Wolfenbüttel 

Bauarbeiten unterbrochen: Schlossplatz wird Ausgrabungsort

Denkmalschützer Hans Mai und Bauleiter Alexander Simons auf dem Ziegelweg.
Denkmalschützer Hans Mai und Bauleiter Alexander Simons auf dem Ziegelweg.
Foto: Thorsten Raedlein

Wolfenbüttel. Auf dem Schlossplatz wurden die groben Baggerschaufeln durch feines Gerät und die Bauarbeiter durch Archäologen ersetzt - Grund sind überraschende Funde, die einen Blick in Wolfenbüttels Kinderstube ermöglichen.

Vor dem Zeughaus ist bei den Bauarbeiten eine alte gepflasterte Gasse aus Ziegelsteinen zwischen zwei Gebäudefundamenten entdeckt worden. Westlich, in Richtung Schloss wurde ein alter Kanal freigelegt, links davon eine gewölbeförmige Abdeckung aus Bruchstein.

Siedlung im Kugelhagel zerstört

"Dies hier so dicht unter der Oberfläche zu entdecken, hat uns überrascht", sagt Denkmalpfleger Hans Mai. Denn eigentlichen wurde die Siedlung, die einst auf dem Schlossplatz stand, bereits im Schmalkaldischen Krieg im Kugelhagel zerstört.

Danach entstanden neue Gebäude auf dem Gelände. Die Dammfestung war dann Ende des 16. Jahrhunderts mit mehr als sechzig Häusern eine dicht besiedelte Zitadelle. Insbesondere der Schlossplatz war von Straßen und Gassen durchzogen und mit herzoglichen Wirtschaftsbauten sowie Wohnhäusern eng bebaut.

Bauarbeiten können sich verzögern

"Bei Funden gibt es nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz ein genau festgelegtes Verfahren. Natürlich kann so etwas auch zu Verzögerungen im Zeitplan führen und verursacht Mehrkosten. Aber wann kann man schon einmal auf diese Art und Weise auf Zeitreise in die Vergangenheit gehen?", sagt Bauleiter Alexander Simons von der Stadt.

Die Bauarbeiten müssen nun erst einmal an einer anderen Stelle weiter gehen.