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Bundestagswahl: Putsch in der Union? Das droht Armin Laschet um 18.01 Uhr!

Jamaika, Ampel, Kenia: Das steckt hinter den Bezeichnungen möglicher Koalitionen

Jamaika, Ampel, Kenia: Das steckt hinter den Bezeichnungen möglicher Koalitionen

Nicht nur zur Bundestagswahl am 26. September wird es spannend. Auch nach der Wahl wird es viele offene Fragen geben. Denn: es geht für die Parteien in die Koalitionsverhandlungen. Wer regiert mit wem? Welche Bündnisse wird es geben? Jamaika, Ampel oder Kenia? Was steckt hinter diesen Bezeichnungen? Wir erklären es dir.

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Der Countdown zur Bundestagswahl 2021 läuft: Am 26. September um 18 Uhr gibt es die ersten Prognosen bei ARD und ZDF zum Wahlausgang.

Bis dahin halten wir dich mit diesem Bundestagswahl-News-Blog auf dem Laufenden, was im Wahlkampf-Finale rund um Olaf Scholz, Armin Laschet und Annalena Baerbock passiert.

News-Blog zur Bundestagswahl 2021

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Samstag, 25. September

20.40 Uhr: Putsch in der Union? Das droht Armin Laschet um 18.01 Uhr!

In jeder Umfrage der vergangenen Wochen lag die Union hinter der SPD. Zwar konnte sie den Abstand zuletzt etwas verringern – doch was passiert mit Armin Laschet, sollten CDU/CSU die Wahl tatsächlich verlieren? Die „Bild“-Zeitung nennt für diesen Fall zwei mögliche Szenarien.

Im Fall einer knappen Wahlniederlage, die noch eine Chance auf Jamaika aufrecht erhält, obwohl die CDU/CSU nicht stärkste Fraktion geworden ist, könnte sich die Union zunächst hinter Laschet versammeln und sich sozusagen zusammenreißen. Laut „Bild“-Zeitung betont das Lager der Laschet-Unterstützer, dass man ihn in so einer Lage nicht schwächen dürfe.

Im Fall einer deutlichen Wahlniederlage, dürfe es dagegen extrem stürmisch werden für Armin Laschet und die gesamte Union. Ein Insider prophezeit gegenüber der „Bild“-Zeitung: „Wenn das passiert, bleibt kein Stein auf dem anderen in der Union“.

+++ Umfragen zur Bundestagswahl: Letzte Zahlen im Überblick! Geht der SPD die Puste aus? +++

Es könnte gegenseitige Schuldvorwürfe zwischen CDU und Söders CSU geben – und einen offenen Machtkampf um die Führung der Fraktion. Denkbar wäre, dass Friedrich Merz und Jens Spahn gegeneinander antreten.

Politik-Professor Karl-Rudolf Korte hält für den Fall einer Wahlpleite auch einen Putsch gegen den CDU-Chef Laschet für möglich: „Ich schließe nicht grundsätzlich aus, dass bei einem sehr schlechten Resultat auch Putsch-Atmosphäre aufkommt“, sagte er der „Welt am Sonntag“.

Für Armin Laschet könnte die politische Karriere am Sonntagabend um 18.01 Uhr dem Ende entgegen gehen. Er hatte betont, dass es für ihn keine Rückkehr nach Düsseldorf geben wird.

15:00 Uhr: Politik-Professor erschreckt mit Wahl-O-Mat-Analyse

Eine Wahl-O-Mat-Auswertung macht klar, wie schwierig die kommende Koalitionsbildung werden wird. Politik-Professor Christian Strecker von der TU Darmstadt hat sich die Mühe gemacht, die Antworten der Parteien genau auszuwerten. Sein Ergebnis ist eindeutig und starker Tobak für Armin Laschet und Olaf Scholz!

In 25 von 36 Fragen gaben SPD, Grüne und Linkspartei für den Wahl-O-Mat eine identische Antwort ab. In mehr als Zweidrittel der Positionen liegen diese drei Parteien somit auf einer Linie. Kein anderes Bündnis kommt nur annähernd auf so viele Gemeinsamkeiten!

Auf Positionen zwei käme eine Neuauflage der Großen Koalition. Union und SPD haben 15 identische Antworten. Eine Ampel mit SPD, Grünen und FDP nur mickrige 9 geteilte Positionen.

