Wolfenbüttel 

Nach tödlichem Unfall in Wolfenbüttel: Porsche-Fahrer verurteilt

Ein Porschefahrer hat im August in Wolfenbüttel einen Rettungswagen gerammt und umstürzen lassen. Ein 80-jähriger Mann an Bord des Rettungswagens kam dabei ums Leben.
Ein Porschefahrer hat im August in Wolfenbüttel einen Rettungswagen gerammt und umstürzen lassen. Ein 80-jähriger Mann an Bord des Rettungswagens kam dabei ums Leben.
Foto: Jörg Koglin

Wolfenbüttel. Nach dem schrecklichen Unfall in Wolfenbüttel, bei dem ein Mensch starb, ist nun der Unfallfahrer verurteilt worden.

Das Amtsgerichts Wolfenbüttel urteilte am Donnerstag, dass der angeklagte Porsche-Fahrer eine Geldstrafe von rund 6.600 Euro zahlen und einem Monat Fahrverbot verbüßen muss. Der Richter war damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gefolgt.

Am Unfalltag, dem 23. August 2017, hatte ein Porsche-Fahrer an der Kreuzung Neuer Weg/Salzdahlumer Straße einen DRK-Rettungswagen gerammt.

Tödlicher Unfall: Porsche kracht gegen Rettungswagen

Bei dem Unfall war der Rettungswagen auf die Seite gekippt. Eine Rettungssanitäterin und der Notarzt wurden dabei verletzt. Dieser schilderte als Zeuge im Prozess, dass er noch heute aufgrund der schweren Verletzungen nicht voll arbeitsfähig sei und nie mehr als Notarzt eingesetzt werden könne.

Bilder des Unfalls

Auch die verletzte Rettungssanitäterin werde lebenslange Schäden behalten. Bei dem Unfall kam der Patient, der zuvor reanimiert worden war, ums Leben. Einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Zusammenprall und dem Tod konnte das Gericht jedoch nicht nachweisen. 15 Zeugen und zwei Sachverständige waren zur Klärung des Sachverhalts vorgeladen.

Am Ende konnte nicht bewiesen werden, dass der Porsche-Fahrer den Rettungswagen zuvor habe wahrnehmen können. Mehrere Zeugen berichteten, dass die Linksabbieger-Spur des Neuen Wegs voll belegt und so die Sicht eingeschränkt war. Mehrere Zeugen sagten aus, ein Martinshorn nicht wahrgenommen zu haben.

------------------------

Mehr aus Wolfenbüttel:

------------------------

In der Urteilsverkündung erklärte der Richter: "Für den Fahrer des Rettungswagens ist es stets ein Abwägen. Daher spielt es keine Rolle, ob er sich noch langsamer in die Kreuzung hätte hineintasten können. Es ging in diesem Moment um das Leben des Patienten." Der Fahrer sei nicht verpflichtet, in der Kreuzung Schritt-Tempo zu fahren. Zudem habe er selbstverständlich – bei Blaulicht und Martinshorn – ein Sonderfahrtrecht und somit automatisch Vorfahrt.

"Verheerendes Signal"

Fast 50 Zuschauer im Gerichtssaal – darunter zahlreiche Rettungssanitäter – verfolgten das Verfahren. Einige brachen bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. "Die Rettungskräfte des DRK sind von diesem Urteil maßlos enttäuscht", erklärte DRK-Vorstand Andreas Ring. Haupt- und ehrenamtliche Kräfte würden auf diese Weise verunsichert. Es führe zu einem starken Vertrauensverlust in die Rechtslage. "Ich kann meinen Notfall-Sanitätern ja nicht sagen, dass sie bei einem Notarzt-Einsatz an einer roten Ampel geduldig warten sollen", so Ring.

Das Urteil sende ein verheerendes Signal an die Gesellschaft, findet Ring. Es entstehe das Gefühl, dass es egal sei, wie man sich im
Straßenverkehr verhalte. Der Respekt vor Einsatzfahrzeugen im Straßenverkehr und auch vor Rettungskräften habe ohnehin dramatisch abgenommen, so Ring. "Es ist wichtig, dass festgestellt wurde, dass sich unser Fahrer einwandfrei verhalten hat. Für uns geht es jetzt darum, allen unseren Rettungskräften den Rücken zu stärken", sagte der DRK-Vorstand.

Zudem kritisierte Andreas Ring das Vorgehen im Prozess, den Todesfall des Patienten aus dem Verfahren herauszulassen. "Der Notarzt hatte den Mann erfolgreich reanimiert. Er war am Leben. Beim Unfall ist er gestorben. Für mich ist die Ausgangslage klar", sagte der DRK-Vorstand. (mvg)