VW 

Neuer Zoff mit Prevent: VW soll das Zehnfache zahlen

Der Prevent-Standort in Wolfsburg-Warmenau (Archivfoto).
Der Prevent-Standort in Wolfsburg-Warmenau (Archivfoto).
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
  • Diesmal Streit wegen Lieferungen von neuer Tochterfirma.
  • Prevent-Gruppe verlangt von VW den zehnfachen Preis.
  • Volkswagen findet offenbar keinen anderen Anbieter.

Wolfsburg. Der Autozulieferer Prevent läutet offenbar die nächste Runde im Dauer-Zoff mit Volkswagen ein: VW soll offenbar das Zehnfache der bisherigen Preise für Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Kurbelwellen zahlen; allein im zweiten Quartal soll Wolfsburg demnach 150 bis 180 Millionen Euro mehr zahlen.

Die Teile, die Volkswagen offensichtlich nicht so schnell von anderen Anbietern beziehen kann, stammen aus der Produktion der erst vor wenigen Monaten von Prevent übernommenen Gießerei Neue Halberg Guss in Saarbrücken.

Forderungen um Faktor 10 erhöht

Prevent verlange nun für die Lieferungen seiner neu erworbenen Tochter um Aufschläge bis zum Faktor 10 auf das vereinbarte Niveau - als "Auflaufpreis". Das geht aus einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief von Volkswagen an Barbaros Arslan, Geschäftsführer der Neuen Halberg Guss, hervor.

VW kommentiert den Brief nicht: "Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu internen Unterlagen."

VW will reden

Zuvor hatte der Zulieferer dem Schreiben zufolge in Abrede gestellt, dass es überhaupt bindende Verträge mit Volkswagen gibt. Das weist der Autobauer entschieden zurück - es bestünden rechtsgültige, unbefristete und ungekündigte Lieferverträge, eine Befristung oder Kündigung gebe es nicht. VW bietet ein persönliches Gespräch an.

Darf VW die Teile einbauen?

Laut dem Brief beklagt VW aber auch einen Prevent-Eigentumsvorbehalt. Demnach liefert Halberg Guss zwar - unter Eigentumsvorbehalt stellt sich aber die ungeklärte Frage, ob VW die gelieferten Teile überhaupt verarbeiten darf.

Dauerstreit und Milliardenklage

Prevent liegt seit langem mit Volkswagen im Clinch. 2016 hatte ein Lieferstopp für tagelangen Stillstand der Produktionsbänder in den VW-Werken Wolfsburg und Emden gesorgt. Dem Vernehmen nach sind Volkswagen allein dadurch dreistellige Millionenbeträge verloren gegangen

Teil-Niederlage in Leipzig

VW versucht seitdem, die Abhängigkeit von Unternehmen der bosnisch-deutschen Prevent-Gruppe zu reduzieren und auf andere Lieferanten zu setzen. Mitte Mai hatte das Landgericht Leipzig Volkswagen jedoch dazu verpflichtet, sich weiterhin von der Prevent-Tochter ES Automobilguss Schönheide mit Getriebeteilen beliefern zu lassen - wenn auch nur im Umfang von 30 Prozent des früheren Absatzvolumens.

Damit war ES Automobilguss jedoch gleichzeitig mit dem Versuch gescheitert, sich bis 2022 ein exklusives Lieferrecht bei Getriebeteilen zu sichern.

Im April war bekannt geworden, dass die Prevent-Gruppe eine Milliardenklage gegen Volkswagen vorbereitet - wegen Kündigung von Lieferverträgen.