Noch schlimmer das Ergebnis für ein Jamaika-Bündnis: Nur in 5 von 36 Wahl-O-Mat-Fragen teilen CDU/CSU, Grüne und FDP identische Positionen. Weniger Gemeinsamkeiten hat keine andere mögliche Koalition. Da bleibt die Frage, wie Armin Laschet als möglicher Bundeskanzler einer Jamaika-Koalition hier zu einem Nenner kommen will.

Doch auch für Olaf Scholz ist das Ergebnis bitter. Der SPD-Kanzlerkandidat dürfte eine Ampel-Koalition mit Christian Lindner einem RGR-Bündnis mit den Linken deutlich den Vorzug geben. Doch die Wahl-O-Mat-Gemeinsamkeiten sprechen zweifelsfrei eher für ein solches Linksbündnis.

So oder so: Deutschland stehen offenbar harte und möglicherweise auch lange Koalitionsverhandlungen bevor, wenn sich drei Partner auf gemeinsame Positionen verständigen sollen.

11.40 Uhr: Peinliche ARD-Panne - Hochrechnung schon eingeblendet

Am Freitag leistete sich die ARD eine peinliche Panne. Während der Quiz-Sendung "Gefragt, Gejagt" blendete das Erste für wenige Sekunden ein Laufband mit einer fiktiven Bundestagswahl-Hochrechnung ein, so wie es normalerweise nach 18 Uhr an Wahlsonntagen gezeigt wird.

Die Zuschauer zeigten sich natürlich ziemlich irritiert und fragten sich, ob das ein ARD-Test für Sonntag war. Und tatsächlich, wenig später teilte der Sender mit, dass es sich um eine technische Panne handelte.: „Es war ein Test, der versehentlich on air ging. Wir bitten das zu entschuldigen“, teilte der Sender auf Twitter mit.

+++ Bundestagswahl: Vettel, Weidenfeller, und Roland Kaiser – Stars verraten, wen sie wählen werden +++

Natürlich lassen einige hartgesottene Verschwörungstheoretiker mit AfD-Nähe diese einleuchtende Erklärung nicht gelten. Sie wittern Wahlbetrug, die Zahlen würden längst feststehen.

Andere empfehlen den Verschwörungstheoretikern stattdessen doch einfach als Wahlhelfer oder Wahlbeobachter mitzuwirken und sich selbst ein Bild von den sauberen Abläufen zu machen.

11.20 Uhr: Briefwahl-Trend in NRW zeichnet sich deutlich ab

Kurz vor der Bundestagswahl haben viele Wähler in NRW ihr Kreuz bereits gemacht. Der Anteil der Briefwähler liegt auf Rekordniveau - und stellt die Städte vor Herausforderungen.

Mehrere große NRW-Städte berichten auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur von einer deutlich gestiegenen Nachfrage im Vergleich zu bisherigen Wahlen. In einigen Städten haben mehr als 40 Prozent aller Wahlberechtigten die erforderlichen Unterlagen beantragt.

„Die Zahlen sind bereits jetzt Rekord“, teilte ein Sprecher der Stadt Köln mit. Die Wahlleiterin gehe insgesamt von einem Briefwahlanteil von bis zu 60 Prozent aus. In der Domstadt hatten sich demnach wenige Tage vor der Wahl mehr als 47 Prozent der Wahlberechtigten für die Briefwahl entschieden, das entspricht rund 346 400 Anträgen. Rund 85 Prozent der Unterlagen seien bereits zurückgeschickt worden.

Freitag, 24. September

17.32 Uhr: Umfrage-Beben! Holt Laschet Scholz ein?

Wer macht das Rennen um das Kanzleramt? Zwei Tage vor der Bundestagswahl deutet alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Olaf Scholz und Armin Laschet hin. Zuletzt sah der SPD-Kanzlerkandidat wie der sichere Sieger aus.

Doch einer neuen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach verlieren die Sozialdemokraten wieder an Boden. Geht da also doch noch was für Armin Laschet?

