Wolfenbüttel 

Jägermeister will Kneipe verklagen – „Wir distanzieren uns ausdrücklich“

Jägermeister prüft rechtliche Schritte gegen eine Kneipe aus Bremerhaven. (Symbolbild)
Jägermeister prüft rechtliche Schritte gegen eine Kneipe aus Bremerhaven. (Symbolbild)
Foto: imago stock&people

Wolfenbüttel/Bremerhaven. Viel Ärger um einen kleinen Schnaps: Jägermeister will rechtliche Schritte gegen eine Kneipe einleiten, die einen Shoot namens „Bimbo“ auf der Getränkekarte hat. Das Lokal reagiert.

Jägermeister geht gegen Kneipe vor

Das bekannte Hirsch-Symbol von Jägermeister hängt auch an der Außenwand der „Union Stuben“ in Bremerhaven – doch der Likörhersteller aus Wolfenbüttel distanziert sich von dem Lokal.

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Der Grund: Ein Schnaps auf der Getränkekarte, der den Namen „Bimbo“ trägt. Das Mischgetränk aus Lakritz-Vodka und türkischem Pfeffer wird zusätzlich mit dem bekannten Piraten „Baba“ aus den „Asterix & Obelix“-Comics beworben – Rassismus-Vorwürfe gegen die „Union Stuben“ stehen im Raum.

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Das ist Jägermeister:

  • wird in Wolfenbüttel hergestellt und abgefüllt
  • der Likör kam 1935 auf den deutschen Markt
  • mittlerweile wird Jägermeister in über 130 Staaten exportiert
  • Jägermeister besteht aus 56 Kräutern, der Grundstoff wird ausschließlich in Wolfenbüttel hergestellt
  • das Logo bezieht sich auf den Schutzpatron der Jagd, den heiligen Hurbertus von Lüttich

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Deshalb will Jägermeister juristisch gegen die Kneipe vorgehen, berichtet unter anderem „Horizont“. Demnach schmücken sich die „Union Stuben“ ohne Einverständnis des Unternehmens mit dessen Logo.

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„Derzeit prüfen wir noch mit unseren Juristen die uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel, um sicherzustellen, dass unsere Marke nicht mit derartigen Gesinnungen in Verbindung gebracht wird“, heißt es in einer Stellungnahme. Und: „Wir distanzieren uns ausdrücklich und entschieden von der hier offenbar werdenden Geisteshaltung.“

Auch die Bremer Kulturwissenschaftlerin Silke Betscher übte Kritik: „Diese Getränkekarte ist ein Rückgriff auf die Kolonialzeit“ und sei „eine Einladung dazu, rassistisch zu sprechen“, sagte sie der „taz“.

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So reagiert die Kneipe auf die Kritik

Die „Union Stuben“ haben mittlerweile auf die Kritik reagiert und gehandelt – der umstrittene Kurze wurde jetzt in „Schwarzer Teufel“ umbenannt. Aber: „Selbstverständlich darf er seinen liebvoll ausgerufenen Kosenamen intern behalten...“

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Einen „Sieg für den Tugendterror“ nennt die Kneipe die Entscheidung und macht der Wut dahinter auf Facebook Luft. Die Rede ist von „linkem Rassismuswahn“, einer Journalistin wirft „Nordsee-Zeitung“ wirft der Inhaber „Hetze“ und „Dummheit“ vor.

Dabei wenden sich die Betreiber auch direkt an Jägermeister: „Eurer Kräuter ist auch bei unseren dunkelhäutigen Gästen sehr beliebt.“ Ob sich aber dadurch die rechtlichen Konsequenzen abwenden lassen, bleibt zumindest fragwürdig. (kv)