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Mick Schumacher: Diese Sorge wird Haas-Boss Günther Steiner nicht los – „Werde ich nicht verhindern können“

Mick Schumacher: Wie ihm sein Weg in die Formel 1 gelang

Mick Schumacher: Wie ihm sein Weg in die Formel 1 gelang

Er ist aktuell die größte deutsche Motorsport-Hoffnung: Mick Schumacher. Der Sohn des siebenmaligen Formel 1-Weltmeisters und Ferrari-Legende Michael Schumacher. Mick feiert 2021 sein Debüt in der Formel 1. Doch wie gelang ihm der Sprung in die Königsklasse? Wir blicken für dich auf seine bisherige Karriere.

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Für das Formel 1-Team Haas ist es keine einfache Saison. Das Auto ist schlecht, die zwei Rookies Mick Schumacher und Nikita Mazepin müssen sich erst an das neue Level gewöhnen. Große Erfolge kann der Rennstall dieses Jahr deshalb nicht feiern.

Teamchef Günther Steiner hat im exklusiven Interview mit DERWESTEN über Mick Schumacher, seine Entwicklung, den Zoff mit Nikita Mazepin und die Chancen für 2022 gesprochen.

Mick Schumacher: Haas-Boss Günther Steiner im DERWESTEN-Interview

Als wir Günther Steiner erreichen, ist er gerade zuhause in Charlotte in den USA. Am Mittwoch reist er von dort aus nach Austin zum Großen Preis der USA.

DER WESTEN: Herr Steiner, Mick Schumacher ist in der Türkei sensationell ins Q2 gefahren. Hat er da zum ersten Mal gezeigt, dass er ein zukünftiger Champion ist?

Günther Steiner: Man sollte nicht zu diesen Kurzschlüssen kommen. Dass er gut fahren kann, weiß man. Um Champion zu werden, muss man im richtigen Moment am richtigen Platz sein. Er ist ein sehr guter Fahrer, das hat er das ganze Jahr gezeigt – nicht nur bei diesen speziellen Umständen mit dem Regen. Er hat Nervenstärke, was auch sehr wichtig ist. Es geht nicht nur um den Speed auf der Strecke, sondern auch um das ganze Drumherum, was genau so schwierig ist, wenn nicht sogar schwieriger als das Fahren selbst. Es gibt viele Leute, die das Talent haben, aber nicht diese Komplexität der Formel 1 unter eine Kappe kriegen. Jede kleine Fehlentscheidung, jede Nervosität beeinflusst Rundenzeit.

Mick hat sich sehr gut verhalten – auch die Kommunikation mit dem Team, das hat mir gefallen. Dass er den Speed hat, dass er gut Auto fahren kann, wissen wir ja alle. Wir müssen Geduld haben und schauen, dass wir so viel wie möglich fahren, dass er darüber gar nicht mehr nachdenken muss. Damit er sich dann darauf konzentrieren kann, die letzte Tausendstelsekunde in der Kurve rauszuholen.

Mick Schumacher würde gerne in dieser Saison noch ein paar Punkte holen. Ist das Ihrer Meinung nach möglich?

Sehr schwierig. Ich bin Realist. Wenn nicht etwas ganz Besonderes passiert, ist es unmöglich, weil unser Auto einfach nicht gut genug ist. Man soll nie nie sagen. Es gibt eine Möglichkeit, aber die ist mini-mini-minimal.

Und kann Mick Schumacher beim USA-GP wieder ins Q2 fahren?

Eher nicht. Austin ist eine Strecke, wo du immer viel Power brauchst – die langen Geraden, die schnellen Kurven... Und bei der Power sind wir nicht die Besten. Deswegen glaube ich nicht, dass wir da ins Q2 kommen können. Im Moment sieht es aus, als würde es ein Standard-Wochenende werden – ohne Regen. Wir werden immer probieren da zu sein, wenn etwas Außerordentliches passiert. Man muss immer da sein. Je härter du arbeitest, um so mehr Glück hast du.

Ferrari hat bei seinen Fahrern in den vergangenen Rennen ein Upgrade der Power-Unit installiert. Bekommt Haas das Ferrari-Upgrade auch?

Wir haben ‚Nein‘ zu dem Upgrade gesagt. Das Upgrade ist nicht sehr groß, sehr kostenintensiv und mit dem Leistungszuwachs würde sich unsere Position nicht ändern. Was Ferrari jetzt gemacht hat, werden wir nächstes Jahr sicher übernehmen. Ferrari ist zuversichtlich, dass sie mit dem Motor aufschließen können zu den anderen Herstellern.

Es stehen noch sechs Rennen aus. Der Blick richtet sich langsam auf 2022. Wie weit ist das neue Auto?