Die Ergebnisse der am Freitag veröffentlichten Erhebung im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“:

  • SPD: 26 Prozent
  • Union: 25 Prozent
  • Grüne: 16 Prozent
  • FDP: 10.5 Prozent
  • AfD: 11 Prozent
  • Linke: 5 Prozent

16.27 Uhr: Neue Forsa-Umfrage – nur eine Partei legt zu

Im Schlussspurt vor der Bundestagswahl hat nur eine Partei laut einer Forsa-Umfrage zugelegt: Die FDP gewinnt einen Prozentpunkt dazu, während die AfD einen Prozentpunkt verliert. Das sind die Ergebnisse des am Freitag veröffentlichten RTL/ntv-Trendbarometers:

  • SPD: 25 Prozent
  • Union: 22 Prozent
  • Grüne: 17 Prozent
  • FDP: 12 Prozent
  • AfD: 10 Prozent
  • Linke: 6 Prozent

Bei der Kanzlerpräferenz fallen SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) jeweils um einen Prozentpunkt im Vergleich zum Trendbarometer vom Wochenbeginn. Scholz läge demnach bei einer Direktwahl des Regierungschefs mit nun 28 Prozent weiterhin deutlich vor Laschet mit 13 Prozent. Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, kommt unverändert auf 16 Prozent.

13.37 Uhr: Überraschender Besuch beim Klimastreik in Köln

Unter die Demonstranten beim Klimastreik mischen sich in Deutschland zahlreiche Prominente - darunter Greta Thunberg in Berlin oder Jan Delay in Hamburg. Mit diesem Überraschungsbesuch in Köln hat aber vorher kaum einer gerechnet >>>

09.42 Uhr: Kritik am Klimastreik vor Bundestagswahl

Am Freitag hat „Fridays for Future“ zu einem weltweiten Klimastreik aufgerufen. Allein in Deutschland sind mehr als 450 Aktionen angemeldet. Initiatorin Greta Thunberg ist zwei Tage vor der Bundestagswahl zu Gast in Berlin, um gemeinsam mit der deutschen Aktivistin Luisa Neubauer auf die Straße zu gehen.

Die Klima-Bewegung hat zahlreiche Befürworter von Experten aus der Wissenschaft. Vom Deutschen Lehrerverband hagelte es allerdings Kritik: „Wir lehnen es ab, dass die Schulpflicht zugunsten politischer Aktionen - etwa im Rahmen eines sogenannten Klimastreiks - aufgehoben wird“, sagte Präsident Heinz-Peter Meidinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Er begründete dies mit der Gefährdung der notwendigen politischen Neutralität des Staates, der für den Schulbetrieb verantwortlich sei. „Es stellt sich ansonsten die Frage, für welche politischen Aktionen man schulfrei bekommen würde und für welche nicht. Darf man dann auch bei einer Demo gegen den Welthunger, für den Frieden in der Welt, für die Befreiung Palästinas oder gegen "Überfremdung" schulfrei nehmen?“, so Meidinger. „Die Schule darf nicht zwischen "guten" erlaubten und "schlechten" unerlaubten Aktionen unterscheiden.“

„Jetzt für einen Streik den Unterricht zu schwänzen, ist nicht angemessen“, sagte Meidinger den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Schüler, die eine Klassenarbeit oder eine Klausur versäumten, riskierten eine Sechs.

Donnerstag, 23. September

15.39 Uhr: Angela Merkel hat sich auf Wochenmarkt in Greifswald verabschiedet

Für einen Überraschungsbesuch ist die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag nach Greifswald gekommen. „Ich wollte nochmal Arrivederci sagen“, sagte sie auf dem Wochenmarkt zu einer Blumenverkäuferin.

Zuvor war die Regierungschefin zusammen mit ihrem Nachfolger als CDU-Direktkandidat für den Bundestag, Georg Günther, und dem CDU-Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, Michael Sack, durch die Fußgängerzone gegangen und hatte Geschäfte besucht. Sie wurde umringt von überraschten Passanten und verharrte immer wieder für Selfies.

Merkel nutzte die Gelegenheit, die Menschen auf ihren Nachfolger Günther hinzuweisen. Sie kandidiert bei den Wahlen am Sonntag nicht mehr für den Bundestag. Seit 1990 hatte sie stets das Direktmandat in ihrem Wahlkreis im Nordosten gewonnen.

