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„Hart aber fair“ (ARD): Pharma-Vertreter mit düsterer Impf-Wahrheit – DAS überrascht sogar Frank Plasberg

Schnelle Entspannung bei der Impfstoff-Beschaffung? Ein Pharma-Vertreter macht diese Hoffnung bei „Hart aber fair“ zunichte.
Schnelle Entspannung bei der Impfstoff-Beschaffung? Ein Pharma-Vertreter macht diese Hoffnung bei „Hart aber fair“ zunichte.
Foto: ARD

Am Montag traten die Bundesregierung, die Länder und die Impfstoff-Hersteller in einer Digitalkonferenz zusammen. Es herrschte Krisenstimmung: Das Impfen läuft weiter im Schneckentempo. Politik und die Hersteller schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe, Verantwortung will keiner übernehmen.

Moderator Frank Plasberg stellte bei „Hart aber fair“ deswegen die Frage: „Zu wenig, zu kompliziert: Scheitert Deutschland am Impfen?“ Zugeschaltet zu der Runde war dabei Pharma-Vertreter Han Steutel. Der tischte Frank Plasberg und seinen Gästen bei „Hart aber fair“ einen Zeitplan auf, auf welchen sogar der erfahrenen Moderator nur erschrocken mit einem Ausruf reagieren konnte.

„Hart aber fair“: Kritik am Impfstart

Der Impfstart verläuft in Deutschland mehr als schleppend. Als politischer Vertreter in der Runde bei „Hart aber fair“ war NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Er verstehe die Wut über den schlechten Impfstart, verteidigte jedoch die Impf-Reihenfolge. Wenn jeder zweite, der mit oder an Corona gestorben sei, aus Heimen komme, sei es der richtige Schritt, diese Gruppe zuerst zu impfen.

Die Gäste diskutieren, was genau schiefgelaufen ist und was man hätte besser machen können. Dabei werden allerdings keine Argumente vorgetragen, die man nicht ohnehin schon in den vergangen Wochen mehr als einmal gehört hat: Neidvolle Blicke nach Israel, Kritik an den Herstellern und der Kaufstrategie der EU.

Müntefering: „Wen man das so in den Sand setzen kann, ist mir schleierhaft“

Für Schmunzeln sorgt lediglich noch das eingeblendete Zitat des CDU-Landrats aus dem Kreis Heinsberg, Stephan Pusch, der über die EU sagte: „Das hätte jeder Landwirt im Kreis Heinsberg besser verhandelt.“

Die Gäste bei „Hart aber fair“ am Montagabend:

  • Karl-Josef Laumann (CDU), NRW-Gesundheitsminister
  • Dr. Eckart von Hirschhausen, Mediziner und Moderator
  • Franz Müntefering, ehemaliger SPD-Vorsitzender
  • Dr. Lisa Federle, Pandemiebeauftragte in Tübingen
  • Anette Dowideit, Journalistin
  • Han Steutel, Präsident des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen

Auch der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering zeigte sich bei „Hart aber fair“ vom Impfstart enttäuscht. Das Impfen sei eine „große Chance“. „Wie man das so in den Sand setzen kann, ist mir völlig schleierhaft. Dass man verkündet, es geht jetzt los, anschließend ist das Zeug aber nicht da“, so Franz Müntefering.

Pharma-Vertreter mit düsterer Impf-Aussicht

Han Steutel, zugeschaltet aus Berlin, verteidigte die Lieferpläne und den Fahrplan der Pharma-Hersteller. Als Präsident des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen wäre eine andere Antwort wohl auch nicht zu erwarten gewesen. Er sei „sehr guter Dinge“, dass in den nächsten Wochen mehr produziert werde. Doch dann offenbarte er eine bittere Impf-Wahrheit.

Erst Ende des zweiten Quartal könne man jedoch davon ausgehen, „sehr gut bevorratet“ zu sein. Frank Plasberg ruft entsetzt: „Das ist Juni!“ Steutel nickt leicht und wiederholt: „Das ist Juni.“ Bis zum Sommer ist also nicht damit zu rechnen, dass das Impf-Tempo drastisch anzieht.

Die Kritik an den Impf-Herstellern war damit aber natürlich nicht vom Tisch. Was Eckart von Hirschhausen besonders störte: „Einerseits hat die Bundesregierung die Forschung mit vielen, vielen Millionen gefördert. Das heißt: Die Forschung wäre nicht schnell gewesen, ohne öffentliche Unterstützung. Aber die Gewinne werden wieder privatisiert.“

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„Hart aber Fair“:

  • Der wöchentliche Polit-Talk läuft seit 2001 im Fernsehen
  • Zuerst wurde „Hart aber Fair“ im WDR ausgestrahlt
  • Seit 2007 läuft die Sendung in der ARD
  • Von Beginn an ist Frank Plasberg der Moderator von „Hart aber fair“

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Laumann schiebt DIESER Impf-Hoffnung Riegel vor: „Wird es nicht geben“

Bis es mehr Impfstoff gebe, werde es laut NRW-Gesundheitsminister Laumann auch vorerst nicht möglich sein, sich den Impfstoff selbst auszusuchen. Sollte einmal genügend Impfstoff vorliegen, sei das durchaus denkbar. Zum aktuellen Zeitpunkt „wird es [eine Wahlmöglichkeit] nicht geben.“

Wer sich seinen Impfstoff selbst aussuchen will, müsse entsprechend warten. Ob das auch den Impfstoff von Hersteller Astrazeneca betreffe, will Moderator Frank Plasberg von Laumann wissen. Schließlich hätten viele Menschen Bedenken, da die Wirksamkeit bei unter 65-Jährigen verglichen mit anderen Herstellern deutlich geringer ist. Laumanns Antwort ist eindeutig.

Die Bundesimpfverordnung sehe vor, dass alle unter 65 mit dem Astrazeneca geimpft werden können. Deswegen sei die Sache „für die Länder ziemlich klar, wie wir das machen werden“, so Laumann. Im Klartext: Wer bis zum Sommer als unter 65-Jähriger einen frühen Impftermin bekommen will, kann sich ein Mitspracherecht beim Impfstoff wohl abschminken. Die Tübinger Ärztin Lisa Federle warb dennoch für das Impfen und warf ein, sie würde „lieber einen Impfstoff der 60 bis 70 Prozent“ wirkt erhalten als garkeinen.

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Als Laumann DAS sagt, platzt einer Ärztin der Kragen

Wenig später platzt ihr bei einem anderen Thema jedoch der Kragen. Als es um den Transport von pflegebedürftigen Senioren zu den Impfzentren geht, und Laumann über die Finanzierung einer Krankenwagenfahrt durch die Krankenkassen spricht, kann sie nicht mehr an sich halten.

„Das ist eine Katastrophe. Jetzt mal ernsthaft“, fällt sie dem Minister ins Wort. Als Präsidentin des Deutschen-Roten-Kreuzes in Tübingen habe man schon „seit Jahren Probleme“, zu einem konkreten Zeitpunkt Senioren für Untersuchungen zur entsprechenden Stelle zu fahren. Bei Corona komme dann noch die aufwendige Desinfektion der Fahrzeuge dazu. „Das ist eine Entscheidung, bei der wir nicht gefragt wurden. Krankenwagen dafür einzusetzen, das finde ich wirklich problematisch.“ (dav)

Die komplette Folge „Hart aber fair“ vom Montag kannst du hier in der ARD-Mediathek schauen.