Wolfenbüttel 

So helfen Ali und Khaledin Flüchtlingen

Region 38. Die Cousins Ali Arabsadeh (14) und Khaledin Arabsadeh (15) sind alleine aus dem Iran geflüchtet. Neben ihrer Hauptbeschäftigung, der Schule, sind sie seit einem halben Jahr zusätzlich als Ehrenamtliche bei der Internetplatform international-marketplace tätig – und das obwohl sie erst seit acht Monaten in Deutschland leben.

Ins Leben gerufen wurde die Website von Besnik Salihi (24) und Kreshnik Keqa (25), die ursprünglich aus dem Kosovo kommen und als Migranten in Deutschland die Probleme kennen, mit denen sich Neuzugewanderte auseinandersetzen müssen. In Zusammenarbeit mit Astrid Hunke, Leiterin der Freiwilligen Agentur, entstand so die Idee eine Webseite zu entwerfen, auf der Deutsche und Geflüchtete sich über soziale Aktionen in ihrer Umgebung erkundigen können.

Was machen Ali und Khaledin?

Organisiert wird die Seite von ehrenamtlichen Mitarbeitern, zu denen auch Geflüchtete wie Ali und Khaledin gehören. Warum die beiden sich freiwillig engagieren wollen, sagen sie ganz klar: "Mit den Übersetzungen, die wir für die Seite machen, können wir anderen helfen, sich hier schnell zu orientieren". Dabei konnten sie selbst ihre Deutschkenntnisse verbessern.

Die beiden übersetzen Texte aus dem Deutschen ins Persische und umgekehrt. "Diese Hilfe ist für uns wirklich sehr wichtig", sagt Hunke. "Durch Übersetzungsprogramme sind Fehler aufgetreten, mit denen wir niemals gerechnet hätten". So hätten die beiden Helfer sie darauf aufmerksam gemacht, dass alle persischen Übersetzungen in spiegelverkehrter Schrift gedruckt waren. Aus diesem Grund sucht die Seite auch immer nach weiteren freiwilligen Übersetzern. "Wir brauchen dringend Übersetzer für Arabisch und Kurdisch, da herrscht immer ein Mangel", sagt Salihi.

In ihrer Freizeit gehen Ali und Khaledin gerne schwimmen, üben das Beatboxen und machen Fitness. Eine besondere Leidenschaft der beiden ist allerdings der Fußball. Sie spielen beim MTV-Wolfenbüttel. "Nein, Schwierigkeiten hatten wir gar keine. Wir haben uns sofort mit allen verstanden", sagt Ali. Ein Problem gibt es dennoch, wenn auch behördlich: "Mein Spielerpass kommt seit Monaten nicht an, dabei bin ich inzwischen ein wichtiger Teil der Mannschaft", erklärt er.

Was bietet die Seite?

Bei den Angeboten der Website, die sich besonders auch an Jugendliche richtet, ist es den Initiatoren vor allem wichtig, diese auf das Leben in Deutschland vorzubereiten und ihnen Hilfestellungen zu geben. Auch das Jugendschutzgesetz ist hierbei ein großes Thema. "Die beiden sind ganz alleine, auf eigene Verantwortung, aus dem Iran nach Deutschland gekommen", sagt Hunke. "Hier angekommen dürfen sie nicht in eine Shisha-Bar gehen. Natürlich sind sie da verwirrt."

Auch mit Themen wie Verkehrssicherheit und der Vermittlung von Baderegeln befasst sich die Seite. "Vor allem wollen wir aber Kontakt herstellen und den Jugendlichen die Möglichkeit geben, neue Dinge kennenzulernen", sagt Hunke. Wichtige Kategorien sind also auch die Vermittlung von Sport-, Spach- und Freizeitangeboten. "Teilnehmen kann daran natürlich jeder, man muss kein Geflüchteter sein", ergänzt sie.

Wie kann Ich helfen?

Zur Zeit arbeiten zehn Ehrenamtliche für die Website. Eine davon ist Maria (17), Schülerin aus Wolfenbüttel. Einmal die Woche für zwei Stunden ist sie fest eingeplant . Wenn sie Zeit hat, kommt sie aber auch gerne öfter. Ihre Aufgaben sind vor allem das Übersetzen in Französisch und Russisch, aber auch beim Marketing ist sie inzwischen dabei. "Ich wollte einfach etwas Nützliches machen und bin dabei auf das Projekt gestoßen", sagt sie. "Gelernt habe ich hier vor allem, mich besser in die Situation anderer Leute hineinzuversetzen." Aber auch ganz praktische Dinge, wie das Schreiben in der Programmierschrift HTML hat sie gelernt.

"Wir brauchen immer kreative Köpfe, die mit uns neue Aktionen planen und bei der Ausweitung der Seite helfen", sagt Salihi. Die Seite will sich in Zukunft möglichst an Menschen aus ganz Niedersachsen richten. "Momentan sind die meisten Freiwilligen Frauen. Über männlichen Zuwachs würden wir uns daher besonders freuen", erklärt er. Und auch Meldungen von Organisationen oder Privatpersonen, die Aktionen anbieten wollen, sind begehrt.