Parallel zur Bundestagswahl wählt Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag einen neuen Landtag. Nach letzten Umfragen liegt die CDU in MV deutlich hinter der SPD und auch hinter der AfD auf dem dritten Platz. Auch bundesweit rangiert die Union derzeit laut Umfragen auf Platz zwei hinter der SPD.

11.10 Uhr: Diese Koalitionen sind möglich nach der Bundestagswahl

Die Wählerinnen und Wähler müssen bei dieser Bundestagswahl mit besonders großer Ungewissheit leben. Zu welcher Regierung sie mit ihrer Stimme beitragen, ist völlig offen. Die Zahl realistischer oder möglicher Koalitionen ist groß. Klar scheint die Sache für Anhänger von Olaf Scholz oder Armin Laschet - jede Stimme für SPD oder Union bringt den eigenen Kandidaten näher ans Kanzleramt. Für die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock hingegen scheint das Kanzleramt gemessen an den Umfragen kaum noch erreichbar.

Doch in welchem Bündnis könnten Scholz oder Laschet regieren? Und wie sicher können die Wählerinnen und Wähler von Grünen oder FDP sein, dass ihre präferierten Parteien eine bestimmte Koalition eingehen? Eine Übersicht über die möglichen Bündnisse zeigt die greifbaren Szenarien:

Ampel:

Wenn die SPD stärkste Kraft wird, wird Scholz das Kanzleramt beanspruchen und mit den Grünen koalieren wollen. SPD und Grüne sind sich erklärtermaßen jeweils die liebsten Partner. Wenn es für Rot-Grün nicht reicht, wird Scholz ein Dreierbündnis mit Christian Lindners FDP schmieden wollen. Doch Lindner zieht klar Laschets Union als möglichen Regierungspartner vor. Die Vorfreude auf ein mögliches Bündnis mit den als Verbotspartei geltenden Grünen und der SPD hält sich bei vielen Freidemokraten in engen Grenzen.

Auffällig ist deshalb Scholz' Charmeoffensive der vergangenen Wochen: So schlug sich der SPD-Mann beim Knackpunkt Finanzen auf die Seite der FDP und erteilte einer Reform der Schuldenbremse, wie die Grünen sie wollen, eine Absage. Demonstrativ zeigte Scholz auch Verständnis für den spektakulären Schritt der FDP 2017, als Lindner die damaligen Jamaikaverhandlungen platzen ließ. Union und Grüne - so Scholz - hätten damals zu zweit verhandelt und die FDP dann vor vollendete Tatsachen gestellt. SPD-Vize Kevin Kühnert kritisierte Lindner kurz vor der Wahl in einem Interview hingegen als „Luftikus“. Ein Vorbild für eine Ampel gibt es: Rheinland-Pfalz.

Jamaika:

Eine Regierung aus Union, Grünen und FDP in Jamaikas Flaggenfarben dürfte für Laschet die wahrscheinlichste Chance bieten, das Kanzleramt nach 16 Jahren Angela Merkel zu verteidigen. Gelingt es der Union, am Ende wenn auch knapp vor der SPD zu liegen, würde Laschet daraus voraussichtlich einen Regierungsauftrag ableiten und versuchen, mit Grünen und FDP zu sondieren. Laschet setzt darauf, dass Lindner und die meisten Anhänger der Liberalen lieber mit der Union als mit der SPD regieren würden. Als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen führt der CDU-Chef bereits eine Koalition mit der FDP - obwohl diese nur eine Ein-Stimmen-Mehrheit hat.

Auch bei den Grünen hat Schwarz-Grün-Gelb Befürworter. Dieses Bündnis würde Brücken schlagen zwischen gesellschaftlichen Lagern, heißt es. Ein harter Knochen wäre aus Grünen-Sicht hier aber die Haushalts- und Finanzpolitik. Hinzu kommt: Jamaika wäre mit CDU und CSU de facto ein Viererbündnis - und wer weiß schon, in welcher Verfassung die beiden Schwesterparteien sich an den Verhandlungstisch setzen, wenn sie ein historisch schlechtes Ergebnis einfahren würden? Ausgeschlossen ist auch nicht, dass Laschet als knapp Zweitplatzierter Jamaika versuchen würde.

