Wolfenbüttel 

Harz: Helikopter-Retter mit düsterer Prognose: "Müssen leider..."

Nach der Landung vom Rettungshelikopter Christoph 30 der ADAC Luftrettung auf der Luftrettungsstation Wolfenbüttel, verlässt Notarzt Tobias Jüttner den Helikopter.
Nach der Landung vom Rettungshelikopter Christoph 30 der ADAC Luftrettung auf der Luftrettungsstation Wolfenbüttel, verlässt Notarzt Tobias Jüttner den Helikopter.
Foto: Lucas Bäuml/dpa

Wolfenbüttel. Rettungshubschrauber „Christoph 30“ kommt kaum zur Ruhe. Die Besatzung in der ADAC-Luftrettungsstation Wolfenbüttel hat viel zu tun – und schon bald dürfte es wieder regelmäßig in den Harz gehen. Leider...

Einen ersten Flug haben die Retter an diesem Morgen schon hinter sich - mehr als den Tod eines Patienten festzustellen, blieb ihnen dabei aber nicht übrig. Für die Besatzung von „Christoph 30“ gehören solche Einsätze zum Alltag. „Wir sind meist zügiger vor Ort und können nahezu überall landen“, beschreibt Stationsleiter Christian Schälicke die zentralen Vorteile der Luftrettung.

„Christoph 30“ wohnt am Klinikum Wolfenbüttel

Nach der Landung neben dem Klinikum Wolfenbüttel macht sich das dreiköpfige Team – bestehend aus einem Piloten, einem Notarzt und einem Sanitäter – schnell wieder bereit. Jederzeit kann die Leitstelle sie wieder zum Einsatz rufen.

In Niedersachsen war das im Jahr 2019 insgesamt etwa 8.100 Mal der Fall, wie das Innenministerium auf Anfrage mitteilt. Im Jahr davor waren es mit rund 8.300 Einsätzen etwas mehr. Die Kosten der Luftrettung betrugen laut Ministerium für 2019 etwa 23,1 Millionen Euro und wurden durch die Krankenkassen getragen.

Intensivtransporthubschrauber in Hannover

Aktuell sind im Land fünf Rettungshubschrauber an Standorten in Hannover, Göttingen, Uelzen, Sande und Wolfenbüttel stationiert. Im Auftrag des Landes werden diese vom ADAC, der Deutschen Rettungsflugwacht und von der Johanniter-Unfall-Hilfe in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei betrieben.

Am Flughafen Hannover-Langenhagen steht dazu ein Intensivtransporthubschrauber (ITH) bereit, mit dem schonende und schnelle Verlegungen von Patienten zwischen zwei Einrichtungen möglich sind. Zusammen kommen die Helikopter laut der Bilanz für 2019 auf fast 300.000 Flugminuten.

Eine Verbrennung nennt Notarzt Tobias Jüttner als einen klassischen Fall für die Luftretter. Die Patienten müssten dabei oft schnell zu Spezialisten geflogen werden. So benötige „Christoph 30“ für einen Flug zur Medizinischen Hochschule (MHH) in Hannover weniger als eine Viertelstunde.

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Viele Einsätze im Harz

Göttingen erreicht der Helikopter in etwa 20 Minuten, nach Hamburg dauert es ungefähr 40 Minuten, wie Jüttner sagt.

Vergleichsweise häufig ist das Team ihm zufolge im Harz und in der Grenzregion zu Sachsen-Anhalt im Einsatz. „Das liegt aber nicht daran, dass es dort weniger Notärzte gibt“, erklärt Jüttner. Der Flug sei oft einfach schneller, als eine Anfahrt im Rettungswagen durchs Mittelgebirge.

Mit Einsätzen im Harz rechnet die Besatzung auch in den kommenden Monaten wieder verstärkt. „In der Motorradsaison müssen wir leider regelmäßig dorthin“, begründet Pilot Schälicke die Häufung. Bei schönem Wetter an einem Wochenendtag müsste die Crew fast sicher mit einem Einsatz dort oben rechnen.

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„Christoph 30“ fliegt direkt los

Da die Hubschrauber fast ausschließlich bei Tageslicht im Sichtflug fliegen, häufen sich die Flüge im Sommer im Vergleich zu den Wintermonaten. Die Einsatzbereitschaft der Station in Wolfenbüttel beginnt daher auch bei Sonnenaufgang oder frühestens um 7 Uhr und endet zum Untergang der Sonne wieder.

Wenn nötig, sind die Maschinen laut ADAC innerhalb von zwei Minuten startklar. Der Einsatzradius beträgt in der Regel 50 bis 70 Kilometer. Oft eilen die Retter in die entlegensten Orte - auf Inseln, in Bergtäler oder zu blockierten Autobahnen – und sorgen dort für Aufsehen.

Aus ihrer Sicht sind für den Job aber vor allem Erfahrung und Routine nötig. Alle Piloten, Ärzte und Sanitäter seien besonders geschult und würden ständig fortgebildet. „Für jeden Schritt brauchen wir einen kühlen Kopf, um eine gute Teamentscheidung zu treffen“, sagt Stationsleiter Schälicke.

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„Wir wissen nie genau was kommt und müssen auch oft improvisieren“, erzählt Notarzt Jüttner. So hängen die Einsatzmöglichkeiten oft einfach auch vom Wetter ab.

Für die Besatzungen von „Christoph 30“ gilt das seit dem Jahr 1983, in dem der Hubschrauber in den Dienst gestellt wurde. Bundesweit gibt es aktuell mehr als 80 Luftrettungsstandorte, an denen die Hubschrauber alle den Namen „Christoph“ tragen, laut ADAC benannt nach dem Schutzpatron der Reisenden. (dpa/ck)