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Wolfenbüttel: Teenie-Terror! Gruppe drangsaliert WG immer wieder – „Wut und Verzweiflung“

Immer wieder kommt es bei Sebastian zu Schikane und Attacken. Eine Teenie-Gruppe lässt ihn nicht in Ruhe. Wann hört der Terror in Wolfenbüttel auf?

© imago stock&people

Attacken zu Silvester: Debatte um Böllerverbot neu entfacht

Die massiven Attacken auf Einsatzkräfte in der Silvesternacht sorgen für Bestürzung und haben in Deutschland eine Debatte über ein Böllerverbot neu angefacht. Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte waren in Berlin und anderen Städten teils direkt mit Böllern und Raketen beschossen worden.

Es hat mit Randalen vor der Haustür angefangen – und endete mit einem explodierenden Böller im Flur. Sebastian ist verzweifelt. Der Wolfenbütteler lebt mit seiner Freundin und einem Mitbewohner in der Nähe des Kornmarktes.

Seit Ende November hat es eine Gruppe Jugendlicher auf das Haus des 31-jährigen Wolfenbüttelers abgesehen. Sie drangsalieren, schikanieren – und attackieren die drei Bewohner immer wieder. Konsequenzen gab es bislang keine. Sebastian fühlt sich im Stich gelassen.

Wolfenbüttel: „Plötzlich hat es ziemlich laut geknallt“

Seit dem 29. November 2023 kochen bei Sebastian die Emotionen über und fahren Achterbahn. „Wut und Verzweiflung“, fasst es der 31-Jährige im News38-Gespräch zusammen. Denn um 21.50 Uhr habe eine Gruppe Jugendlicher vor der WG-Haustür angefangen zu randalieren. Sebastians Mitbewohner rannte daraufhin auf die Straße, bat die Gruppe zu gehen.

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Zunächst seien die Jugendlichen der Aufforderung nachgekommen, gingen weg. Doch eine Stunde später seien sie wieder gekommen, beschmierten das Autodach des Mitbewohners. Danach hätten sie sich am Außenspiegel „zu schaffen gemacht“. Der Mitbewohner ging erneut vor dir Tür, die Situation eskalierte. Beleidigungen seien gefallen. Sebastian alarmierte die Polizei.

Nur einen Tag später tauchten die Jugendlichen am 30. November wieder auf. Gegen 21.15 Uhr hätte die Gruppe Klingel-Terror betrieben, wie Sebastian weiter erzählt. Sie hätten Schnee-Bälle gegen die Hausfassade und das Dach geworden. Anschließend auch noch auf fahrende Autos. Sebastian habe davon Video-Aufzeichnungen. Der Wolfenbütteler alarmierte die Polizei. Doch die Beamten seien zunächst einfach am Haus vorbeigefahren. Der 31-Jährige rief nochmal an, die Beamten kamen – sagten aber, dass sie nichts machen können. „Die Polizei sagte, dass sie das als Jugendstreich verbuchen“, so Sebastian weiter.

„Plötzlich hat es ziemlich laut geknallt“

Seit dem 30. November sei die Gruppe immer wieder gekommen – und es eskalierte am 18. Dezember. „Wir saßen im Wohnzimmer und haben dann die Briefkastenklappe zwei Mal gehört. Dann hat es ziemlich laut geknallt“, erinnert sich der 31-Jährige. „Meine Freundin wusste nicht was los ist und war dann etwas panisch, sie hatte Angst.“

Als die beiden im Hausflur ankamen, konnten sie schnell erkennen, was passiert war. Die Jugendlichen hatten vermutlich einen Polen-Böller durch den Brief-Schlitz der Haustür geworfen. „Es hat fast angefangen zu brennen“, so Sebastian weiter. Denn hinter dem Briefschlitz befindet sich ein Korb, der die Post auffängt. „Ich bin dann nach draußen gerannt und habe die Jugendlichen angeschrien“, erinnert er sich. Daraufhin habe einer der Gruppe ein Messer gezückt. Ein Schock für den 31-Jährigen. „Ich habe mich hilflos und machtlos gefühlt“, erinnert sich der Wolfenbütteler.

