Wolfenbüttel 

So wird in der JVA Wolfenbüttel Silvester verbracht

Die JVA Wolfenbüttel
Die JVA Wolfenbüttel
Foto: Julia Gresfoerder

Wolfenbüttel. Viel Sport und ein Gottesdienst. So wird Silvester in der JVA Wolfenbüttel gefeiert. "Wir versuchen, unsere Insassen so gut wie möglich zu beschäftigen - an solchen Tagen, damit hier niemand auf dumme Gedanken kommt", erklärt Justizvollzugsbeamter Martin Berger. Der 55-Jährige ist seit 35 Jahren im Strafvollzug tätig - Silvester 2016/2017 ist also nicht sein erstes Mal.

An diesem Tag gibt es ein Dartsturnier, ein Billardturnier und viele andere sportliche Aktivitäten. "Ich habe heute Vormittag zwei Stunden Tischtennis und eineinhalb Stunden Badminton gespielt", erklärt Rainer. Der 47-Jährige sitzt wegen Betrugs ein. "Man gewöhnt sich nicht daran, solche Feste hier zu feiern, aber man arrangiert sich damit."

Von guten Mächten

So singt Rainer mit zwölf anderen Häftlingen im Gospelchor unter der Leitung von Patriz Brünsch. Neben dem Gospelchor ist auch die Kirchenband im Einsatz. Sie singen "Halleluja" und "Von guten Mächten".

Über Barmherzigkeit und Gnade spricht Pfarrer Konstantin Dedekind in seiner Predigt. 50 Männer lauschen seinen Worten. "Ich versuche, alles ein bisschen ökumenischer zu gestalten, immerhin haben wir hier viele Glaubensrichtungen", erklärt der Pfarrer.

"Bei derzeit 240 Insassen ist das eine gute Quote", sagt Martin Berger. Ein bisschen unruhiger als in einer "normalen" Kirche ist es schon.

Doch Pfarrer Dedekind kennt das. Souverän spricht er über die derzeitige Weltlage, über Syrien, die Türkei, den Anschlag in Berlin und über die Lage der Häftlinge in der JVA Wolfenbüttel. "Auch von Euch werden sich viele fragen, 'Wie geht es weiter?' Ich hoffe, ihr geht mit Gelassenheit in das neue Jahr." Einige Häftlinge sind sichtlich berührt.

Essen und dann Ruhezeit

Den gelungenen Abschluss bildet dann der Chor. Mit "Tears in Heaven" geht der halbstündige Gottesdienst zu Ende. Es folgt ein wenig freie Zeit zum Reden bei einer Tasse Kaffee.

Währenddessen ist das Billard-Turnier noch in vollem Gang. Seit neun Uhr sind die acht Teilnehmer dabei. Organisiert von Häftlingen - sogar einkaufen waren sie. "Jeder hat zwei Euro gezahlt und davon haben wir Preise besorgt", erklärt ein Teilnehmer.

Ab 18.30 Uhr geht's in die Zelle

Pünktlich um 17.45 Uhr ist das Spiel dann beendet, denn es gibt Abendessen. "Und um 18.30 Uhr geht dann jeder auf seine Zelle. Ab da ist dann Ruhezeit", erklärt Berger. Rainer wird dann noch etwas Fernseh gucken und dort den Count-Down verfolgen.

"Generell ist die Stimmung an Silvester nicht viel anders als an anderen Wochenenden", erklärt eine Vollzugsbeamtin in Haus vier. "Viele freuen sich, dass ein weiteres Jahr hinter Gittern rum ist."

Eine kleine Besonderheit haben die Beamten in Haus vier dann aber doch vorbereitet. "Wir haben Muffins für unsere Bewohner gebacken." Und liebevoll mit pinkfarbenem Zuckerguss und kleinen, blauen Schmetterlingen verziert.

Von draußen hören die Insassen schon die ersten Silvesterkracher. Und vielleicht kann der eine oder andere durchs Fenster einen Blick auf bunten Lichter erhaschen.