hunderte, Tausende. Da bist du jenseits von Worten. Beim letzten Mal sind wir gegangen und dachten, es geht nicht schlimmer. Das ist schlimmer.“

Essenerin mittendrin in Moria

Auch eine junge Medizinerin aus Essen ist in Moria, kümmert sich um Verletzte und Corona-Patienten. >>> Was sie über die Zustände in Moria erzählt, kannst du hier lesen. (ms/mag)