Wolfenbüttel 

Wolfenbüttel: Mann geht durchs Schloss und macht verstörende Entdeckung – „Stadt scheint blind zu sein!“

Ein Rechtsanwalt hat dieses Symbol im Schloss Wolfenbüttel entdeckt.
Ein Rechtsanwalt hat dieses Symbol im Schloss Wolfenbüttel entdeckt.
Foto: Museum Wolfenbüttel/imago images

Wolfenbüttel. Was ist das denn bitte?! Bei diesem Anblick fielen einem Rechtsanwalt aus Hannover wohl beinahe die Augen aus dem Kopf. Denn Dietrich Wollschlaeger erblickte bei seinem Rundgang am Schloss Wolfenbüttel tatsächlich ein Hakenkreuz.

In einem Zimmer, das nicht zum Museum in Wolfenbüttel gehört, macht er an einem Kaminsims eine merkwürdige Entdeckung. Wie der Evangelische Pressedienst berichtet, drohte der Jurist darauf mit der Staatsanwaltschaft.

Wolfenbüttel: Hakenkreuze am Kaminsims im Schloss?

Sein Vorwurf gegenüber der Stadt Wolfenbüttel: „Die Stadt scheint blind zu sein gegenüber ihrer historischen Verantwortung mit diesem Symbol der Nazi-Herrschaft, unter der Millionen Menschen zu Tode gekommen sind.“

Doch ist die Aufregung überhaupt gerechtfertigt?

Was der Jurist aus Hannover als Hakenkreuz sieht, ist in diesem Fall eine Swastika. Also ein Kreuz mit vier etwa gleich langen, einheitlich abgewinkelten Schenkeln. Die Symbole finden sich seit Jahrtausenden in Kulturen in Asien und Europa. Sie galten oft als Glücksymbol.

Hakenkreuz als Begriff entstand erst im 18. Jahrhundert

Erst im 18. Jahrhundert entstand der Begriff Hakenkreuz. 1920 übernahmen die Nazis das Symbol als Kennzeichen für die NSDAP und besetzten es damit erst negativ.

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Symbol „Swastika“ bereits über 400 Jahre alt

„Die Swastika, die den Kamin im Renaissance-Saal des Wolfenbütteler Schlosses ziert, geht zurück auf das Wappen der Einbecker Patrizierfamilie Raven“, erklärt die kommissarische Leiterin des Schloss-Museums, Dr. Sandra Donner. Seit dem 16. Jahrhundert ist die Swastika Bestandteil des Wappens der Händler- und Kaufmannsfamilie Raven.

Anna Raven heiratete 1600 den Braunschweiger Bürgermeister Henning Schrader. Die Swastika der Anna Raven lässt sich laut Deutscher Inschriftenkommission noch heute auf einer Grabplatte in der Kirche St. Katharinen, Am Hagenmarkt, in Braunschweig finden. Durch die eheliche Verbindung gelangte das Wappen samt Swastika nach Braunschweig.

In ihrem Haus am Hagenmarkt 14, richten sie 1609 den Kamin ein. Über dem Sims prangen seit dem die Wappen der Ehepartner. Weil das Haus im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden ist, musste es anschließend abgetragen werden. Der Kamin blieb allerdings erhalten und ist 1951 in den Renaissance-Saal des Wolfenbütteler Schlosses eingebaut worden.

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Immer wieder Aufregung um Symbol

Der Hannoveraner Rechtsanwalt ist nicht der Erste, dem die Swastika aufgefallen ist. „Die Diskussion um den Kamin im Renaissance-Saal ist nicht neu, in regelmäßigen Zeitabständen gibt es Anfragen dazu“, berichtet Dr. Sandra Donner: „Die Braunschweiger Zeitung berichtete hierüber schon am 16.03.1951.“ (mb)