Wolfenbüttel 

Edeka Wolfenbüttel: Frau wird auf Behindertenparkplatz beschimpft – jetzt macht sie ein ungewöhnliches Angebot

Eine Frau wollte in Wolfenbüttel nur bei Edeka einkaufen. Dann wurde sie stark beschimpft. (Symbolbild)
Eine Frau wollte in Wolfenbüttel nur bei Edeka einkaufen. Dann wurde sie stark beschimpft. (Symbolbild)
Foto: imago

Wolfenbüttel. Eigentlich wollte Bettina in Wolfenbüttel nur bei Edeka einkaufen gehen. Wie so oft hat sie ihr Auto auf einem Behindertenparkplatz geparkt. Sie hat einen Ausweis, der sie dazu berechtigt.

Doch das habe ein älterer Herr nicht einsehen wollen. „Ich musste mir schon Vieles anhören, aber man konnte immer mit den Herrschaften reden“, erinnert sich die 57-Jährige. Doch dieses Mal sei es bei Edeka in Wolfenbüttel anders gewesen. „Unglaublich, aber leider wahr“, sagt sie.

Edeka in Wolfenbüttel: Frau parkt und wird heftig beschimpft

Diese Worte trägt auch ihr offener Brief, den sie in einer Facebook-Gruppe geteilt hat. Auch, um darauf aufmerksam zu machen, dass nicht alles immer so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Und am Ende zeigt sie sich sogar versöhnlich und hat ein ungewöhnliches Angebot.

Aber von vorne: Am Mittwoch hat sich Bettina also auf den Weg zum Einkaufen gemacht. Gerade, als sie in den Supermarkt gehen wollte, parkte ein Wagen hinter ihr. „Das waren so zehn bis fünfzehn Zentimeter Abstand zu meiner Heckklappe“, sagt Bettina.

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Die Beifahrerin des Mannes war bereits ausgestiegen. Bettina hat sie gefragt, ob ihr Mann nicht mit etwas mehr Abstand parken könnte. Daraufhin sei die Situation eskaliert. „Der Mann riss die Fahrertür auf und fragte, was ich mir erlauben würde, erst unberechtigt zu parken und dann noch frech zu werden“, erzählt die 57-Jährige. „Das war schon heftig.“

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So sollen Behindertenparkplätze genutzt werden

  • werden oftmals durch ein Zusatzzeichen mit einem Rollstuhlfahrer gekennzeichnet – dann darf nur jemand dort parken, der einen Parkausweis für Schwerbehinderte hat
  • ohne Zusatzzeichen: Jeder mit einem Behindertenausweis darf dort parken
  • Parkplatz gilt für meist mobilitätseingeschränkte oder blinde Menschen
  • befinden sich meist direkt vor den Gebäuden, um lange Wege zu vermeiden
  • solch ein Parkplatz wird durch die Straßenverkehrsordnung geregelt
  • sind extra breit gekennzeichnet: dürfen nicht zugeparkt oder anderweitig zugestellt werden

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Bettina trägt seit Jahrzehnten Beinprothesen

Dabei habe sie dort gar nicht unberechtigt geparkt. Durch eine Krankheit habe sie ihre Beine verloren. Mit ihrem 18. Lebensjahr habe man ihr ihr rechtes Bein abgenommen, 2001 dann das linke Bein. „Ich habe mich gut mit dieser Sache arrangiert und komme sehr gut damit zurecht“, sagt sie über ihre Prothesen.

Jemand, der sie nicht kenne, würde meist nichts Schlimmes vermuten. Weil sie eben so gut zurecht komme. Seit mehr als 30 Jahren fährt sie Auto, hat aber immer auch ihren speziellen Parkausweis dabei.

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Für Tage, an denen sie mal nicht so gut laufen kann. Dann stellt sie ihr Auto nämlich doch mal auf einem Behindertenparkplatz ab. So etwas wie am vergangenen Mittwoch habe sie jedoch noch nie erlebt.

„Er würde gleich mal aussteigen und mir eine reinhauen“

Auf ihre Erwiderung, dass sie dort berechtigterweise steht, habe sie Unglaubliches zu hören bekommen. „Die Reaktion war, dass er mich beschimpfte, mich im übelsten Ton fragte, wo ich denn behindert wäre, ich würde ja laufen wie ein normaler Mensch. Er würde gleich mal aussteigen und mir eine reinhauen“, erinnert sie sich.

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Eine Situation, die sie erst einmal verarbeiten muss. In der Facebook-Gruppe bekommt sie viel Zuspruch. Die Menschen sind, ähnlich wie sie, fassungslos über so ein Verhalten. „Es ist wirklich schlimm, dass es solche Menschen gibt, die sich überhaupt nicht die Mühe machen, mal zuzuhören“, sagt die 57-Jährige.

Deshalb hofft sie, dass sie mit ihrem offenen Brief genau den Mann erreicht, mit dem sie auf dem Parkplatz aneinandergeraten ist. Eine Anzeige hat sie nicht erstattet. „Ich hatte mein Handy nicht dabei, habe kein Foto vom Wagen, weiß das Kennzeichen nicht“, sagt sie.

Das sagen news38.de-Leser zu dem Vorfall

  • „Tolle Frau und eine gute Idee mit dem Kaffeetrinken!“
  • „Auf einen Kaffee treffen? Wenn der Herr ein Gewissen hat und Courage, dann sollte er das Angebot annehmen und sich zumindest entschuldigen. Bettina, lass es uns wissen. Klasse, dass du so stark bist und diesen Weg gewählt hast, dass viele mal selbst nachdenken und ihr Verhalten checken.“
  • „Leider gibt es zu viele von solchen Idioten. Und leider parken viele von diesen Idioten selber unberechtigt auf diesen Parkplätzen und sind sich keiner Schuld bewußt, bzw. fühlen sich auch noch im Recht. Mir wurde mal geantwortet, Zitat: Ist ja grad kein Behinderter da!“
  • „Gut, dass Sie an die Öffentlichkeit gegangen sind. Ich hoffe, dass Sie die nötige Unterstützung bekommen!“

Polizei Wolfenbüttel: „Am besten wäre, sich das Kennzeichen zu merken“

Doch wie verhält man sich in so einer Situation? Pressesprecher Frank Oppermann erklärt, dass man bei einer Beleidigung durchaus Anzeige erstatten könnte. Wer solch eine Situation erlebt, sollte die Polizei alarmieren.

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„Wir müssen ja die Identität feststellen. Gut wäre es, wenn man die Person bis zum Eintreffen der Polizei festhalten könnte. Oder, wenn man sich das Kennzeichen merkt.“

Bettina hat auf eine Anzeige verzichtet. Dafür hat sie aber ein anderes Angebot:. Sie würde sich mit dem Mann gerne auf einen Kaffee treffen. Einfach, um einmal in Ruhe über die Situation zu sprechen.