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VW streicht bis zu 7.000 Stellen: Das sagt Betriebsratschef Osterloh

Bei Volkswagen sollen in den kommenden Jahren bis zu 7.000 Stellen eingespart werden. (Symbolbild)
Bei Volkswagen sollen in den kommenden Jahren bis zu 7.000 Stellen eingespart werden. (Symbolbild)
Foto: dpa

Wolfsburg. Jetzt ist es offiziell: VW plant in den kommenden fünf Jahren bis zu 7.000 Stellen zu streichen. Das hat der Autobauer am Mittwoch mitgeteilt.

Zuvor hatte es immer wieder Gerüchte um die drastischen Einsparungen bei VW gegeben. Von Seiten des Konzerns heißt es: "Das Unternehmen geht davon aus, dass bis 2023 durch Automatisierung von Routinearbeiten etwa 5.000 bis 7.000 Stellen wegfallen. Das lässt sich auffangen, indem Stellen beim altersbedingten Ausscheiden von Mitarbeitern nicht wiederbesetzt werden."

Osterloh: "Fremdvergabe werden wir nicht zustimmen

Zu den Bekanntmachungen hatte sich der Vorsitzende des VW Betriebsrats Bernd Osterloh wie folgt geäußert: "Klar ist: Bei Volkswagen werden nur Arbeitsplätze abgebaut, wenn die Tätigkeit dahinter tatsächlich wegfällt. Einer Fremdvergabe werden wir nicht zustimmen. Der Betriebsrat sieht die Aussagen der Unternehmensseite zu den 5.000 bis 7.000 Arbeitsplätzen daher sehr kritisch."

Und weiter: "Denn uns ist keine Herleitung dieser Größenordnung bekannt. Der Vorstand ist bisher nicht in der Lage, eine Erklärung zu diesen Zahlen zu liefern. Fakt ist: Hirngespinste von externen Unternehmensberatungen werden wir nicht akzeptieren."

Osterloh begrüßte aber auch eine Veränderung der Denkweise an der Konzern-Spitze: "Der Vorstand hat sich bisher geweigert, die Jahrgänge nach 1961 für die Altersteilzeit freizugeben, obwohl viele Kollegen nach einem langen und harten Arbeitsleben darauf warten. Gut, wenn sich das jetzt endlich ändert. Allerdings muss der Vorstand wissen, dass es bei den Angeboten zur Altersteilzeit keinen Unterschied zwischen Verwaltung und Produktion geben kann. Der Betriebsrat will nicht, dass der Vorstand eine Zwei-Klassen-Belegschaft einführt – die einen bekommen ATZ, die anderen nicht. Für uns gibt es nur eine Belegschaft, nämlich die von VW."

Die Arbeitnehmer müssen den vorzeitigen Ruhestand auch wollen

Man müsse nun aber einen Schritt nach dem anderen gehen. Es müsse nun eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden, die die Informations- und Mitbestimmungsrechte vom Betriebsrat regele. "Neu- und Weiterqualifizierung müssen dabei im Vordergrund stehen. Diese "Roadmap Digitalisierung" haben wir übrigens schon 2017 gefordert.

Beim dann möglichen Abbau von entfallenden Arbeitsplätzen über die demografische Kurve sind zwei Dinge wichtig: Unsere Beschäftigungssicherung gilt mindestens bis Ende 2025. Und Altersteilzeit kann es nur nach dem Prinzip der doppelten Freiwilligkeit geben: Die jeweilige Aufgabe muss entfallen und betroffene Kollegen müssen früher in den Ruhestand wollen. Andernfalls haben sie Anrecht auf eine andere Aufgabe, die ihren Fähigkeiten entspricht – und für die falls nötig qualifiziert wird."

Weniger Modelle, geringere Materialkosten

Hintergrund ist, dass VW derzeit viel Geld in moderne IT-Systeme investiert. Das eröffnet Spielraum für das Management, über Stellenstreichungen Kosten zu sparen. Bereits seit einigen Tagen steht ein weiterer Personalabbau bei der Marke VW im Raum. Zudem will Volkswagen die Modellvielfalt reduzieren und Materialkosten senken.

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Mit den bisherigen Sparprogrammen habe VW bereits viel erreicht, sagte der bei der Marke VW für das Tagesgeschäft zuständige Manager Ralf Brandstätter: "Aber wir müssen noch deutlich mehr tun, um die anstehenden Herausforderungen auch in der Zeit nach 2020 zu bewältigen."

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Sparprogramm bei VW bis 2020

Im Herbst 2016 hatte das Unternehmen mit der Arbeitnehmerseite bereits ein großes Sparprogramm verabredet, das bis Ende 2020 läuft. Es sieht den weltweiten Abbau von 30.000 Stellen vor, 23.000 davon in Deutschland. Im Gegenzug sollen 9.000 Arbeitsplätze in Zukunftsbereichen wie der Softwareentwicklung neu entstehen, betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2025 ausgeschlossen. Das Programm sollte eine Ergebnisverbesserung von 3,7 Milliarden Euro ab 2020 bringen und die Produktivität der Werke deutlich erhöhen.

VW-Chef Herbert Diess will mit der neuen Sparrunde auch die Investitionen für den Schwenk zu Elektromodellen und Digitalisierung bezahlen. Die Marke VW verfehlte im vergangenen Jahr ihre Renditeziele, vor allem weil die Probleme rund um den neuen Abgas- und Verbrauchstest WLTP viel Geld kosteten. Weil Zulassungen nach dem neuen Prüftest fehlten, konnte lange Zeit nur ein eingeschränktes Modellangebot verkauft werden. (mvg mit dpa)

Dieser Text wurde aktualisiert.