Rot-Grün-Rot:

Scholz könnte im Fall eines Sieges bei zu heftiger liberaler Ampelskepsis auch auf das Bündnis ausweichen wollen, vor dem die Union seit Wochen so lauthals warnt. Schnittmengen gäbe es in dieser Konstellation reichlich - etwa in sozialen Fragen. Die Jusos fordern, Rot-Grün-Rot auf jeden Fall auszuloten. Es bleiben aber weitreichende Differenzen in der Außenpolitik, wo die Linke zum Beispiel ein Ende aller Auslandseinsätze und eine Auflösung der Nato fordert. Dass die Linksfraktion vor Kurzem nicht einmal dem Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Kabul zustimmte, ist kein ermutigendes Signal.

Scholz betonte zuletzt gebetsmühlenartig, dass ohne Bekenntnis zur Nato und anderem keine Regierung denkbar sei. Bei den Linken gibt man sich regierungswillig, zeigt sich kompromissbereit und bereitet mögliche Sondierungen intern vor. Doch selbst wenn die Linkspartei von für die Partner problematischen Forderungen abrücken würde: Nicht nur bei den Grünen fürchten viele, ein solches Bündnis könnte die Gesellschaft spalten und Union und FDP in eine andauernde Blockadehaltung treiben.

Andere Varianten:

So neu eine Ampel, Jamaika oder Rot-Rot-Grün im Bund mit SPD oder CDU als Kanzlerpartei wären - die Parteien könnten möglicherweise noch gewöhnungsbedürftigere Schritte gehen. So ist denkbar, dass Laschet oder Scholz auch dann eine Koalition zu schmieden versuchen, wenn sie nicht den ersten Platz belegen - vor allem dann, wenn der Unterschied klein bleibt.

Nicht ausgeschlossen sind zudem anderen Bündnisse - etwa eine sogenannte Deutschland-Koalition. So ein Regierungsbündnis von CDU/CSU, SPD und FDP könnte etwa zum Zug kommen, wenn Jamaika an den Grünen scheitert. Sie gilt aber als sehr unwahrscheinlich, da die SPD nicht mehr mit der Union koalieren möchte. Das gilt ebenso für eine Neuauflage von Rot und Schwarz zusammen. Auch ein Bündnis aus Union, SPD und Grünen in den Farben Kenias gilt als denkbar, aber unwahrscheinlich. Ins Spiel kommen könnte Kenia bei schwierigen Verhandlungen mit der FDP über eine Ampel. Von den Umfragen her nicht greifbar scheinen schließlich Schwarz-Grün oder eben Rot-Grün - inhaltlich wären die Varianten hingegen denkbar bis naheliegend.

Mittwoch, 22. September

22.30 Uhr: Neue Prognosen zum Wahlausgang liegen weit auseinander – „SPD scheint Puste auszugehen“

Wer macht das Rennen in den Wahlkreisen, also bei den Erststimmen? Es gibt zwei neue Prognosen, die aber ziemlich weit auseinanderliegen. In der einen sieht es für die SPD blendend aus, aber in der anderen bedrohlich!

So geht das Meinungsforschungsinstitut INSA in einer aktuellen Prognose davon aus, dass die SPD in den Wahlkreisen einen Erdrutschsieg erwarten kann. Demnach soll sie 182 Direktmandate holen. Das wären satte 123 mehr als bei der Bundestagswahl 2017. Fast ganz Nord- und Mitteldeutschland wäre demnach am Sonntag rot, dazu weite Teile von NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Die Union würde nur noch auf 90 kommen – und das obwohl die CSU fast in ganz Bayern siegreich wäre! Damit würden CDU/CSU krasse 141 Direktmandate verlieren.

Für die AfD werden 14 Wahlkreissiege in Sachsen und Thüringen vorausgesagt (+11 im Vergleich zu 2017), die Grünen hätten die Chance auf 11 Direktmandate (+10), die Linke würde nur noch zwei gewinnen (-3).

Einen deutlich anderen Trend sieht dagegen wahlkreisprognose.de. Laut dieser ebenfalls aktuellen Prognose, die am Dienstag veröffentlicht wurde, würde die SPD lediglich 141 Wahlkreis-Mehrheiten erringen, die Union aber 139. Also fast Gleichstand!

Dieses Institut erkennt einen positiven Trend für CDU/CSU. Die Union hätte zuletzt wieder deutlich zugelegt, der SPD scheine „auf den letzten Metern die Puste auszugehen“.