Das Auto macht gute Fortschritte. Logischerweise weiß ich nicht, was die Konkurrenz macht. Unsere Entwicklungsstufen sind zufriedenstellend. Wir haben uns Ziele gesetzt, die wir im Moment erreichen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, bis das Auto wirklich steht. Im Moment läuft es nach Plan. Deshalb hoffen wir, dass wir zurückkommen, wo wir hin wollen – ins Mittelfeld. Ich bin vorsichtig zuversichtlich, weil ich Parallelen zu den Jahren 2015 bis 2018 sehe.

Wie groß ist der Druck, 2022 Ergebnisse zu liefern?

Der Druck ist immer groß in der Formel 1. Wir haben gewusst, was dieses Jahr passieren wird. Ich habe keine leeren Versprechungen gemacht. Ich habe vorausgesagt, dass es ein schwieriges Jahr wird – das wusste auch Herr Haas (Anm. d. Red.: Teambesitzer Gene Haas).

Nikita Mazepin sagte in einem Interview über Mick Schumacher, dass er sein bester Freund im Paddock sei. Haben Sie das Gefühl auch?

Schwer zu sagen. Ich weiß ja nicht, wen er sonst noch als Freund hat. Wir hatten ja mehrere Meetings nach den ganzen Umständen, die wir zwischen den Zweien hatten – immer mit beiden. Wie sie miteinander umgehen, ist nach dem Rennen in der Hitze des Gefechts vielleicht nicht immer perfekt. Sie kommen aber immer wieder auf einen akzeptablen Nenner. Solange die zwei Jungs sich respektieren, bin ich zufrieden. Sie müssen nicht die besten Freunde sein. Ich verlange von niemanden, wer sein Freund sein muss. Das wäre auch komplett inkorrekt von mir. Was ich verlange, ist Respekt gegenüber dem Teamkollegen und gegenüber dem Team, denn am Ende ist der Leidtragende immer das ganze Team.

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Haben Sie die Befürchtung, dass es in dieser Saison nochmal zwischen den Teamkollegen krachen könnte – oder ist das Thema aus der Welt geschafft?

Aus der Welt geschafft ist sowas nie. So blauäugig kann man nicht sein. Sie werden sich wieder mal in die Haare kriegen, so was passiert immer mal. Es ist nur eben die Frage, wie oft es passiert – das muss man managen. Beide sind jung, beide wollen Erfolg haben, beide wollen Fortschritte in der Karriere machen. Ich werde Zwischenfälle nicht verhindern können. Im Moment ist es akzeptabel, deswegen hoffe ich mal, dass sich die Sache ein bisschen beruhigt hat und wir für den Rest der Saison nicht so viele Zwischenfälle haben.

Sind Sie mit der Entwicklung der Rookies zufrieden?

Es ist immer ein Rauf und Runter. Manchmal schon, manchmal nicht. Als die ganzen Zwischenfälle waren, war ich nicht sehr happy, weil am Ende schaden sie sich ja selbst und dem Team. Die letzten Rennen waren sehr gut, sie fahren die Rennen gut zu Ende. Die ganzen Sessions sind gut. Wir hatten wenig Unfälle, keiner hat es übertrieben. Ich glaube, sie können jetzt einschätzen, wo das Limit des Autos ist. Rookie in der Formel 1 zu sein ist nicht einfach.

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Glauben Sie das Mick Schumacher irgendwann Weltmeister wird?

Was ich glaube und was es wird, sind zwei verschiedene Sachen. Ich hoffe es. Man muss immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein – das gehört dazu. Sonst geht gar nichts. Im Moment zu sagen: Er wird Weltmeister – wäre verfrüht. Er macht gute Fortschritte, er hat viel Talent – es ist sicher eine Möglichkeit, aber es müssen auch die äußeren Umstände stimmen. Dann kann er es schaffen.

Müsste er dafür im Ferrari fahren?

Oder der Haas müsste so gut sein, um Weltmeister zu werden. (lacht)

Die Karten werden 2022 ja neugemischt.

Das ist ja immer diese große Frage, worauf es keine Antwort draufgibt: Wer ist im richtigen Moment, am richtigen Platz? Das war das selbe mit Jenson Button, als er mit Brawn Weltmeister wurde – wer hätte da gedacht, dass das Auto Weltmeister wird. Aber er war da und hat es geschafft. Alles muss zusammenpassen.

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Zum Abschluss eine Frage für die Fans. In der Netflix-Doku „Drive to survive” sind sie einer der Stars. Dürfen sich die Zuschauer wieder auf einige spannende Szenen freuen?

Da habe ich keinen Einfluss drauf. Die Produktionsfirma, die das macht, ist sehr gut – aber die sagen uns auch nicht, was drin ist. Ich habe keine Ahnung. Da müssen die Fans bis Februar warten, ob sie da wieder mal ein paar Momente sehen werden von mir.

Das Interview führte DER WESTEN-Redakteur Felix Strerath