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Corona-Chaos in Fußball-Amateurliga: Erster Spieltag rum – 5 Mannschaften in Quarantäne, 10 Kicker mit Covid-19 infiziert

Corona hat den Fußball im Kreis Gelnhausen mächtig durcheinander gewirbelt.
Corona hat den Fußball im Kreis Gelnhausen mächtig durcheinander gewirbelt.
Foto: Imago images; Montage: DER WESTEN

Endlich sollte es wieder losgehen vergangene Woche!

Doch dann kam Corona und verhagelte den Saisonstart von vielen Amateurkickern im Kreis Gelnhausen (Hessen). Nach einem Spieltag in der höchsten Klasse des Fußballkreises mussten gleich fünf Teams mit über 100 Spielern in Quarantäne, inzwischen sind zehn Spieler im Kreis mit Corona infiziert. Bei vielen weiteren bleibt Unverständnis über das unterschiedliche Vorgehen der Gesundheitsämter.

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Corona verhagelt Saison-Start in Amateurliga

Besonders heftig getroffen hat es den VfR Meerholz. Gleich sechs Spieler aus der ersten und zweiten Mannschaft haben sich mit dem Coronavirus infiziert, teilte der Verein mit.

Die Mannschaft aus dem Stadtteil Gelnhausens hatte bereits vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs Bedenken geäußert. Jetzt meldeten sie sich mit einem offenen Brief an den Hessischen Fußballverband zu Wort.

Darin fordern sie, „mit einer Entscheidung zur Aussetzung der Saison die vielen ehrenamtlichen Helfer der Vereine aus ihrer derzeitigen Drucksituation und dem damit verbundenen Entscheidungsdilemma zu befreien.“

Wenn die „schönste Nebensache“ endgültig zur Nebensache wird

Weiter heißt es darin: „Auch wir glauben, dass Fußball die schönste Nebensache der Welt sein kann. In diesem geflügelten Wort stecken aber zwei Dinge, die aktuell kritisch beleuchtet werden sollten: 'schön' und 'Nebensache'. Derzeit ist es uns nicht möglich, den Fußballsport als schöne Nebensache zu genießen.“

Die Auswirkungen beim Verein seien groß. Die lange geplante Operation der Tochter eines betroffenen Vereinsmitglieds müsse womöglich verschoben werden, Spieler und Vereinshelfer hätten Probleme wegen der notwendigen Quarantäne mit ihren Arbeitgebern. Ehrenamtliche Helfer aus der Risikogruppe lebten nun in Angst vor dem Virus.

Am ersten Spieltag vorletztes Wochenende traf der VfR Meerholz auf Nachbar SV Altenmittlau. Erst im Anschluss stellte sich heraus, dass ein eingesetzter Spieler aus dem Meerholzer Team positiv mit dem Coronavirus infiziert war. Mit Folgen auch für den Gegner. Das ganze Team musste sich vergangenen Freitag auf Covid-19 testen lassen - die Testergebnisse am Montag allesamt negativ.

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Ab hier wird es kurios. Denn für die Kicker aus dem gleichen Team gelten unterschiedliche Regeln. Lars Weingärtner, Trainer und Torwart des SV Altenmittlau, erklärt gegenüber DER WESTEN: „Wir haben zwei Spieler aus dem benachbarten Wetteraukreis. Sie wurden am Freitag getestet, durften nach dem negativen Testergebnis wieder arbeiten gehen, konnten also die Quarantäne verlassen.“

Ein weiterer Spieler, für den das Gesundheitsamt in Frankfurt zuständig ist, wurde erst gar nicht getestet. „Hier wurde genau nachgefragt, wie der Kontakt zu dem Infizierten auf dem Spielfeld war, ob es ein direkter Gegenspieler war“, schildert Weingärtner. „Es hieß: Die meisten Ansteckungen passieren in der Kabine.“ Entsprechend musste der Spieler auch nicht in Quarantäne.

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„Jedes Gesundheitsamt entscheidet, wie es will“

Anders sieht es beim Rest des Teams aus. Hier ist Gesundheitsamt im Main-Kinzig-Kreis zuständig. Sie mussten trotz negativem Corona-Test 14 Tage in Quarantäne bleiben. Begründung: Erst am Ende der zweiwöchigen Inkubationszeit sei nach jetzigem Stand eine Weiterverbreitung verlässlich auszuschließen, heißt es in einer Mitteilung des Main-Kinzig-Kreises.

Es ist vor allem das unterschiedliche Vorgehen der Gesundheitsämter, dass beim Altenmittlauer Trainer für Kopfschütteln sorgt: „Jedes Gesundheitsamt entscheidet wie es will. Das wirkt willkürlich.“

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Das sind die Symptome des Coronavirus':

  • Fieber (häufig)
  • trockener Husten (häufig)
  • Schnupfen (selten)
  • Kurzatmigkeit (selten)
  • Gliederschmerzen (selten)
  • Hals- und Kopfschmerzen (selten)
  • Durchfall oder Erbrechen (selten)

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Die Stimmen, die für eine Saisonaussetzung im Fußballkreis Gelnhausen plädieren, mehren sich. Auch bei Liga-Rivale Germania Rothenbergen gab es zwei Corona-Fälle, berichtet die „Gelnhäuser Neue Zeitung“. Auch ihre Gegner wurden in Quarantäne geschickt.

Quarantäne-Angst bei Amateurkickern

Die Folge: Insgesamt zehn Partien fielen am vergangenen Sonntag im ganzen Kreis Corona zum Opfer. Auch bei anderen Teams im Kreis geht die Sorge um. Nachdem Corona-Chaos sagten einige Spieler am vergangenen Wochenende kurzfristig ab - aus Sorge durch eine drohende Quarantäne Prüfungen zu verpassen oder Probleme mit dem Arbeitgeber zu bekommen.

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„Unter diesen Vorzeichen macht Fußball keinen Spaß“, bringt es Weingärtner auf den Punkt. Der Hessische Fußballverband will zunächst weiterspielen. Doch es wird eine einheitliche Lösung seitens der Gesundheitsämter brauchen. Denn es wird nicht der letzte Coronafall im Amateurfußball bleiben.