Ebenfalls spannend: wahlkreisprognose.de erwartet auch für die AfD weitaus weniger Erfolge als INSA, nämlich nur vier Direktmandate, ebenso wie für die Linke. Die Grünen kommen wie bei INSA auch auf 11.

12.53 Uhr: Trendbarometer mit eindeutigem Ergebnis – Mehrheit der Deutschen glaubt an Scholz-Sieg

Diese Umfrage dürfte der Union gar nicht schmecken: Laut einer Umfrage von RTL/n-tv erwarten 66 Prozent aller Befragten einen Wahlsieg der SPD bei der Bundestagswahl am 26. September – unabhängig von ihrer eigenen Wahlentscheidung. Dass die Union die meisten Stimmen einfährt, glauben laut dem Trendbarometer nur 18 Prozent der Befragten, bei denen Grünen sind es vier Prozent, bei anderen Parteien nur zwei Prozent.

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91 Prozent der SPD-Anhänger und 84 Prozent der Grünen-Anhänger sind außerdem von einem SPD-Wahlsieg überzeugt, an einen Wahlsieg der Union glauben 44 Prozent der CDU/CSU-Anhänger, 41 Prozent der FDP-Wähler und 30 Prozent der AfD-Wähler.

Dass Olaf Scholz der nächste Bundeskanzler wird, glauben 67 Prozent der Befragten der Umfrage – nur 16 Prozent stimmten für Armin Laschet. Annalena Baerbock schneidet noch schlechter ab, nur zwei Prozent schätzen, dass sie die erste grüne Kanzlerin wird.

Die Umfrage wurde im Auftrag von RTL von forsa erhoben, 1001 Menschen wurden zwischen dem 17. und 20. September befragt.

Dienstag, 21. September

15.20 Uhr: Armin Laschet pirscht sich in neuer Umfrage an Olaf Scholz heran

Ein zweites Meinungsforschungsinstitut bestätigt nun den Trend: Armin Laschet und die Union können etwas aufholen auf Olaf Scholz und die SPD. Diesmal ist es die Umfrage von Forsa für RTL und ntv, gestern war kam die Befragung von INSA für die „Bild“-Zeitung (siehe unten).

Die gute Nachricht für die Union: Sie kommt nun wieder auf 22 Prozent (+1 im Vergleich zur Vorwoche). Am Tiefpunkt lag sie bei Forsa sogar nur bei 19 Prozent. Somit konnte die Union nun wieder drei Prozentpunkte gutmachen und es wird nochmal spannend vor dem Wahlsonntag! Es zeichnet sich ab, dass es immer mehr zu einer Kanzlerwahl wird: Laschet oder Scholz! Doch es gibt auch eine schlechte Nachricht für CDU/CSU!

Die SPD behauptet nämlich bei Forsa ihre 25 Prozent. Somit hat sich der Abstand zwischen SPD und Union zwar auf drei Prozentpunkte verkürzt, noch bleiben die Sozialdemokraten aber stabil in Führung. Abgesehen davon bleiben 22 Prozent für Unions-Verhältnisse ein desaströses Ergebnis. Das wären rund zehn Prozentpunkte weniger als bei der Bundestagswahl 2017!

Die anderen Parteien in der neuen Forsa-Umfrage: Grüne 17 Prozent, FDP 11 Prozent, AfD 11 Prozent Linke 6 Prozent - alle unverändert.

Montag, 20. September

6.00 Uhr: Scholz als klarer Triell-Sieger

Nur eine Woche vor der Bundestagswahl sind die Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen beim letzten TV-Triell aufeinandergetroffen. Wer dabei die Nase vorn hatte, ist nach einer Blitz-Umfrage unter Zuschauern eindeutig: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz.

+++ Triell auf Sat.1 und ProSieben: Eindeutiger Sieger laut Umfrage! So reagierten die Zuschauer +++

Was bei dem Schlagabtausch bei ProSieben, Sat.1 und Kabeleins besonders auffiel: Scholz und Baerbock standen zusammen, immer wieder wurde Unionskandidat Armin Laschet von Scholz und der Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock in die Zange genommen. Das Liebäugeln mit einer Koalition unter Beteiligung von Rot und Grün war offensichtlich.

