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Iran: Mysteriöser Telefon-Mitschnitt vor Hinrichtung legt üblen Verdacht nahe

Die Hinrichtung von Ringer Afkari im Iran löste Proteste aus.
Die Hinrichtung von Ringer Afkari im Iran löste Proteste aus.
Foto: Annette Riedl/dpa

Trotz internationaler Proteste war das Todesurteil gegen den Ringer Navid Afkari am Samstag im Iran vollstreckt worden. Nun tauchte ein Telefonmitschnitt im Netz auf.

Sollte der Audiomitschnitt mit Navid Afkari echt sein, fand das Telefongespräch noch am Abend vor seiner Exekution im Iran statt. Der öffentlich gewordene Anruf macht seinen Fall noch dramatischer und legt einen Verdacht nahe.

Fall Navid Afkari: Dieser Anruf legt einen traurigen Verdacht nahe

Im Netz wird seit einigen Stunden von Menschenrechtsaktivisten, unter anderem vom Iran Rights Monitor, ein Telefonmitschnitt verbreitet. Zu hören sein soll ein Gespräch zwischen dem Ringer Navid Afkari und einem seiner Bruder. Es soll am späten Freitagabend stattgefunden haben. Wenige Stunden später wurde der Sportler im Gefängnis Adel-Abad erhängt.

Die Vollstreckung des Todesurteils wurde für die Öffentlichkeit vollkommen überraschend vollzogen. Afkari wurde von der iranischen Justiz vorgeworfen, bei einer Demonstration im Juli 2018 in der Stadt Schiras einen Sicherheitsbeamten getötet zu haben. Es gibt jedoch Zweifel an dieser Version. Der Sportler selbst, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führten an, sein Geständnis sei durch Folter erzwungen worden.

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Hinrichtungen weltweit:

  • Laut Amnesty International lag der Iran mit mindestens 251 Hinrichtungen im Jahr 2019 weltweit auf Platz zwei.
  • Aus China sind keine genauen Zahlen bekannt, es soll sich aber um Tausende Personen handeln, die dort 2019 hingerichtet wurde.
  • Auch in Saudi-Arabien (184), dem Irak (mindestens 100) und Ägypten (mindestens 32) wurden 2019 zahlreiche Hinrichtungen dokumentiert.

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Dieses Detail macht den Fall Afkari noch dramatischer

Sofern das Telefonat tatsächlich so stattfand, hat Afkari noch in der Nacht nichts von der Hinrichtung am frühen Morgen geahnt.

Die Stimme, die Afkaris gehören soll, erzählt, dass er zusammen mit zwei weiteren Brüdern von den übrigen Gefangenen getrennt worden sei. „Es scheint so, dass wir drei morgen nach Teheran gebracht werden“, vermutete der Mann. Er beschuldigte den Chefaufseher des Gefängnis und weitere Mitarbeiter ihn und seine Brüder geschlagen zu haben. Ärzte hätten an zehn bis 15 Stellen Verletzungen feststelle können.

Zum Abschluss des kurzen Telefonats von etwas mehr als zwei Minuten sagt Afkari mutmaßlich, dass er hofft, dass mit Gottes Hilfe alles gut werde und sich der Bruder keine Sorgen machen solle.

Bundesregierung verurteilt Iran für Hinrichtung

Die Bundesregierung und die EU haben die Hinrichtung des iranischen Ringers Navid Afkari scharf verurteilt. „Wir sind entsetzt darüber, dass die Todesstrafe gegen den Sportler Navid Afkari am vergangenen Samstag in Iran vollstreckt wurde“, erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. „Die Bundesregierung verurteilt diese Hinrichtung, die trotz internationaler Proteste und Bitten um Aussetzung durchgeführt wurde, auf das Schärfste.“

Die EU äußerte sich ähnlich. „Die Europäische Union lehnt die Todesstrafe unter allen Umständen und ohne Ausnahme ab“, sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. Es handele sich um eine grausame Strafe, die die menschliche Würde und Unantastbarkeit auf inakzeptable Weise verleugne.

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