„Ich fühle mich im Stich gelassen“

Die Polizei kam relativ schnell zum Wohnhaus in Wolfenbüttel. Die Jugendlichen seien weggerannt, drei konnten wohl von den Beamten gestellt werden. Sie durchsuchten sie, doch man ließ sie wieder laufen. Weder Messer noch Böller wurden gefunden. Ein Schlag ins Gesicht für Sebastian, seine Freundin und den Mitbewohner. Die Beamten hätten Fotos von den Böller-Resten gemacht. Doch ob die Polizei ermittelt, wisse er nicht genau. Was Sebastian auch ärgert: „Hätte ich die Polizisten nicht hereingebeten und gesagt, dass sie den Böller dokumentieren sollen, dann wäre wohl gar nichts passiert.“

„Ich fühle mich im Stich gelassen“, so der 31-Jährige. „Man hat das Gefühl, dass diese Gruppe ohne Konsequenzen machen kann, was sie will.“ Er kann einfach nicht verstehen, wie die Jugendlichen mit ihren Attacken und Schikanen weitermachen können. „Soll ich jetzt den Rückschluss daraus ziehen, dass ich an Silvester einfach losrennen und alle Briefkästen in die Luft sprengen kann?“

Polizei Wolfenbüttel kann nichts machen

News38 hat bei der Polizei nachgefragt. Aus Wolfenbüttel heißt es: „Durch die Gruppe gab es schon mehrfach polizeiliche Einsätze, die in einem ähnlichen Kontext stehen.“ Die Beamten bestätigten die Vorfälle vor, an oder in Sebastians Haus.

Beim ersten Mal, am 29. November, konnten die Beamten nichts machen, weil sie „weder an den umgeworfenen Mülltonnen, noch an dem Pkw Beschädigungen feststellen“ konnten. Die Beamten sprechen von einer „strafrechtlichen Relevanz“, die fehle. Da die Jugendlichen auch nicht mehr vor Ort waren, konnte kein Platzverweis ausgesprochen werden – die Konsequenz, von der die Polizei bei Fällen ohne strafrechtliche Relevanz Gebrauch machen kann.

Auch am 30. November waren die Jugendlichen laut Polizei schon über alle Berge. Von Videoaufzeichnungen wisse man nichts. Dass die Gruppe bis zur Böller-Attacke immer wieder kam und die drei Bewohner drangsalierte, ist der Sprecherin auch nicht bekannt.

Strafverfahren nach Böller-Attacke

Nach der Böller-Attacke am 18. Dezember habe die Polizei allerdings die Ermittlungen aufgenommen. „Die eingesetzten Beamten haben den Vorfall aufgenommen und dahingehend wurde eine Strafverfahren eingeleitet“, heißt es. Jetzt müssen die Beamten klären, um welche Art von „Böller“ es sich handelt.

Wenn es zu „strafrechtlich relevanten Ereignissen“ komme, werden die Jugendlichen auf die Dienststelle gebracht. Anschließend wird ein Gespräch mit den Sorgeberechtigten geführt. Danach gehen sie mit ihren Eltern wieder nach Hause.

„Es ist absolut nachvollziehbar, dass dieser Anwohner diese Vorfälle als beunruhigend empfindet, aber die polizeilichen Maßnahmen unterliegen gerade bei Minderjährigen besonderen Auflagen und sind begrenzt“, erklärt die Sprecherin das Vorgehen. Stadt, Jugendamt und Staatsanwaltschaft haben die Wolfenbütteler Gruppe schon auf dem Plan. Mit der Polizei stehen sie wohl in engem Austausch – „damit weiterführende Maßnahmen“ getroffen werden können.“

„Es wird hier ein Tyrannisieren geduldet“

Doch Sebastian sieht dringenden Handlungsbedarf. „Es wird hier ein Tyrannisieren geduldet.“ Denn seit dem 18. Dezember haben er, seine Freundin und der Mitbewohner zwar Ruhe vor den Jugendlichen. Doch jetzt soll sich die Gruppen-Aggression nur auf die Nachbarschaft verlagern. Kurz vor Weihnachten habe nämlich der Nachbar über die Straße gebrüllt.


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Sebastian kann die Ungerechtigkeit einfach nicht verstehen. Er will, dass etwas passiert. „Wir haben alle unsere zur Verfügung stehenden Mittel ausgereizt. Polizei, Ordnungsamt wir haben alle informiert. Jetzt habe ich sogar die Medien angerufen“, offenbart der 31-Jährige.

Ob der Stein jetzt vielleicht ins Rollen kommt? „Wahrscheinlich nicht“, so Sebastian. „Aber das ist wie mit dem Wählen gehen. Wer nicht wählen geht, darf sich nicht wundern, wenn nichts passiert.“