Das Ergebnis der noch am Abend veröffentlichen Blitz-Umfrage: 42 Prozent kürten Scholz zum TV-Triell-Sieger, Laschet landete mit 27 Prozent auf Platz zwei. Baerbock von den Grünen brachte es auf 25 Prozent. Im Zentrum der TV-Debatte hatten Mindestlohn, Hartz IV, Klimaschutz, Corona und innere Sicherheit gestanden.

Sonntag, 19. September

14.50 Uhr: Scholz nennt Bedingungen für Koalition

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat einen höheren Mindestlohn und eine Rentengarantie zu Bedingungen für eine vom ihm geführte Koalition erklärt. „Ich verspreche den Bürgern: Der Mindestlohn wird mit mir als Kanzler im nächsten Jahr auf 12 Euro angehoben. Und ich garantiere: Das Rentenniveau bleibt stabil und das Renteneintrittsalter wird nicht weiter steigen“, sagte Scholz der „Bild am Sonntag“. Dies werde eine Bedingung für jede Koalition: „Ohne das wird es nicht gehen! Alle können sich darauf verlassen, dass eine von mir geführte Regierung genau das tut.“

Samstag, 18. September

11.30 Uhr: Kanzlerkandidat Armin Laschet glaubt an Wahlsieg der Union

Trotz schwächelnder Umfragewerte glaubt Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet noch an einen Wahlsieg seiner Partei. „Ich bin davon überzeugt, dass wir als Erster durchs Ziel gehen“, erklärte er in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. „Wir spüren, dass sich etwas verändert. Die Tendenz für die Union steigt nach oben.“

Den Sozialdemokraten, die in den Umfragen vorn liegen, unterstellt der 61-Jährige eine verfrühte Siegesgewissheit. „Die Hybris der SPD, diese Wahl sei schon gewonnen, zerschellt gerade an der Wirklichkeit.“

Vielen Menschen werde erst jetzt bewusst, dass es bei der Bundestagswahl um eine Richtungsentscheidung gehe, sagt Armin Laschet weiter. „Ich will alles tun, damit Rot-Rot-Grün keine Mehrheit findet – darum geht es im Schlussspurt.“ Die Union müsse stärkste Kraft werden, „damit Deutschland einen Kurs der Mitte fährt“, sagte der CDU-Vorsitzende. „Rot-Rot-Grün würde unser Land spalten.“

Freitag, 17. September

18.07 Uhr: Annalena Baerbock kritisiert Hungerstreik der Klimaaktivisten

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat den Hungerstreik von Klima-Aktivisten als „falschen Weg des Dialoges“ kritisiert. In einer Demokratie könne man immer miteinander sprechen, aber nicht im Zusammenhang mit einem Hungerstreik, sagte sie am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Chemnitz. Denn die Aktivisten gefährdeten dabei sich selbst.

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Die Kanzlerkandidaten und Spitzenkandidaten der Parteien zur Bundestagswahl 2021:

  • CDU/CSU: Armin Laschet (Kanzlerkandidat der Union), Alexander Dobrindt (Spitzenkandidat der CSU)
  • SPD: Olaf Scholz (Kanzlerkandidatin)
  • Grüne: Annalena Baerbock (Kanzlerkandidatin), Robert Habeck (Co-Spitzenkandidat)
  • FDP: Christian Lindner (Spitzenkandidat)
  • Janine Wissler und Dietmar Bartsch (Spitzenkandidaten-Duo)
  • AfD: Alice Weidel und Tino Chrupalla (Spitzenkandidaten-Duo)

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Die Grünen-Politikerin appellierte an sie, wieder zu essen. Eine Zuschauerin hatte gefragt, warum sie nicht auf die Gesprächsbitte der Hungerstreikenden eingehe. Sie habe mit ihnen telefoniert und Fragen zur Klimapolitik besprochen, versicherte Baerbock. Auch andere Besucher forderten auf Plakaten: „Sprecht mit den Hungernden!“ Die Klimaaktivisten in Berlin hatten nach eigenen Angaben am
30. August einen unbefristeten Hungerstreik begonnen. Ihr Ziel ist eine öffentliche Diskussion mit den drei Kanzlerkandidaten. (mit dpa/epd)