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Hart aber fair (ARD): EU-Insider rechnet mit von der Leyen ab – „Glaubt ihr kein Mensch“

EU-Experte Rolf-Dieter Krause rechnete bei Hart aber fair (ARD) mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ab.
EU-Experte Rolf-Dieter Krause rechnete bei Hart aber fair (ARD) mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ab.
Foto: IMAGO / Hans Lucas

Moderator Frank Plasberg diskutiert bei Hart aber fair (ARD) über den Impf-Deal der EU. „Taugt Europa als Krisen-Manager?“, will der ARD-Mann von seinen Gästen wissen.

Ein EU-Experte rechnet dann bei Hart aber fair mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ab.

Hart aber fair (ARD) diskutiert über Corona-Impfungen: „Es gibt überhaupt keinen Grund, die Briten zu beneiden“

Ob die EU die Corona-Krise bewältigen kann, ist das Hauptthema der Sendung – der Nebenschauplatz ist der Vergleich mit Großbritannien. Frank Plasberg lässt zu Beginn der Debatte einen Einspielfilm laufen, der die Zahlen verdeutlicht.

Aktuell haben etwa 18 Prozent der Briten eine Erstimpfung gegen Covid-19 erhalten (12 Millionen Dosen). In Deutschland sind es nur 2,3 Millionen (2,8 Prozent der Bevölkerung), in der EU insgesamt nur 2,7 Prozent. Was das Infofilmchen nicht zeigt: In Deutschland haben fast eine Millionen Bürger schon die zweite Impfdosis erhalte, in Großbritannien nur etwa 500.000.

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Die Gäste bei „Hart aber fair“ (ARD) am 8. Februar 2021:

  • Daniel Caspary: Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe (EVP) im Europaparlament
  • Rolf-Dieter Krause: Ehemaliger Leiter des ARD-Studios Brüssel
  • Gisela Stuart: Mitglied im House of Lords, Brexit-Befürworterin
  • Stephan Pusch: CDU-Landrat im Kreis Heinsberg
  • Linn Selle: Präsidentin der "Europäischen Bewegung Deutschlands"
  • Jan Fleischhauer: Kolumnist beim "Focus"

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Hart aber fair (ARD): Läuft in Großbritannien gar nicht alles besser beim Impfen?

Genau darauf macht EU-Parlamentarier Daniel Caspary (CDU) aufmerksam: „Es gibt in GB in aller Regel keine zweite Impfdosis, weil da das Corona-Management vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist“. Auf den britischen Inseln erlebe man angesichts der hohen Todeszahlen und der sich ausbreitenden Mutationen „Panik“.

Er scheut jedenfalls nicht den Vergleich zwischen der EU und Großbritannien beim Impfen: „Es hilft doch überhaupt nichts, wenn eine Insel durchgeimpft ist, aber die Briten damit nichts machen können, weil sie nicht reisen können und wir die Mutationen haben.“

Auch EU-Experte Rolf-Dieter Krause, der für die ARD jahrelang aus Brüssel berichtete, sieht Großbritannien nicht als Vorbild. Der nationale Gesundheitsdienst der Briten sei „seit Jahren schon eine Katastrophe“ und es gebe „überhaupt keinen Grund, die Briten zu beneiden“. Sogar regelrecht Mitleid kommt von der Europa-Anhängerin Linn Selle für das ehemalige EU-Mitglied: „Ich bin ehrlich gesagt froh über jede Dose, die in England verimpft wird.“ Denn: „Das Gesundheitssystem bricht zusammen, die Mutation greift um sich.“ Deshalb sei es zu begrüßen, wenn Großbritannien schneller vorankomme.

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Abrechnung mit Ursula von der Leyen bei Hart aber fair (ARD)

Später rechnet EU-Insider Krause mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und den Beamtenapparat der EU ab. Die Europäische Union sei für solche Krisen überhaupt nicht gemacht, meint der ehemalige ARD-Mann Krause. Sie sei überfordert, weil sie bisher keine Kompetenzen in der Gesundheitspolitik hatte. „Das führt dazu, wenn die Kommissare ihre Ressorts zugeteilt bekommen, dann wird nicht gerade ein politisches Schwergewicht Gesundheitskommissar, sondern jemand, den man auch noch unterbringen muss. Meistens aus einem kleineren Land, in diesem Fall eine Zyperin.“ Gemeint ist Stella Kyriakides, die aber zudem bei der Impfstoff-Verhandlung übergangen worden sei.

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5 Fakten über „Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg:

  • Nach 17 Semestern brach Plasberg sein Studium der Theaterwissenschaft, Politik und Pädagogik ab.
  • In erster Ehe war Frank Plasberg mit der ehemaligen WDR-Lokalzeit-Moderatorin Angela Maas verheiratet.
  • Nun ist er erneut mit einer ehemaligen TV-Moderatorin verheiratet: Anne Gesthuyen (früher ARD-Morgenmagazin).
  • Im Kinofilm „Er ist wieder da“ spielte Plasberg sich selbst.
  • Im Jahr 2013 erhielt er den Preis des „Sprachwahrers des Jahres“ von der Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt“.

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Krause: „Was macht Frau von der Leyen als Erstes? Sie schiebt ihre zuständige Kommissarin an die Seite.“ Stattdessen habe sie eine andere Verhandlungsführerin losgeschickt, die von der Pharmaindustrie keine Ahnung hat. Als es schlechte Nachrichten zu verkünden gab, musste dann die Kommissarin Kyriakides doch wieder vor die Presse, „weil Frau von der Leyen sich ihre Auftritte reserviert für die guten Botschaften“. Diese Art der Kommunikation glaube ihr kein Mensch.

Der ehemalige TV-Journalist arbeitet sich ab am Führungsstil von Ursula von der Leyen: „Sie arbeitet mit einem sehr kleinen Küchenkabinett, sie bezieht andere nicht ein.“ Wenn man sich in Brüssel umhöre, dann merke man, dass sich die Macht in der EU-Kommission längst verschoben habe zum französischen Kommissar Thierry Breton. Er sei momentan der Meinungsführer in dem Gremium, nicht von der Leyen. Die Deutsche gebe „kein gutes Bild“, den Schaden habe Europa.

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Hart aber fair (ARD): Darum hätten besser die Belgier für die EU verhandelt

Was der EU-Insider anders gemacht hätte? Aus Sicht von Krause sei die EU-Bürokratie nicht für solche Krisen geschaffen, weil jeder Mitgliedsstaat mitreden will und die Diskussionen sich hinziehen. Auch hat er kein Verständnis dafür, dass beim Aushandeln der Verträge nicht die Produktionskapazitäten der Impfstoffhersteller bedacht wurden. Er hätte deshalb auf dynamische Verträge gesetzt. Hätten die Pharmakonzerne schneller und mehr Impfstoff zu bestimmten Stichtagen produziert, hätte es dann mehr Geld gegeben, wenn weniger produziert worden wäre, entsprechende Abzüge.

Eine „Koalition der Willigen“ hätte vorangehen sollen in den Verhandlungen, andere Staaten hätten sich dem anschließen können, auch kleine Staaten wie Luxemburg, damit sie nicht außen vor bleiben. Halb scherzhaft sagt Krause, dass er die Belgier zu den Verhandlungen geschickt hätte, denn das Land habe im Vergleich zu Deutschland weitaus billigere Medikamentenpreise und könne taff mit der Pharmaindustrie verhandeln.